ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:46 Uhr

Die dritte Runde im Rathaus
Wortgefechte auf dem Mühlberger Kiesgipfel

 Es wird als Erfolg gewertet, dass Kieswerksbetreiber und die Kritiker des sich weiter ausdehnenden Rohstoffabbaus mit all seinen Begleiterscheinungen an einem Tisch im Mühlberger Rathaus sitzen und sich austauschen. Nach wie vor geht es punktuell sehr kontrovers zu.
Es wird als Erfolg gewertet, dass Kieswerksbetreiber und die Kritiker des sich weiter ausdehnenden Rohstoffabbaus mit all seinen Begleiterscheinungen an einem Tisch im Mühlberger Rathaus sitzen und sich austauschen. Nach wie vor geht es punktuell sehr kontrovers zu. FOTO: LR / Manfred Feller
Mühlberg. Der Kiesabbau um Mühlberg an der Elbe: Die Bergwerksbetreiber und deren Kritiker schenken sich nichts, wenn es um die jeweiligen Interessen geht. Doch das Arbeiten und Leben müssen an der Elbe unter einen Hut gebracht werden. Von Manfred Feller

Kritische Fragen, teilweise deftige Antworten, eine die angespannte Lage mildernde Moderation, aber auch viele sachliche Informationen und ein überwiegend zuversichtlich stimmender Ausblick bestimmten den 3. Kiesgipfel am Montag im Mühlberger Rathaus. Die SPD-Landtagsabgeordnete Barbara Hackenschmidt und der Brandenburger Wirtschaftsstaatssekretär Hendrik Fischer hatten zu dieser sehr gut besetzten Runde eingeladen.

Es knirscht nach wie vor zwischen den Bergwerksbetreibern und den kritischen Begleitern des großflächigen Kiesabbaus im Raum Mühlberg. Diese kommen aus den Ortsteilen beziehungsweise gehören der Bürgerinitiative „Für eine Heimat mit Zukunft an“. Die Seiten, so scheint es, nähern sich nur langsam an. Für die anhaltenden Spannungen bis hin zum Rest-Misstrauen hat Staatssekretär Hendrik Fischer, der abhebende Gemüter immer wieder bedacht und sachlich herunterholt, eine plausible Erklärung: Es sei normal, dass die Menschen heute nicht jedes Firmenprojekt so einfach hinnehmen wie in der Vergangenheit. „Die Leute hinterfragen mehr“, stellt er fest. Die Mühlberger würden immer mehr Interesse für die Entwicklung ihrer Stadt zeigen – die Ortsteile eingeschlossen. Fischer möchte diesen Prozess weiter begleiten.

Grundwassermodell. Die allgemeine Forderung, ein geohydraulisches Grundwassermodell zu erstellen, wird derzeit erfüllt. Wie Torsten Schroschk, Abteilungsleiter im Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg, informiert, sei der Zuschlag an eine Freiberger Spezialfirma im November 2018 erfolgt. Der Abgabetermin ist der 28. Juni 2019. Beim nächsten Kiesgipfel in Mühlberg im Spätsommer oder Frühherbst sollen dann die Ergebnisse vorgestellt werden.

Grundlage sei das Realszenario mit den drei vorhandenen Bergwerksaufschlüssen Mühlberg Werk IV, Werk II und Altenau, plus die weiteren fünf Berechtigungsfelder um Mühlberg und in Koßdorf-West. Das Modell werde den Einfluss des Kiesabbaus nicht räumlich eng betrachten, sondern über Mühlberg und die Elbe hinaus bis nach Sachsen. Am Ende soll prognostiziert werden, wie sich die Grundwasserstände in den jeweiligen Gebieten entwickeln werden.

Sigrid Käseberg, Vorsitzende der Bürgerinitiative, beklagt längst sichtbare Auswirkungen: „Die Dorfteiche in Altenau und Fichtenberg sowie der Lagerteich liegen bereits trocken. Der Teich in Burxdorf ist nur noch halb voll.“

Für Uve Gliemann, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Mühlberg, hat der Auftrag an die Ingenieurgesellschaft aus Freiberg einen Beigeschmack, da diese bereits für eines der Kiesunternehmen tätig war. Das angesprochene Unternehmen verwahrt sich dagegen, dass hier womöglich ein Gefälligkeitsgutachten entstehen könnte. Das Land hatte die Leistung ausgeschrieben.

Lärmmessung. In der Nacht zum 30. Oktober 2018 wurde nach Angaben des Landesamtes eine amtliche Lärmmessung in Altenau und Mühlberg vorgenommen. Demnach sei der Richtwert nicht überschritten worden. Die Firmen wussten davon laut Torsten Schroschk nichts, sodass sie hätten den Lärm mindernde Maßnahmen ergreifen können. Vielmehr seien diese im Nachhinein darum gebeten worden, jene Technik zu benennen, die während der Messungen im Einsatz war. Im Ergebnis handele es sich um Messmittelwerte. Dazu stellt Sigrid Käsewerk fest, dass es in der Nacht sehr wohl störende Lärmspitzen gebe.

Mit entscheidend für die Wahrnehmung sei die Windrichtung. „Welche Rolle spielte bei den Messungen das Wetter?“, will der immer wieder kritisch nachhakende Jörg Fabian, Ortsvorsteher von Altenau, wissen. Laut Staatssekretär Hendrik Fischer fließt ein meteorologischer Korrekturfaktor ein. Dieser könne sich positiv oder negativ auswirken.

Eines der Kiesunternehmen will jene die Nachbarschaft störenden Hupgeräusche der eigenen Loks beim Anfahren (besonders beim Beladevorgang) durch eine neue technische Lösung abstellen.

Sandhalde. Die Sandhalde, teilweise eine Staubquelle, die Berger Rohstoffe nach der Betriebsübernahme vor Jahren mit übernommen hatte, spaltet die Lager. Die einen wollen sie zügig zurückgebaut haben, wenigstens auf das Genehmigungsmaß, andere als Landmarke erhalten. Festgestellt wurde auch in dieser Runde wieder, dass eine Haldenhöhe von 15 Metern zulässig ist. 24 Meter sind es aber. Und die Halde sei rechtlich nur eine temporäre Lösung.

Wenn es zu einem Rückbau kommen sollte, dann in frühestens 20 Jahren. Dann sei genügend Grubenraum zum Einspülen vorhanden. Jedem Abtrag stehe entgegen, dass Teile der Halde inzwischen zu einem geschützten Biotop geworden sind. Ohne Ersatz kein Rückbau.

Nachbergbauzeit. Für das im September von den Stadtverordneten beschlossene „Strukturentwicklungskonzept für den Raum Mühlberg/Elbe (nach dem Kiesabbau)“ hat das PlanerNetzwerk PLA.NET mit Büros in Plessa und Mügeln insgesamt 79 Ideen aus dem Raum Mühlberg zusammengetragen und Leitprojekte formuliert – wie Elbe-Seen-Land-Rundweg, Familienpark am Schlossteich, Aufwertung West- und Ostsee, Alte Schäferei (Naturerlebnis-Paradies) und Erlebnisraum/-band Alte Elbe. Zu bildende Arbeitskreise sollen ins Detail gehen, damit geplant werden kann.