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| 17:09 Uhr

Aus der Landwirtschaft
Frieda hat schon 100 000 Kilogramm Milch gegeben

Zu der Bönitzer Milchviehanlage mit 450 Kühen gehört der 2 x 12-Fischgrätenmelkstand von Impulsa. Katarina Stahr (l.), Leiterin der Milchviehhaltung, füllt Proben für die Milchleistungsprüfung ab, damit der Fett- und der Eiweißgehalt bestimmt werden können. Melkerin Karla Kiebsch aus der Nähe von Torgau gehört zu den Mitarbeitern, die weite Wege zu ihrer Arbeit aus gutem Grund in Kauf nehmen: „Ich bin wegen des Betriebsklimas hierher gewechselt.“
Zu der Bönitzer Milchviehanlage mit 450 Kühen gehört der 2 x 12-Fischgrätenmelkstand von Impulsa. Katarina Stahr (l.), Leiterin der Milchviehhaltung, füllt Proben für die Milchleistungsprüfung ab, damit der Fett- und der Eiweißgehalt bestimmt werden können. Melkerin Karla Kiebsch aus der Nähe von Torgau gehört zu den Mitarbeitern, die weite Wege zu ihrer Arbeit aus gutem Grund in Kauf nehmen: „Ich bin wegen des Betriebsklimas hierher gewechselt.“ FOTO: Manfred Feller / LR
Bönitz. Sehr guter Inhalt, weniger die Menge: Die Röderland GmbH Bönitz ist vom Bauernverband als bester Milch produzierender Betrieb geehrt worden. Von Manfred Feller

Als bester Milch produzierender Betrieb 2017 ist die Röderland GmbH Bönitz beim Verbandstag des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster (im Wesentlichen die Altkreise Bad Liebenwerda und Herzberg) ausgezeichnet worden. Noch vor der Milchleistung sind die sehr guten Inhaltsstoffe Maßstab der Bewertung. Und da sind die Bönitzer spitze in Brandenburg. Typisch Landwirt, möchte Manfred Stahr, seit dem Jahr 2010 der 1. Geschäftsführer, kein großes Aufsehen hinsichtlich der Ehrung. „Wir sind nicht die Besten, sondern geben uns nur Mühe, und die Kühe danken es uns“, sagt er. Die Milchkühe sind ausnahmslos Holstein-Friesen.

Bei den Inhaltsstoffen der Milch liegen die Bönitzer in der Tat vorn, wie Manfred Stahr versichert. Der durchschnittliche Fettgehalt betrage 4,59 Prozent und liege damit deutlich über dem  Landesdurchschnitt von 4,2 Prozent. Der Eiweißgehalt ist mit 3,61 Prozent protokolliert. Im Land sind es durchschnittlich 3,42 Prozent.

Diese Werte wirken sich auch auf den Preis aus. „Deswegen bekommen wir drei bis vier Cent mehr je Liter als andere“, so Manfred Stahr. Dies werde über Züchtung, Futter und Haltung gesteuert. Die besten Besamungsbullen seien gerade gut genug.

Der Milchpreis lag im Vorjahr in Spitzenzeiten bei 36,5 Cent je Liter. Aktuell werden bei fallender Tendenz noch etwa 30,5 Cent gezahlt. Die scheinbar kleinen Beträge summieren sich jedoch schnell zu fünfstelligen Verlusten. „Um kostendeckend zu arbeiten, brauchen die Betriebe mindestens 35 Cent“, sieht der Geschäftsführer weitere Verluste auf die Milchbauern zukommen. Dabei seien die alten Defizite des vorherigen Preisverfalls noch gar nicht kompensiert.

Manfred Stahr, Geschäftsführer des Agrarbetriebes in Bönitz, in dem vor fünf Jahren neu errichteten Stall mit den Milchkühen.
Manfred Stahr, Geschäftsführer des Agrarbetriebes in Bönitz, in dem vor fünf Jahren neu errichteten Stall mit den Milchkühen. FOTO: Manfred Feller / LR

Hinzu kommt die Ungewissheit, ergänzt der 2. Geschäftsführer Steffen Höppner, wie sich dieser Winter mit seinen Kahlfrösten auf die Vegetation auf den Feldern auswirken wird. „Momentan sieht es erschreckend aus“, baut Steffen Höppner darauf, dass sich die Natur gut erholt.

Bei der Milchleistung liegen die Bönitzer im Schnitt bei 9906 Kilogramm je Kuh und Jahr. Brandenburgweit sind es 9477 kg. Allerdings gebe es Betriebe, deren Kühe bis zu 12 000 kg Milch geben. Diese Leistung streben die Bönitzer und andere erst gar nicht an, versichert Manfred Stahr mit Blick auf die Tiergesundheit. „Die Kuh muss für einen Liter Milch bis zu 500 Liter Blut durch das Euter pumpen“, sagt er. Dies beanspruche den Stoffwechsel des Tieres. Deswegen sei weniger mehr. „Das ist alte Landwirtschaftsschule, die wird sich bewähren und zahlt sich bei der Tiergesundheit aus. Diese ist bei uns hoch. Wir haben nur wenige Euterbehandlungen“, so der 1. Geschäftsführer.

Aktuelle Rekordhalterin im Bönitzer Betrieb, ohne das darauf hingearbeitet worden sei, ist Milchkuh Frieda. Die 14-Jährige hat als einzige Kuh die Marke von 100 000 kg überboten. Das ist ihre bisherige Lebensleistung. Um weiter Milch geben zu können, ist sie wieder tragend und befindet sich in der vier mal fünf Meter großen, mit Stroh ausgestreuten Abkalbebucht.

Sie steht wie die anderen 257 Milchkühe in einem 2013 erbauten, modernen Stall - natürlich nicht angebunden. „Jede Kuh hat ihren Liegeplatz mit Kalk-Stroh-Matratze“, zeigt Manfred Stahr auf die Haltebedingungen. Der Stall bietet Massagebürsten, eine vollautomatische Belüftung, Jalousien bewegen sich je nach Temperatur und Windgeschwindigkeit auf und ab, das Licht und die Temperatur werden gesteuert, im Sommer wird gekühlt. „Hier herrscht Ruhe. Die Tiere sind entspannt. Den Kühen geht es besser als den Obdachlosen in Berlin“, vergleicht Manfred Stahr drastisch. Beim Hoffest am 26. Mai in Bönitz könne sich jeder über moderne Landwirtschaft informieren.

Von der oft kritisierten Massentierhaltung sei diese Form der Unterbringung weit entfernt, heißt es. Bei den Röderländern kommen 0,4 Großvieheinheiten (GV/Kuh) auf einen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. In den viehintensiven Regionen vor allem im Westen betrage der Wert zwei GV je Hektar.

Manfred Stahr ist verärgert, weil oft fast alle Betriebe über einen Kamm geschoren werden, sie mit immer neuen, Geld kostenden Verordnungen konfrontiert werden und sich stets rechtfertigen müssen: „Es ist eine Schande in diesem Land, dass sich jeden Tag eine Million Bauern entschuldigen müssen, weil sie mehr als 80 Millionen Einwohner ernähren.“

Das ist Frieda, eine der wenigen Kühe, die in dem Bönitzer Betrieb einen Namen haben. Sie hat schon mehr als 100 000 Liter Milch gegeben.
Das ist Frieda, eine der wenigen Kühe, die in dem Bönitzer Betrieb einen Namen haben. Sie hat schon mehr als 100 000 Liter Milch gegeben. FOTO: Manfred Feller / LR