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| 02:44 Uhr

Zeit läuft für die Angeklagten

Als Gerichtsreporter in Senftenberg habe ich es (zu) oft selbst erlebt: Die Straftaten liegen nicht selten Jahre zurück, ehe diese trotz abgeschlossener Ermittlungen verhandelt werden. Wird ein Richter krank, wachsen die mühsam abgetragenen Aktenberge wieder an.

Vergeht zu viel Zeit, schwindet das Unrechtsbewusstsein so mancher Angeklagter noch mehr, ist meine Erfahrung. Die einzelne Straftat wird verklärt. Kein Wunder bei einem ellenlangen Vorstrafenregister und neuen Delikten. Noch prekärer wird es, wenn die verstrichene Zeit bei den Zeugen die Erinnerungen verblassen lässt. Polizeibeamte können in den damaligen Vernehmungsprotokollen nachlesen. Der Bürger als Zeuge hat da schlechtere Karten. Seine schwache Aussage stärkt die Verteidigung. Während sich der Angeklagte über das unerwartet milde Urteil freut, zweifeln die Geschädigten am Rechtsstaat. Das kann es nicht sein. Deshalb müssen für zügigere Verfahren Ermittlungsbehörden und Justiz gestärkt und nicht weiter geschwächt werden.