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| 10:57 Uhr

Höchster Zuckergehalt, geringere Erntemenge
Zuckersüß: Rüben mit Rosineneffekt

Die Dürre setzt auch widerstandsfähigen Zuckerrübenflächen zu. Auf einem Schlag bei Martinskirchen belegen gelbe Stellen, dass die süße Frucht dort abgestorben ist - „vermumifiziert“, wie die Fachleute sagen.
Die Dürre setzt auch widerstandsfähigen Zuckerrübenflächen zu. Auf einem Schlag bei Martinskirchen belegen gelbe Stellen, dass die süße Frucht dort abgestorben ist - „vermumifiziert“, wie die Fachleute sagen. FOTO: LR / Frank Claus
Brottewitz. Zuckergehalt in der Region Mühlberg noch nie so hoch wie in der Phase der seit Anfang August laufenden Proberodung. Von Frank Claus

Die Hitze hat auch was Gutes: Noch nie in der Geschichte der Proberodungen war der gemessene Zuckergehalt der Zuckerrüben so hoch wie in diesem Jahr. Auf den Feldern im Einzugsbereich der Südzucker-Fabrik in Brottewitz ist bei der ersten Proberodung Anfang des Monats ein Zuckergehalt von 19,6 Prozent ermittelt worden (Durchschnittswert der vergangenen fünf Jahre 14,5 %) und im Einzugsbereich des Werkes in Zeitz lag der Zuckergehalt sogar bei 19,8 Prozent (vorheriger Durchschnitt dort 14,7 %). Auf einigen Mühlberger Flächen sei sogar ein Gehalt von 24 Prozent ermittelt worden. Werner Stohr, Leiter der Rübenabteilung in Brottewitz, spricht von einem „Rosineneffekt“, den man sonst nur von Weintrauben kennt.

Weniger erfreulich ist freilich die Ertragsprognose, die den Berechnungen zufolge jetzt schon fast 15 Prozent weniger Rüben als im Vergleich zur Durchschnittserntemenge in den vergangenen fünf Jahren aufzeigt. Von den Rekordjahren 2014 und 2017 mit um die 85 Tonnen je Hektar ist man weit entfernt. „Wenn die Situation nicht noch schlimmer kommt, dürften es gerade mal um die 70 Tonnen je Hektar werden“, sagt Werner Stohr.

Bei den Proberodungen werden 20 Rüben gezogen, ihr Zuckergehalt, ihr Gewicht und die Fläche der Proberodung ermittelt. „Mit den Werten lassen recht genaue Prognosen ableiten“, sagt der Brottewitzer Rüben-Chef.

Dabei ist die Zuckerrübe schon eine „Wunderblume“: Wenn in den nächsten Tagen noch mal gehörig Regen fällt, könnte die Pflanze noch mal satt aufholen. Für Flächen, die wie bei Martinskirchen jetzt schon gelb sind, gibt Werner Stohr allerdings wenig Hoffnung. „Da bildet sich vielleicht noch mal Blattwerk, aber die Rübe wird nicht mehr viel größer.“ Er geht bei der diesjährigen Ernte von großen regionalen Unterschieden aus. Während im Mühlberger Raum und in Nordsachsen der Ertrag deutlich geringer ausfallen dürfte, sehen die Prognosen für die Lommatzscher Pflege, Westsachsen und das Altenburger Land noch ansprechend aus. Fest steht: Die Zuckerrübenkampagne in Brottewitz beginnt nicht wie im Rekordjahr 2017 schon Anfang September. „Wir planen mit etwa 14 Tagen später“, so Werner Stohr.