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| 14:44 Uhr

Neue Ausstellung in Elsterwerda
Wo Verrückte Blinde führen, springt der Künstler drauf

 Nur scheinbar unscheinbar: Die skulpturalen Objekte von Wolfgang T. Müller fordern in der Kleinen Galerie Elsterwerda zur Diskussion heraus.
Nur scheinbar unscheinbar: Die skulpturalen Objekte von Wolfgang T. Müller fordern in der Kleinen Galerie Elsterwerda zur Diskussion heraus. FOTO: LR / Manfred Feller
Elsterwerda. Vom Grafiker in Berlin und Keramiker an der Ostsee zum politischen Skulpturenmacher in seiner Heimatstadt. Wolfgang T. Müller provoziert in der Galerie Elsterwerda. Von Manfred Feller

Da steckt ein Künstler den Finger tief in die gesellschaftlichen Wunden und Missstände hinein. Wer sich darauf einlässt, der findet sich in herrlich heftigen Streitgesprächen über das Gestern, Heute und Morgen wieder. Dies ist wahrscheinlich die politische Ausstellung schlechthin der vergangenen Jahre in der Kleinen Galerie „Hans Nadler“ in Elsterwerda.

Der einheimische Künstler Wolfgang T. Müller provoziert heftig, indem er alte Weisheiten auf seine, ihm eigene Weise umsetzt. „Ich habe keine Lust, dem Mainstream hinterherzuhetzen. Das ist alles ein Theater da draußen, auch ohne Menschen“, wirft er in den Raum und legt das Feuer für die nächste Diskussion.

Der Rundgang durch die neue Ausstellung „Inszenierungen“ mit skulpturalen Objekten und Federzeichnungen ist eigentlich schnell vorbei. Verschieden farbige Röhrchen stellen Menschen dar. Fahnen sind in den Wind gedreht. Schön!

Die Zeiten ändern sich – nicht

Doch wehe, der Betrachter lässt sich auf das jeweilige Thema ein und hat einen Streitpartner zur Hand. Das kann heftig philosophisch bis politisch aktuell werden. Zum Beispiel mit der These „Das ist die Seuche dieser Zeit. Verrückte führen Blinde“. Der erste Gedanke: ein aktuelles Zitat über die politische und wirtschaftliche Elite. Doch es steht im „König Lear“ von Shakespeare. Geschichte kann so nah sein.

Bei einer anderen Skulptur ragen gebogene Trichter in die Höhe. „Mit dem Sprachrohr reißt man heute ebenso viel ein wie früher mit dem Rammbock“, steht für den 1948 in Elsterwerda geborenen Wolfgang T. Müller fest, wenn er sich ein ums andere mal eine politische Rede unter großen Schmerzen anhört.

Wer’s glaubt...

Bei der Skulptur „Warten auf den Wundermacher“, der alles verspricht und Erfolgsrezepte verkauft, aber seine ihm folgenden „Gläubigen“ dann doch täuscht, nachdem er sie verfügbar gemacht hat, fallen einem sogleich politische Wahlen ein. Der Künstler möchte die Grenzen jedoch nicht so eng ziehen. Auf dem Finanzsektor und anderswo sei es nicht besser.

Oder die Skulptur „Karthago 2.0“: dreimal Krieg gegen Rom – zerstört und untergegangen. Parallelen zur SPD in der Groko seien rein zufällig.

Das gefiel nicht jedem

In der Ausstellung zu sehen sind auch aufwendige Federzeichnungen. Diese wurden zu DDR-Zeiten bei Kunstliebhabern hoch gehandelt, aber aufgrund ihrer pessimistischen Grundhaltung fernab des „zukunftsorientierten sozialistischen Lebens“ von den Oberen mächtig getadelt. Der Künstler nennt es „elegant verpackte Böswilligkeiten“ gegen das System. „Ich habe dann mit mit dem Zeichnen aufgehört, weil ich mir das nicht mehr antun wollte“, erinnert sich Wolfgang T. Müller. Der gelernte Fernmeldebaumonteur (sein ungeliebter Beruf) widmete sich der in Crinitz bei Herbert Schulz erworbenen zweiten Profession, dem Töpfern. Über die Stationen Grafiker und Reha-Werkstattleiter in Berlin (ab 1975), Keramiker an der Ostsee (ab 1982), Bildhauerwerkstatt in Wünsdorf (ab 1994) kehrte er 2002 zurück nach Elsterwerda. „Hier habe ich Ruhe zum Arbeiten, ohne, dass zu viele Leute vorbeikommen“, stellt er fest.

Galeriegespräch am Freitag, dem 21. Juni, 19 Uhr, in Elsterwerda