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| 17:10 Uhr

Ein lohnender Blick zur Decke
Grödener dürfen sich in ihrer Sankt-Martins-Kirche wieder trauen

 Nach dem Chor ist nun auch die Decke im Schiff der evangelischen Sankt-Martins-Kirche in Gröden nach historischem Vorbild restauriert worden. Fenster und Empore müssen laut Dr. Sebastian Rick  jetzt noch farblich angepasst werden.
Nach dem Chor ist nun auch die Decke im Schiff der evangelischen Sankt-Martins-Kirche in Gröden nach historischem Vorbild restauriert worden. Fenster und Empore müssen laut Dr. Sebastian Rick  jetzt noch farblich angepasst werden. FOTO: LR / Manfred Feller
Gröden. Pünktlich vor der ersten Trauung am Pfingstsonnabend sind in dieser Woche in der Grödener Kirche die Gerüste der Restauratoren gefallen. Pfingstsonntag ist Konfirmation. Von Manfred Feller

Nach einem halben Jahr und dem Abschluss der zweiten Restaurierungsphase ist die evangelische Sankt-Martins-Kirche in Gröden jetzt wieder geöffnet. Am Pfingstsonnabend findet auch schon die erste Trauung statt. Und am Pfingstsonntag erhalten drei junge Christen ihre Konfirmation.

Nachdem der erste Termin zu Ostern nicht zu halten gewesen war, ist es nun eine Punktlandung gewesen, zeigt sich Dr. Sebastian Rick, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, erleichtert. „Am Mittwoch wurde das Gerüst abgebaut und am Donnerstag haben wir sauber gemacht“, sagt er. Dem Aufruf zum Großreinemachen waren nach der staubigen Restauration 20 Freiwillige aus der mitgliederstarken Kirchengemeinde gefolgt. Bis auf einen vergessenen Bierflaschendeckel auf einer Sitzbank erinnerte am Freitag nichts mehr an die erfolgreiche Putzaktion.

 Aus der düsteren Kassettendecke im Kirchenschiff ist ein Hingucker geworden. Die Restauratoren haben ganze Arbeit geleistet. 
Aus der düsteren Kassettendecke im Kirchenschiff ist ein Hingucker geworden. Die Restauratoren haben ganze Arbeit geleistet.  FOTO: LR / Manfred Feller

Manch einer war auch gekommen, so Dr. Sebastian Rick, weil er neugierig auf das frische Aussehen des Kirchenschiffes war. In den sozialen Medien habe es nur positive Reaktionen gegeben.

Über 50 000 Euro (die letzten Rechnungen sind noch nicht da) hat sich die Kirchengemeinde Gröden den neuerlichen, ansehnlichen Kraftakt kosten lassen. Die vorherige aufwendige Chorrestauration mit Malereien war um einiges teurer. Die nunmehrige ansehnliche Summe bringen vor allem die Kirchengemeinde selbst und die Mitglieder durch Spenden in Höhe von immerhin ungefähr 10 000 Euro auf. Auch wenn die Gottesdienste besser besucht werden könnten, zeige dies dennoch die Verbundenheit zu dem 1378 erstmal erwähnten und später immer wieder vergrößerten und veränderten Gotteshaus auf. Auch die Stiftung Alte Kirchen, der Kirchenkreis Bad Liebenwerda und der Landkreis Elbe-Elster aus seinem Denkmalschutzfonds haben dieses  Kirchenprojekt  unterstützt.

 Blick vom Kirchenschiff in den bereits restaurierten Altarraum. Was fehlt, sind die Altarflügel mit den verschwundenen Heiligenfiguren. Dahinter steckt eine noch nicht aufgeklärte Kriminalgeschichte.
Blick vom Kirchenschiff in den bereits restaurierten Altarraum. Was fehlt, sind die Altarflügel mit den verschwundenen Heiligenfiguren. Dahinter steckt eine noch nicht aufgeklärte Kriminalgeschichte. FOTO: LR / Manfred Feller

Farblich passt die einst braune, jetzt weiß-blaue Kassettendecke wie vor etwa 300 Jahren zum fertigen Chor. Die alte getäfelte Struktur musste nach dem Willen der Denkmalschützer jedoch erhalten bleiben. Es durften lediglich schadhafte Stellen  ausgebessert werden.

Beim Bearbeiten der Holzdecke haben die Restauratoren um den Nexdorfer Ralph Schirrwagen eine auf den ersten Blick unscheinbare Entdeckung gemacht: Genau in der Mitte der Kassetten fanden sich zugekittete Dübellöcher. „Wir haben daraufhin alte Rechnungen von 1704 für 238 Zierknöpfe gefunden“, berichtet der Kirchenratsvorsitzende. Diese mussten nun zusätzlich bei einem Tischler bestellt und angebracht werden. Sie wirken nun wie der Punkt auf das i.

 Baulich ist die evangelische Kirche in Gröden soweit in Ornung. Zukunftsmusik ist dagegen die Gestaltung des wenig ansehnlichen ehemaligen Gottesackers ringsherum.
Baulich ist die evangelische Kirche in Gröden soweit in Ornung. Zukunftsmusik ist dagegen die Gestaltung des wenig ansehnlichen ehemaligen Gottesackers ringsherum. FOTO: LR / Manfred Feller

Die Arbeiten an der Decke seien auch für eine dendrochronologische Untersuchung (Datierung) am Gebälk genutzt worden. Anhand der Jahresringe sei nun belegt, dass die Deckenbalken im Jahr 1588 eingezogen worden waren. Dr. Sebastian Rick geht davon aus, dass dies wahrscheinlich im Zuge einer Deckenerhöhung geschehen sein muss.

Fertig ist die Kirche drinnen immer noch nicht. Die Wände (der Sockelputz wurde erneuert) sind noch weiß zu streichen, die Fenster blau einzufassen, die Empore farblich anzupassen und der Bogen zwischen Chor und Schiff zu restaurieren. Dies könnte ab dem Jahresbeginn 2020 erfolgen.

Doch zuvor wird am 30. Juni in der Grödener Kirche der Einweihungsgottesdienst gefeiert. Beginn: 10.15 Uhr. Dann soll allen Beteiligten und natürlich den Spendern gedankt werden.

 Das Pfarrhaus in Gröden. Es regnet nicht hinein und steht sicher. Aber irgendwann muss es saniert werden.
Das Pfarrhaus in Gröden. Es regnet nicht hinein und steht sicher. Aber irgendwann muss es saniert werden. FOTO: LR / Manfred Feller