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| 14:46 Uhr

Für die Zukunft des Pfarrgartens in Saxdorf
Extremhobby als Mammutaufgabe

Saxdorf. Leader-Projekt schafft Voraussetzungen für die Zukunft des Saxdorfer Pfarrgartens. Von Birgit Rudow

Wie soll es einmal weitergehen mit dem Pfarrgarten in Saxdorf? Wer wird ihn führen und pflegen? Diese Frage beschäftigt nicht nur den Künstler Hanspeter Bethke und Pfarrer Karl-Heinz Zahn – die beiden Herren, die den Garten erschaffen haben und deren Handschrift der Garten prägt.

Hanspeter Bethke ist mittlerweile 82 Jahre alt. Der Maler musste in den 1970er Jahren seinen Schrebergarten nahe Halle an der Saale für den Wohnungsbau aufgeben. Er ist nach Saxdorf gekommen, hat viele Pflanzen mitgebracht und in mehr als 40 Jahren eine Oase aus dem Pfarrgarten gemacht, erzählt Pfarrer Zahn. Doch so langsam muss eine Nachfolge für den Maler gefunden werden, der sich rund um die Uhr um den Garten kümmert. Einfach ist das nicht, denn solch einen Glücksfall wie Hanspeter Behtke wird es nicht noch einmal geben.

Der Verein Wald- und Heideland, der die Leader-Region Elbe-Elster unterstützt, hat kürzlich seine Jahresmitgliederversammlung in Saxdorf abgehalten. „Die evangelische Kirche ist Mitglied in unserem Verein, deswegen sind wir am Pfarrgarten Saxdorf besonders interessiert. Wir wollen mit Pfarrer Karl-Heinz Zahn ein Projekt dafür entwickeln, wie der Pfarrgarten in seinem Bestand erhalten bleiben und in Zukunft weiter geführt werden kann“, sagt Matthias Lohfink vom Vorstand des Vereins.

Seit Mitte des vergangenen Jahres gibt es über den Förderverein Kunst- und Kultursommer Saxdorf ein Leader-Projekt, mit dem die Voraussetzungen geschaffen werden sollen, um den Garten zu erhalten, zu pflegen und ihn auch in Zukunft als künstlerische Oase zu erhalten. Den Auftrag für die Realsisierung des Projektes hat die Staudengärtnerei Manig aus Uebigau erhalten. 50 000 Euro stehen für eineinhalb Jahre zur Verfügung. Zu 80 Prozent wird es über Leader gefördert. Was das ganze bürokratische Prozedere um die Beantragung und Förderung des Projektes betrifft, so sind sowohl Pfarrer Zahn als Vorsitzender des Fördervereins als auch Klaus-Peter Manig dem Regionalmanager der Lokalen Aktionsgruppe Elbe-Elster Thomas Wude sehr dankbar. Er hat sich um alles gekümmert und die Akteure unterstützt.

Klaus-Peter Manig hat für das Projekt Egbert Kritsch aus Plessa in seiner Staudengärtnerei eingestellt. Egbert Kritsch arbeitet ausschließlich im Pfarrgarten. Seine Aufgabe ist es, eine Bestandsliste über alle Pflanzen auf dem 10 000 Quadratmeter großen Areal zu erstellen, sie zu kartieren sowie Pflege und Handlungsanleitungen für einen künftigen Betreiber zu erstellen. Das ist bei der Pflanzenvielfalt von besonderen Kakteen bis zu den Mammutbäumen im wahrsten Sinne des Wortes eine Mammutaufgabe. Hanspeter Bethke und Roland Graeff, Geschäftsführer der Baumschule in Zeischa, helfen ihm dabei. Die Landschaftsarchitektin Andrea Zanker aus Bad Liebenwerda wird die Ergebnisse in einer Dokumentation zusammenstellen, so Klaus-Peter Manig.

Egbert Kritsch hat früher im Industriebau gearbeitet und war nach der Wende Anlagenfahrer bei Campina. Als er arbeitslos wurde, ist er über eine 50plus-Maßnahme bei Hanspeter Bethke im Pfarrgarten gelandet und nach der Maßnahme ehrenamtlich dort geblieben. Er hat sich sehr viel Wissen selbst angeeignet und bezeichnet die Beschäftigung mit Pflanzen als sein „Extremhobby“. Für ihn ist die neue Aufgabe nicht nur eine Herausforderung sondern auch pure Freude.

Aber natürlich wissen sowohl Klaus-Peter Manig als auch Karl-Heinz Zahn oder Matthias Lohfink, dass mit dem Leader-Projekt lediglich gute Voraussetzungen für eine Übernahme des Gartens geschaffen werden. „Es gibt bisher aber weder jemanden, der das machen möchte, noch steht eine Finanzierung“, sagt Pfarrer Zahn. Er hat die Vision, dass ein junger Gärtner mit seiner Familie ins Pfarrhaus einzieht und sich um den Garten kümmert. Klaus-Peter Manig schätzt ein, dass etwa eineinhalb volle Arbeitskräfte nötig sind, den Garten ständig auch für Veranstaltungen in Schuss zu halten. Die Frage ist nur, wer gern dort arbeiten und leben möchte und vor allem, wer diese Arbeit bezahlt.

Auch der Verein Wald- und Heideland würde den Pfarrgarten Saxdorf gern als touristisches Highlight erhalten, sagt Matthias Lohfink. Er hofft auf eine hohe Öffentlichkeitswirksamkeit. „Vielleicht könnte die Kurstadtregion ein Ansatzpunkt sein. Denn der Ort Saxdorf ist damit völlig überfordert, ebenso die Stadt Uebigau-Wahrenbrück, die mit der Brikettfabrik und dem Schloss schon genug zu bewältigen hat“, so Matthias Lohfink. Er bringt auch den Gedanken an eine Stiftung ins Spiel. „Wir müssen das öffentliche Interesse für den Pfarrgarten einfach noch mehr wecken“, sagt er.

Karl-Heinz Zahn, Egbert Kritsch und Klaus-Peter Manig (v.l.) kurz vor Weihnachten im Pfarrgarten in Saxdorf. Der gesamte Pflanzenbestand des Gartens muss kartiert werden.
Karl-Heinz Zahn, Egbert Kritsch und Klaus-Peter Manig (v.l.) kurz vor Weihnachten im Pfarrgarten in Saxdorf. Der gesamte Pflanzenbestand des Gartens muss kartiert werden. FOTO: Rudow / LR