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Gastronomie
Kochlöffel und Tablett sind unbeliebt

In der Gaststätte "Zur Erholung" in Finsterwalde hat es geklappt mit dem Nachwuchs: Junior-Chef Marc Umlauf (l.) weiß am Herd den Koch-Azubi Kevin Marcus (25) und Koch David Bögle (28) an seiner Seite. David (r.) hat umgeschult und ist seit einem Monat bei Umlaufs.
In der Gaststätte "Zur Erholung" in Finsterwalde hat es geklappt mit dem Nachwuchs: Junior-Chef Marc Umlauf (l.) weiß am Herd den Koch-Azubi Kevin Marcus (25) und Koch David Bögle (28) an seiner Seite. David (r.) hat umgeschult und ist seit einem Monat bei Umlaufs. FOTO: Gabi Böttcher
Elbe-Elster. Die Arbeit in der Gastronomie ist kein Zuckerschlecken. Rackern, wenn andere Freizeit haben, auch an Wochenenden und Feiertagen. Gute Leute zu halten und zu bekommen, das wird immer mehr zur Herausforderung. Gabi Böttcher, Birgit Rudow und Manfred Feller

Im Elbe-Elster-Kreis waren nach Auskunft von Jean-Marie Ulrich, Teamleiter Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit, per 1. August 30 offene Stellen in der Gastronomie gemeldet. 19 Stellenangebote (16 davon in Vollzeit) betreffen Köche, Küchenchefs und Küchenhilfen. Elf offene Stellen (acht in Vollzeit) gibt es im Service als Kellner, Restaurantfachleute, Fachkräfte im Gastgewerbe oder Helfer. "Der tatsächliche Bedarf kann aber durchaus höher sein, denn nicht jede freie Stelle wird bei der Agentur gemeldet", so Jean-Marie Ulrich.

Die RUNDSCHAU hat sich bei Gastwirten im Landkreis umgehört. Jürgen Paulisch, Inhaber des Schlossparkhotels in Sallgast, musste den Mittagstisch in der Woche einstellen und öffnet nunmehr ab 17 Uhr. Ihm fehlen Kräfte im Service. Sofort würde er auch ausbilden, wenn sich jemand Geeignetes melden würde. Seine Erfahrung: "Diesen Job will keiner mehr machen." Mit einem Schild am Restaurant möchte Jürgen Paulisch dennoch nicht auf sein Arbeitskräfteproblem aufmerksam machen. "Wir setzen auf Empfehlungen."

Glück gehabt mit der Komplettierung seines Teams hat offenbar Marc Umlauf, Junior-Chef der Finsterwalder Gaststätte "Zur Erholung". Nach einem berufsvorbereitenden Jahr beginnt Kevin Marcus jetzt seine Ausbildung zum Koch. David Bögle hat nach einer Umschulung zum Koch in der "Erholung" angefangen. "Wir sind im Moment gut aufgestellt", sagt Marc Umlauf und freut sich über das junge Team um die 30 in der Küche. Selbst Koch, weiß er, dass es Freude an der Arbeit bedarf, um in diesem Job zu bestehen.

Die Freude an der Arbeit ist auch für Reinhard Scholz vom Restaurant "Vetternwirtschaft" in Finsterwalde wichtig, um das Team zusammenzuhalten. Aus seiner Erfahrung sei der Arbeitsmarkt leer, was geeignete Fachkräfte angeht. "Da muss man auf die Leute aufpassen, die man hat", ist er überzeugt. Den Gedanken, in der "Vetternwirtschaft" auch einen Mittagstisch einzuführen, habe man beiseitegeschoben. Eine Stunde in der Woche findet sich das Team zum gemeinsamen Sport zusammen. Im Moment - toi, toi, toi - habe man keine Personalsorgen. Aber wo die Zukunftsmusik spielen wird, sei schwer vorauszusagen. Der Beruf habe heutzutage nicht immer mit Berufung zu tun, das sei - nicht nur in der Gastronomie - ein gesellschaftliches Problem.

Auch im Parkhotel in Schönewalde ist die "Mannschaft" komplett. Hier sind vor allem Dienstreisende und Monteure zu Gast. Die Küche hat nur abends geöffnet. Schwierigkeiten beim Personal im Service gebe es nicht, so Mitinhaberin Kerstin Schicke. "Aber wenn unser Koch einmal unvorhergesehen ausfallen sollte, dann haben wir ein Riesenproblem. Es ist kein Ersatz zu bekommen", sagt sie.

Hartmut Bönisch vom Café Bönisch in Falkenberg hat die Hoffnung auf eine zusätzliche Servicekraft im Sommer aufgegeben. "Es findet sich niemand. Vor allem jüngere Frauen mit Familie können abends und am Wochenende wegen der Kinder nicht arbeiten, schon gar nicht, wenn die Männer auf Montage sind", sagt Bönisch. Das Café müssen er und seine Frau mit Tochter und Schwiegersohn ohne fremde Hilfe stemmen.

Ralf Zwiebel, Inhaber von Zwiebels Grillhütte in Herzberg, sucht dringend Unterstützung in der Küche. Auf seine Ausbildungsangebote hat sich niemand gemeldet. "Ich habe schon überlegt, mich im Ausland umzuschauen", sagt er. Noch geht es gerade so, aber ausfallen darf niemand. Ralf Zwiebel sieht das Problem vor allem in der Arbeitszeit und in der Mobilität. Im Catering muss die "Grillhütte" schon Abstriche machen, weil das Personal für die vielen Anfragen einfach nicht ausreicht.

Nach seinem Einstieg im Juli als Pächter des urigen Gasthauses "Alte Schmiede" in Bad Liebenwerda hatte Markus Tippmann aus Lauchhammer aufgrund Personalmangels am Sonntag und Montag geschlossen. Jetzt steht die Mannschaft. Der Montag bleibt Ruhetag.

Im Service hat er mit zwei Aushilfen angefangen. Eine ist jetzt fest, die andere weiter pauschal angestellt. Hinzu kam ein Kellner aus Hohenleipisch, der eine gute heimatnahe Arbeit gesucht hat. Das Glück des Tüchtigen verfolgte Markus Tippmann weiter. Ein Stammgast vermittelte den Kontakt zu einem Koch aus Frankfurt am Main, der aus persönlichen Gründen in diese Gegend umziehen möchte. Der Chefkoch fängt am 1. September an. Ihm zur Seite steht eine jüngere Kollegin. Markus Tippmann weiß nur zu gut: "Der Markt ist ziemlich leer gefegt." Junge Leute wollen andere Jobs mit mehr Geld und familienfreundlicheren Arbeitszeiten. Von Kollegen weiß er, dass diese sich Kräfte aus Tschechien holen. "Für die ist unser Mindestlohn viel Geld", sagt der 32-Jährige, der selbst täglich von 9 bis in die Nacht für sein Haus da ist.

Keine guten Erfahrungen hat Renate Jendro, Inhaberin von Pension & Gaststätte "Seeblick" in Mühlberg mit den von der Arbeitsagentur gesandten Kräften gemacht. Diese melden sich entweder gar nicht oder rufen an und tragen die tollsten Ausreden vor, warum sie nicht vorbeikommen, geschweige denn arbeiten kommen können. Die Chefin hat es mit einem Aushang versucht: "Aushilfe gesucht!" Es meldete sich eine Frau. Renate Jendro vermutet, dass sich das traurige Spiel vor der Saison 2018 wiederholt. Derzeit habe sie fünf Mitarbeiter, nicht alle in Vollzeit.

Zum Thema:
Im Altkreis Bad Liebenwerda werden über die Arbeitsagentur Elbe-Elster für Gaststätten fünf Köche und vier Servicekräfte sowie fünf Azubis als Koch/Köchin bzw. Restaurantfachkraft gesucht.In Herzberg sind es sechs Köche, eine Servicekraft, fünf Azubis. Im Altkreis Finsterwalde sind acht Stellen in der Küche, sechs im Service und vier Azubi-Stellen frei.