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| 14:06 Uhr

Tiefschwarze Wolken über Elsterwerda
Havarie im Biomasseheizkraftwerk

 Schwarzer Rauch steigt aus dem Biomasseheizkraftwerk Elsterwerda.
Schwarzer Rauch steigt aus dem Biomasseheizkraftwerk Elsterwerda. FOTO: LR / Peter Bernhardt
Elsterwerda. Anwohner sind genervt: Immer wieder registrieren sie „Lärm und Gestank“ aus dem Biomasseheizkraftwerk Elsterwerda. Aktuell seien schwarze Rauchschwaden am Himmel aufgezogen. Das sagt der Anlagenbetreiber Danpower. Von Frank Claus

Peter Bernhardt wohnt fast genau gegenüber des Biomasseheizkraftwerkes und zählt seit dessen Bau zu seinen schärfsten Kritikern. Nicht der Anlage wegen, sondern hinsichtlich des Standortes, der umgeben ist von Wohnbebauung. Nicht zum ersten Mal, so der Elsterwerdaer, sind schwarze Wolken aus dem Schornstein gestiegen.

Pechschwarze Rauchschwaden am Himmel

Am Sonnabend hätten die Einwohner erneut dieses „makabare Schauspiel“, wie er sagt, erleben müssen. Er schreibt: „Wieder einmal schleuderte der Schlot des Biomasseheizkraftwerkes Elsterwerda ab 8.10 Uhr pechschwarze Rauchschwaden für knapp 30 Minuten in die noch saubere morgendliche Luft von Elsterwerda. Ab 10.40 Uhr wiederholte sich dieses Ereignis nochmal.“ Anwohner hätten sich frustriert an ihn gewandt und erklärt, dass sie sich die Arbeitsweise des Kraftwerkes, oft auch verbunden „mit Lärm und Gestank“,  nicht mehr bieten lassen wollen. Zuständige Leiter des Kraftwerkes hätten, so Peter Bernhardt, „diese Zustände meistens heruntergespielt“. Und er kritisiert Rathaus und Abgeordnete: „Informationen im Rahmen von Stadtverordnetenversammlungen wurden bisher weder von den gewählten Vertretern noch von der Stadtverwaltung ernsthaft verfolgt.“

Fataler Fehler: Ölschläuche vertauscht

Elsterwerdas Danpower-Werkleiter Dr. Gaston Hoffmann reagiert zwar erst auf LR-Nachfrage, dafür aber umfassend. „Wir hatten ein technisches Problem, das durch eine Fremdfirma verursacht worden ist“, sagt er. Dabei seien Ölschläuche, die an das Verbrennungssystem angeschlossen werden, vertauscht worden, obwohl die Leitungsstutzen mit Schildern gekennzeichnet seien. Vor- und Rücklauf seien verwechselt worden.

Das Kraftwerk benötigt im Anfahrvorgang hohe Temperaturen (850 Grad), die zur Verbrennung von schadstoffbelastetem Altholz der Klasse A1-A4 nötig sind. Der jährliche Altholzbedarf liege bei etwa 90 000 Tonnen. Die schwarze Rauchsäule, die am Sonnabend zu sehen war, stamme vom Verbrennen des Öls. Landesumweltamt, Stadtverwaltung und Polizei seien umgehend vor Ort gewesen.

Irrtum soll nach Umbau der Kupplungen ausgeschlossen sein

Dem Werkleiter zufolge werde nun sofort reagiert: „Wir werden die entsprechenden Kupplungen jetzt so umbauen, dass ein Vertauschen beim Anschluss überhaupt nicht mehr möglich ist.“ Für Peter Bernhardt ist der Vorfall ein Zeichen, dass Betriebsabläufe kritisch zu bewerten seien. Nun „sollten endlich auch die Technologie des Verbrennens sogenannter Biomasse im Heizkraftwerk Elsterwerda und alle damit in Verbindung stehenden Prozesse (...) untersucht werden.“

Das Kraftwerk versorgt 30 Kunden, darunter beide Wohnungsgesellschaften, das Krankenhaus, die Schulen, Freizeiteinrichtungen, Kindergärten und private Wohngebäude an 110 Abnahmestellen mit Fernwärme.

Nachtrag: Kurz nach 15 Uhr hat am Montag der Anlagenbetreiber in einer Pressemitteilung unter der Überschrift „Betriebsstörung im Biomasseheizkraftwerk Elsterwerda“ auf den Vorfall reagiert. Darin heißt es zu den technischen Abläufen:

„Samstagmorgen, gegen 8 Uhr, kam es im Biomasseheizkraftwerk Elsterwerda zu einer Rußentwicklung am Kamin. Die austretende Rauchwolke resultierte aus einem Zündversuch des Ölbrenners, nicht aus dem Verbrennungsprozess der Biomasse.

Für standardmäßige und regelmäßig durchgeführte Wartungsarbeiten gab es in der vergangenen Woche einen geplanten Kurzstillstand des Biomasseheizkraftwerks Elsterwerda. Nach erfolgreicher Wartung ist die Ursache der Rußentwicklung auf ein Vertauschen der Vor- und Rücklaufölleitungen der externen Wartungsfirma zurückzuführen aufgrund dessen Zündversuche des Ölbrenners registriert wurden. Aufgrund der geringen Schadstofffracht bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Menschen und Umwelt. Um diese Rußentwicklungen zukünftig auszuschließen werden in den kommenden Tagen vorsorglich die dazu nötigen technischen Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet.“