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| 15:46 Uhr

Adventskalender
Wo Herzberger einst ihre Schuhe kauften

Noch bis 2008 blieb das Haus an der Ecke Torgauer Straße/Kirchstraße unsaniert. Seit einigen Jahren aber zählt es zu den Schmuckstücken in der Herzberger Innenstadt, beherbergt Wohnungen, eine Kanzlei und ein Geschäft.
Noch bis 2008 blieb das Haus an der Ecke Torgauer Straße/Kirchstraße unsaniert. Seit einigen Jahren aber zählt es zu den Schmuckstücken in der Herzberger Innenstadt, beherbergt Wohnungen, eine Kanzlei und ein Geschäft. FOTO: Rudow / LR
Herzberg. Inschriften an Häusern zeugen oft von einer wechselhaften Geschichte der Gebäude. In einer LR-Adventsserie spüren wir sie auf.

Über viele Jahrzehnte konnten die Herzberger in der Torgauer Straße 1 Schuhe kaufen oder ihr Schuhwerk reparieren lassen. „Leesemanns Ecke“ ist fast jedem hier ein Begriff. Hans Leesemann war ein engagierter Bürger der Stadt. Noch heute ist der Name an dem mittlerweile sanierten Gebäude mit einem Teil Herzberger Geschichte verbunden.

Wenn Sie, liebe Leser, Erinnerungen an das Geschäft und seine Inhaber haben oder Sie etwas mit der Geschichte der Leesemanns verbindet, dann schreiben Sie uns  heute eine E-Mail an red.herzberg@lr-online.de oder rufen Sie heute zwischen 14 bis 15 Uhr an (Telefon 03535 248323)!

Das Adventskalenderblatt vom Mittwoch hatte das Postgebäude in der Elsterstraße 20 in Elsterwerda gezeigt. Es ist saniert und beherbergt längst andere Nutzer. Und vor allem: Es ist ebenso schmuck anzusehen wie vor mehr als 80 Jahren. Dies zeigt das historische Bild unten rechts.

RUNDSCHAU-Leserin Annelies Konwiarz hat ihre Erinnerungen per E-Mail an die Redaktion gesandt: „Das altehrwürdige Gebäude des ehemaligen Postamtes von Elsterwerda war jahrzehntelang ein zentraler Punkt unserer Stadt, da sich die Bürger aus den unterschiedlichsten Gründen bereits oft vor der Öffnungszeit um 8 Uhr an Werktagen trafen. Geschäftsleute holten aus den Postfächern ihre Post ab. Einwohner hatten gerade zu den Feiertagen Päckchen an ihre Lieben in aller Welt zu verschicken. Wurden Sondermarken angekündigt, war der Ansturm besonders groß. Telegramme, Glückwunschtelegramme, Geldüberweisungen, Einschreibe- und Eilbriefe wurden auf den Weg gebracht.

Das Telefonieren war nicht so einfach. Vom Schalter aus wurde man mit dem Teilnehmer in der dazugehörigen Telefonzelle verbunden, mit dem Hinweis „Fasse dich kurz“. Am Wochenende war der Lotto-Schalter stark frequentiert. Viele Bürger versuchten ihr Glück beim Tippen der Lottozahlen.

Ich darf sagen, dass ich all die Jahre immer höflich und zuvorkommend bedient wurde von den Postmitarbeitern. Stellvertretend möchte ich Frau Köhler, Frau Linke und Herrn Söffner nennen.

Wenn ich bedenke, wie seinerzeit die Technik im Fernamt des Gebäudes war, muss ich lächeln. Vieles ist heute überhaupt nicht mehr vorstellbar. Damals war es halt die modernste Technik.

Frau Gängler, meine ehemalige Nachbarin, arbeitete dort einige Jahre. So weiß ich, was auch ihre Abteilung leisten musste. Viele fleißige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hörte man aber nur im Hintergrund „wuseln“. Die Zusteller mussten betreut, die Paketautos bestückt werden. Fast alles war mit Körperkraft zu meistern. Deshalb gebührt diesen Postmitarbeitern noch heute mein größter Respekt.“

Einige persönliche Erinnerungen verknüpft auch Werner Neumann aus Elsterwerda mit dem Postamt. Seine Gedanken gehen weit zurück  bis in seine Schulzeit Ende der 1940er-/Anfang der 1950er-Jahre, erzählt der heute 77-Jährige.

Wenn heute die Elektrofahrzeugbranche und speziell auch die Deutsche Post für ihre innovativen Zustellgefährte mit Batteriepaket als Antriebsquelle gelobt werden, dann kann er nur schmunzeln. „Die Pakete wurden schon damals mit kleinen Elektro-Transportlastwagen ausgefahren“, sagt er. In Elsterwerda sollen ein oder zwei Fahrzeuge stationiert gewesen sein. Diese standen unter einem Dach auf dem Hof, wenn sie nicht gebraucht wurden, und sind geladen worden. Die Kleinlaster waren allerdings etwas lauter unterwegs als heute. „Man hörte ein Surren“, so Werner Neumann.

Er bedauert, dass die Post das markante Gebäude aufgegeben hat. Drinnen befanden sich rechts drei Schalter für Briefe und Briefmarken, später kam eine Lotto-Annahme hinzu. Links war der Paketschalter. Es ging irgendwie zu wie in einer Verwaltung. „Man hatte stets das Gefühl, Beamten gegenüber zu stehen“, sagt Werner Neumann.

In dem 1905 als Kaiserliches Postamt eröffneten Gebäude wurde der Betrieb 1999 eingestellt, so Stadtchronist Erhard Galle. In der Elsterstraße ging es einst sehr geschäftig zu, weiß er. Neben der Post gab es bis 1945 die Anhaltinisch-Dessauische Kreditanstalt. An der Spitze stand Direktor Dietrich, ein vielseitiger Unternehmer und Stadtverordneter. Bekannte Anlaufpunkte waren auch Friseur Klappstein, das Lichtbad, der Kohlehandel und die Konditorei Jung. Diese war auch eine Diätbäckerei und stellte als eine der wenigen Baumkuchen her. Im Advent war das Geschäft stets festlich geschmückt. Die Lehrlinge stellten Pfefferkuchenhäuser her. Der Chef bildete Konditoren aus, die später eigene Betriebe eröffneten.

Das Postamt in der Stadt Elsterwerda im Jahr 1930.
Das Postamt in der Stadt Elsterwerda im Jahr 1930. FOTO: Stadtarchiv Elsterwerda