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| 20:30 Uhr

Schule
Oberstufenzentrum bleibt die große Fachkräfteschmiede für Elbe-Elster

Lena Petrowski (M.) und Maria Sophie Brommann bereiten n der OSZ-Lehrküche in Elsterwerda mit Lehrer Thomas Bär den Teig für ein Dinkelbrot vor.
Lena Petrowski (M.) und Maria Sophie Brommann bereiten n der OSZ-Lehrküche in Elsterwerda mit Lehrer Thomas Bär den Teig für ein Dinkelbrot vor. FOTO: Manfred Feller / LR
Schülerrückgang ist auch im Kreis spürbar. Das Bildungszentrum ist eine Stütze der Wirtschaft. Von Manfred Feller

Der Landkreis als Schulträger des Oberstufenzentrums (OSZ) Elbe-Elster hält die teilweise alten Gebäude an den fünf Standorten in Finsterwalde, Elsterwerda und Falkenberg in Schuss. „Das ist nicht immer einfach“, versichert OSZ-Leiter Rainer Böhme. „Von Zuständen wie in Berlin oder Nordrhein-Westfalen sind wir jedenfalls weit entfernt.“

Investition. Und deshalb wird weiter investiert. Fast 162 000 Euro fließen bald in die barrierefreie Erschließung des OSZ-Gebäudekomplexes in der Feldstraße in Elsterwerda. Um das Obergeschoss stufenlos erreichen zu können, wird ein Außenaufzug angebaut. Das Land trägt etwa 121 000 Euro. „Da die inklusive Schule an Bedeutung gewinnt, müssen alle Schulen diesen Standard erreichen“, begründet Rainer Böhme die neue Geldausgabe. Gebäudezustand und Ausstattung seien an allen OSZ-Standorten in Ordnung. Die Schüler seien angehalten, diese Werte zu schätzen und zu erhalten. Was auch gelinge.

Schülerzahl. Wie so viele berlinferne Oberstufenzentren hat auch das in Elbe-Elster dem allgemeinen Schülerrückgang Tribut zollen müssen. Wurden im Jahr 2005 noch etwa 3800 junge Leute in den verschiedensten Richtungen ausgebildet, so sind es derzeit noch rund 2100. „Das hatte mehrere Konsequenzen“, zählt Rainer Böhme auf. „In bestimmten Berufen gibt es nicht mehr drei bis vier Klassen, sondern nur noch eine.“ Oder das OSZ hat sich von einzelnen Berufen verabschiedet, wie Bau- und Holztechnik. Diese werden konzentriert an anderen Oberstufenzentren angeboten. Eine weitere Konsequenz war vor etwa drei Jahren, den Berufsschulstandort Herzberg aufzulösen.

„Die Schülerzahl hat sich stabilisiert. Die vorhandenen Klassen sind gut gefüllt“, zeigt sich der Leiter zufrieden. Dies betreffe die duale Ausbildung ebenso wie vollzeitschulische Bildungsgänge (Berufliches Gymnasium in Falkenberg) und die Richtungen im Sozialwesen. Je nach Zuspruch gebe es in den Fachbereichen eine bis vier Klassen.

Acht von zehn Schülern kommen aus dem Elbe-Elster- und dem Oberspreewald-Lausitz-Kreis. Die anderen sind, weil es sich auch um Landesfachklassen handelt (wie Zerspanungsmechaniker, Elektroniker für Automatisierungstechnik oder für Geräte und Systeme) aus ganz Brandenburg sowie aus Sachsen und Sachsen-Anhalt, aber auch von der Bundeswehr.

Lehrer. Von den Pädagogen ist seit der politischen Wende mit dem lange anhaltenden Geburtenknick Flexibilität gefragt. „Nach 1990 kamen viele Grundschullehrer zu uns. Jetzt haben die Grund- und Oberschulen Bedarf, und einige unserer Lehrer sind wieder zurückgegangen“, beschreibt Rainer Böhme das Hin und Her. Das OSZ hat heute noch 101 Lehrer. Vor 13 Jahren waren es 170. Nicht wenige seien auch aus Altersgründen ausgeschieden.

Auch deswegen braucht das Kollegium immer Nachwuchs. „Es ist schwer, Berufsschullehrer zu finden, besonders im technisch-gewerblichen Bereich“, stellt der OSZ-Leiter fest. „Das Land bildet keine aus. Also müssen wir in anderen Bundesländern für uns werben.“ Weitere „Quellen“ seien Rückkehrer und Seiteneinsteiger, wie zum Beispiel Ingenieure. „Das Land qualifiziert sie, aber es muss mehr tun“, mahnt Rainer Böhme an. Aktuell gebe es Bedarf in den Richtungen Metall- und Fahrzeugtechnik, Sozialwesen und Sport. Einige Lehrer kämen schon heute bis aus Spremberg, Zossen und aus der Nähe von Cottbus.

Berufschancen. Je nach Fachrichtung schaffen zwischen etwa 80 und 100 Prozent der Schüler den Abschluss der Ausbildung. „Es sind ganz wenige, die durchfallen“, weiß Rainer Böhme. In den meisten Berufen gelinge der sofortige Einstieg - wenn die jungen Leute nicht schon wie in der dualen Ausbildung von einem Betrieb geschickt worden sind. Der OSZ-Leiter stellt auch zunehmend eines fest: „Wer einen Abschluss hat, der schaut schon nach seinem Marktwert. Die Konditionen, die ihnen geboten werden, werden immer wichtiger. Über die sozialen Medien tauschen sich die jungen Leute sehr schnell aus und vergleichen die Betriebe.“ Viele würden in der Region bleiben, andere möchten hinaus in die Welt.

Ausländische Schüler. Derzeit werden etwa 70 junge geduldete oder anerkannte Asylsuchende sowie Flüchtlinge an der Berufsfachschule in Elsterwerda unterrichtet. Dabei handelt es sich um die zweijährige Grundbildung-Plus. Die Voraussetzungen seien unterschiedlich: mit und ohne Schulabschluss und Zeugnis (besonders aus Syrien, dem Irak und Afghanistan) bis hin zu Lernschwachen und Analphabeten aus Eritrea und Somalia. Gelehrt werden unter anderem die deutsche Sprache, Wirtschafts- und Sozialkunde und Mathematik, aber auch „Wie funktioniert Deutschland?“. Die Schuldisziplin der vornehmlichen jungen Männer sei nach anfänglichen Schwierigkeiten jetzt gut.

Die nach oben und unten durchlässigen Klassen wurden nach dem Bildungsstand zusammengesetzt. Ziel sei es, nach den zwei Jahren berufliche Praktika anzubieten (es sei schwer, Betriebe zu finden), die in eine Ausbildung mindestens zum Fachpraktiker (Helferjob) münden. In diese Richtung werde auch mit lernschwachen deutschen Schülern in Zusammenarbeit mit Kammern und Behörden gearbeitet.