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| 18:14 Uhr

Wirtschaftsvergleich
Zweimal rote Laterne für Elbe-Elster-Kreis

Zu einer intakten Infrastruktur gehört in jedem Landkreis auch ein gut ausgebautes Straßennetz. Hier wird der Ausbau der B 101 bei Elsterwerda vorbereitet.
Zu einer intakten Infrastruktur gehört in jedem Landkreis auch ein gut ausgebautes Straßennetz. Hier wird der Ausbau der B 101 bei Elsterwerda vorbereitet. FOTO: Manfred Feller / LR
In der Deutschland-Hitliste der Wirtschaftsfaktoren belegt der Landkreis in zwei Kategorien den letzten Platz.

Von Manfred Feller

Elbe-Elster Der erste Blick auf das vom Magazin „Focus“ veröffentlichte Deutschland-Ranking der 401 Kreise und kreisfreien Städte ist für den Elbe-Elster-Landkreis ein Schock. In gleich zwei Kategorien belegt er den letzten Platz. In der Gesamtwertung wird er nur 350. Das ist eine leichte Verschlechterung zu der Hitliste aus dem Jahr 2015. Es ging noch einmal sechs Ränge abwärts.

Die anderen Süd-Brandenburger Landkreise stehen besser da. Dahme-Spreewald, teils im Berliner Speckgürtel gelegen, hat sich von Platz 165 auf 143 verbessert. Bei Produktivität und Standortkosten liegt er gar auf Rang 12 im Deutschlandvergleich. Spree-Neiße ist von 248 auf 283 zurückgefallen und ist bundesweit 23. bei Produktivität und Standortkosten. Oberspreewald-Lausitz hat sich positiver von 393 auf 316 positioniert. Die beste Kategorie ist dort Wachstum und Job (149.). Die kreisfreie Stadt Cottbus rückt ein Stück von 389 auf 373 vor. Als herausragend hebt die Untersuchung dort keinen Wert hervor. Gewinner des Wirtschaftsrankings ist der Landkreis München.

In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt wohnen Gewinner und Verlierer und sehr viele, die wirtschaftlich irgendwo dazwischen leben. Eine Fahrt durch Elbe-Elster reicht, um zu sehen, dass hier die Mehrheit der rund 100 000 Menschen ganz gut zurecht kommt. Sie wohnen zumeist in zeitgemäßen Wohnungen und Häusern und fahren in der Mehrheit keineswegs abgewrackte Autos. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass das hier Geschaffene zu einem nicht unbedeutenden Anteil mit dem Geld der auswärts Arbeitenden erreicht worden ist. Nach Angaben der Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt pendeln mehr als 13 000 Frauen und Männer zu ihrem Job in einen anderen Landkreis. Tausende pendeln aber auch ein.

Die Städte und Dörfer in Elbe-Elster haben viele Menschen und teilweise einiges an Infrastruktur verloren, können aber zu jeder Zeit jedem Besuch gezeigt werden - von ein paar unschönen Ecken abgesehen. Täuscht der Eindruck von einer guten Entwicklung auf mittlerem Niveau?

Jens Zwanzig, Geschäftsführer der Regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Elbe-Elster mbH, wertet die Hitliste nicht ab, hält sich aber mehr an das, was er wahrnimmt: „Für mich ist das Bild vor Ort, was ich mir in Gesprächen mit den Unternehmerinnen und Unternehmern mache, wichtiger als Rankings, die aus Zahlenzusammenfassungen verschiedener Indikatoren besteht. Für die Reflexion dieses Bildes nutze ich sie aber gern. Dann besteht die Chance, Handlungsbedarf genauer zu analysieren.“ Und den gibt es, wie die fünf untersuchten Kategorien zeigen, in die laut „Focus“ 21 Einzelindikatoren geflossen sind.

Wachstum und Job: Hier belegt Elbe-Elster Platz 279 von 401. Bewertet wurden in erster Linie die Vitalität der Wirtschaft und das Arbeitsplatzangebot. Angesehen wurden auch Wirtschaftsleistung und die Arbeitslosenquote sowie die Entwicklung der genannten Indikatoren über mehrere Jahre.

Firmengründungen. Elbe-Elster Platz 401 (Letzter). Dazu Jens Zwanzig: „Bekanntlich ist der Anteil an Firmengründungen in Hochschulnähe oder in Ballungsgebieten am höchsten. Die Risikobereitschaft, ein neues Unternehmen zu gründen, hat in ländlichen Regionen abgenommen. Nicht zuletzt, da es einen großen Markt an Arbeitsplätzen gibt.“ In die Bewertung eingeflossen ist auch die Verfügbarkeit von schnellem Internet. Hier hat Elbe-Elster punktuell deutlichen Nachholbedarf.

Produktivität und Standortkosten. Elbe-Elster Platz 186. Hier geht es um die Wertschöpfung der Beschäftigten und um die Steuerlast für die Unternehmen.

Einkommen und Attraktivität. Elbe-Elster Platz 401. Neben dem Einkommen fließen hierbei auch Zu- und Wegzüge ein. „Unser Landkreis ist vorwiegend von klein- und mittelständischen Unternehmen sowie Kleinstunternehmen geprägt. Nur wenige haben Tarifverträge, wie es in Regionen mit Großbetrieben Standard ist. Geringe Einkommen fördern den Wegzug junger Menschen und den negativen Wanderungssaldo“, kommentiert Jens Zwanzig.

Lebensqualität. Elbe-Elster Platz 245. Indikatoren sind hier u. a. Sicherheit, künftige Fachkräfte, Lohngefälle Mann - Frau, Altersarmut, Gesundheit und Infrastruktur.

„Das Ranking macht die Herausforderungen ländlicher Regionen deutlich. Diese sind nicht neu, machen umso mehr ein abgestimmtes Handeln der Akteure vor Ort erforderlich. Für mich bedeuten Herausforderungen in erster Linie Chancen, um Elbe-Elster mit neuen Ideen und Angeboten attraktiver zu machen“, sagt Jens Zwanzig.