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| 15:05 Uhr

Schwache Ernte in Lindena
Viel zu wenige Fische im Hammerteich

Von Jahr zu Jahr mehr Schaulustige verfolgen das Abfischen im Hammerteich bei Lindena.
Von Jahr zu Jahr mehr Schaulustige verfolgen das Abfischen im Hammerteich bei Lindena. FOTO: Torsten Pötzsch
Lindena. Ein heißer, wasserarmer Sommer und der gefräßige Kormoran sorgen für lange Gesichter in Lindena: Die Fischer sind vom Ergebnis im Hammerteich enttäuscht. Von Torsten Pötzsch

Seit Jahrhunderten bietet sich dem Betrachter im Spätherbst am Lindenaer Hammerteich das gleiche Bild. Harte, bärtige Männer stehen hüfttief im eiskalten Wasser und ziehen ein schweres Netz durch die Fischgrube des abgelassenen Teiches. Etwas Technik ist mit der Zeit hinzugekommen. Doch im Grunde hat sich am Abfischen nur wenig geändert. Und das kommt bei den Schaulustigen immer besser an.

So zog es am vergangenen Samstagvormittag wieder Hunderte Neugierige an den Teich. Auffällig dabei war, dass vor allem Familien mit kleinen Kindern gekommen waren, die den Fischern ganz nah bei deren Arbeit zuschauen wollten. Für die Jüngsten wurde sogar wieder eine kleine Sortierstrecke aufgestellt. Nur die wenigsten Kinder scheuten sich, einen Fisch anzufassen. Die Neugier siegte, denn diese Gelegenheit ist selten.

Auf den ersten Blick trügt nichts die Idylle in wunderbarer Natur. Doch die Gesichter der Fischer, vor allem jenes von Uwe Keil, dem Fischwirt, der in der Region 13 Teiche mit einer Gesamtfläche von mehr als 140 Hektar bewirtschaftet, sprechen dieses Mal eine andere Sprache.

Mit 20 Tonnen Fisch hat er am Hammerteich gerechnet. Es deutete sich bereits in den frühen Morgenstunden an, dass die Männer von diesem Ziel weit entfernt landen werden. „Was da ist, hat wieder eine hervorragende Qualität. Jedoch sehe ich viel zu wenig Fisch“, ist Uwe Keil enttäuscht. Besonders vom Karpfen, den der Senior-Fischer Martin Keil einst als „Brotfisch der Lausitz“ bezeichnet hatte, ist viel zu wenig im Netz. Leichte Verzweiflung macht sich breit. „Noch so ein Jahr, dann wird es richtig ernst“, resümiert Uwe Keil.

Er macht drei Ursachen für die diesjährige schlechte Ernte verantwortlich: den heißen, viel zu trockenen Sommer und den damit einhergehenden Wassermangel sowie den Kormoran. Dieser Vogel richte mittlerweile nennenswerte wirtschaftliche Schäden in der Teichwirtschaft an.

Martin Keil, der in die Teichwirtschaft an der Hammermühle in den 1970er-Jahren eingestiegen war, kann sich nicht erinnern, dass die Ernte schon einmal so dramatisch niedrige Ausmaße angenommen hatte. „Wir werden in diesem Winter den Hammerteich trocken lassen müssen. Es ist einfach nicht genug Wasser da. So etwas habe ich selbst noch nie erlebt. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass es schon einmal der Fall gewesen sein könnte“, sagt er.

Fast genauso lange wie die Familie Keil die Teichwirtschaft betreibt, jagt Wolfgang Dietrich schon in der Region. In den vergangenen Wochen war er täglich am Hammerteich und hatte mehrere Stunden den Kormoran im Visier. Denn Jungvögel dürfen bejagt werden. „Es ist wie der Kampf gegen die Windmühlen. Allein mit der Jagd ist das Problem Kormoran nicht mehr zu lösen. Aus meiner Sicht blockiert hier auch der Naturschutz und kommt seiner Verantwortung nicht nach. Er müsste akzeptable Lösungen anbieten. Es ist sogar so, dass er gar keine Vorschläge hat. Die Natur regelt schon lange nicht mehr alles selbst“, stellt Wolfgang Dietrich fest.

Fischer und Waidmann äußerten sich schon oft in dieser Schärfe. Erhört wurden sie aber bisher noch nicht. Dass etwas in der Natur nicht mehr stimmt, das hat auch schon der 13-jährige Eric Hänisch mitbekommen. Seit drei Jahren ist er aktiv beim Abfischen dabei und versorgt mit viel Herzblut, Leidenschaft, Fachwissen und Frischfisch die Kleinsten an der Kinderfischsortieranlage: „Ja, auch mir ist sofort aufgefallen, dass es in diesem Jahr nicht so viele Fische sind und das sie ziemlich klein sind. Nur der Giebel ist unnormal groß und häufig.“ Und was macht man mit diesem Fisch? „Na, Fischbuletten“, kommt es wie aus der Pistole geschossen.

Wer also Silvester traditionell mit einem Karpfen feiern möchte und nicht mit einer Fischbulette, der muss sich in diesem Jahr sputen. Den Fischern in der Region kann man nur wünschen, dass es bald wieder mehr Wasser gibt und dass es für das Problem Kormoran in absehbarer Zeit eine Lösung gibt.