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Reaktion zum Kiesabbau
Zeischaer erheben schwere Vorwürfe

Die möglichen Entwicklungen am Kiessee Zeischa beunruhigen Einwohner des Ortes. Ortsvorsteher Helmut Andrack (Die LInke) kritisiert auch die abgelagerten Baumstubben vom dreistreifigen Ausbau der B 101 zwischen Elsterwerda und Bad Liebenwerda. Das Landesbergamt stärkt dem Bergwerksbetreiber, der sie anfahren ließ, um das Betriebsgelände zu sichern, den Rücken.
Die möglichen Entwicklungen am Kiessee Zeischa beunruhigen Einwohner des Ortes. Ortsvorsteher Helmut Andrack (Die LInke) kritisiert auch die abgelagerten Baumstubben vom dreistreifigen Ausbau der B 101 zwischen Elsterwerda und Bad Liebenwerda. Das Landesbergamt stärkt dem Bergwerksbetreiber, der sie anfahren ließ, um das Betriebsgelände zu sichern, den Rücken. FOTO: Frank Claus / LR
Zeischa. Zum Beitrag „Verfahrene Kiste: Kies in Zeischa“ (LR vom 17./18.3.) hat sich der Ortsvorsteher aus Zeischa, Helmut Andrack (Die Linke) zu Wort gemeldet. Er kritisiert, dass bei den Entwicklungen die Bürger völlig außer acht gelassen werden. Von Claus

Seit ca. 130 Jahren werden in Zeischa Kiese und Sande abgebaut. Viel Land ging verloren, aber es entstand Schritt für Schritt ein Gebiet mit viel  Wasser und einigen hundert Bungalows.

Naherholung wird groß geschrieben. Der Ortsteil Zeischa und die Stadt Bad Liebenwerda profitieren in vielfältiger Hinsicht davon. Ein Anziehungspunkt mit überregionaler Bedeutung und mit Perspektiven für die weitere Qualifizierung der Kurstadtregion ist entstanden. Bisher waren wir stolz darauf.

Jetzt ist dieses Kleinod mit kilometerlangen aufgeschütteten Dreckhaufen verunstaltet und das Bergamt klatscht Beifall! Damit nicht genug: Bungalowbesitzer und interessierte Häuslebauer bekommen nun über die Lausitzer Rundschau mitgeteilt, dass sie auf hochwertigen Quarzsanden gesiedelt haben bzw. siedeln wollen. Und der Bergwerksinhaber hat nicht die Absicht, auf den Kiesabbau auf diesen ausgewiesenen Vorrangfeldern zu verzichten.

Menschlich gesehen ist das eine tolle Leistung der über Berg und über Recht und über Bergrecht und über Kies und Sand Verfügenden! Der Bazillus des eventuellen Verlustes des geliebten und gepflegten Eigentums ist nun gesetzt. Möge sich jeder seine Gedanken darüber machen.

Ich erinnere: Da wurde vor vielen Jahrzehnten im damals dichten und unbewohnten Wald eine Linie gezogen, die das Bergrecht vom Ort abgrenzte. Aber schon vor nunmehr 60 Jahren hob die DDR dieses Bergrecht zumindest symbolisch auf und gab einen Teil dieser Flächen für den Bau von Bungalows und damit für die Naherholung frei. Viele Menschen waren glücklich und sind es bis heute in zweiter und dritter Generation. Ab jetzt müssen sie um ihr Eigentum bangen. Herzlichen Glückwunsch ihr Mächigen des Rechts und des Kieses!

Frage: Warum ist es denn nicht möglich, das Bergrecht zumindest dort, wo Menschen gesiedelt haben, an die historisch gewachsenen Zustände anzupassen? Nach der politischen Wende wurde doch unendlich viel verändert und umgestoßen. Und hier soll es nicht gehen?

Wenn Sie, meine Damen und Herren Entscheidungsträger, an Ihrem Schreibtisch sitzen, der voll gepackt mit Gesetzen und Paragrafen ist, die Sie so bedeutungsvoll machen, dann schreiben Sie wenigstens noch ein Wort dazu: Mensch! Denn hier sind Menschen nicht nur allgemein, sondern ganz direkt und konkret betroffen. Von allen Beteiligten erwarten wir Zeischaer, dass die Zeit des Hauens und Stechens zwischen den Verantwortlichen vorbei ist und dass zeitnah nach Argumenten gesucht wird, die nicht verhindern, sondern Lösungen zum Wohle und zur weiteren Entwicklung unserer Region finden lassen.