| 02:42 Uhr

Berufstätige Pendler
Ein Leben auf Straße und Schiene

Gut belegt sind die Parkplätze am Bahnhof Elsterwerda auch während der Ferien. Darunter befinden sich die Autos zahlreicher Berufspendler.
Gut belegt sind die Parkplätze am Bahnhof Elsterwerda auch während der Ferien. Darunter befinden sich die Autos zahlreicher Berufspendler. FOTO: Manfred Feller
Elbe-Elster. Die Anzahl der berufstätigen Pendler ist binnen eines Jahres noch einmal angewachsen. Tausende verlassen täglich Elbe-Elster. Manfred Feller

Erneut angewachsen ist die Anzahl der Pendler, die zu ihrer Arbeitsstelle den Landkreis Elbe-Elster verlassen. Mittlerweile sind es nach Angaben des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung fast 13 400 Frauen und Männer, die vor allem in den Nachbarkreisen in Lohn und Brot stehen oder gar bundesweit unterwegs sind. Das ist inzwischen mehr als jeder dritte Beschäftigte. Diese Zahl stammt vom Stichtag 30. Juni 2016. Eine aktuellere ist nicht kommuniziert worden. Viele andere Berufstätige legen weite Strecken innerhalb des Landkreises zurück.

Erst im Frühjahr hatte die Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt die Pendlerzahlen vom Jahr zuvor genannt. Seinerzeit machten sich täglich rund 12 700 Berufstätige auf den Weg außerhalb des Landkreises. Kritisiert wurde und wird, dass lange Fahrzeiten auf Dauer die Gesundheit beeinträchtigen, familienfeindlich sind und den Geldbeutel belasten. Die Gewerkschaft fordert einen besseren Öffentlichen Personennahverkehr und mehr bezahlbaren Wohnraum in den Ballungsräumen.

Die stärkste Verflechtung gibt es mit dem benachbarten OSL-Landkreis. Dort arbeiten 2473 Elbe-Elster-Bewohner. Im Gegenzug verdienen hier 1625 OSL-Berufstätige ihr Geld. Insgesamt pendeln 5468 Menschen ins Brandenburger Land. Nach Sachsen fahren 4608. Darüber hinaus gibt es fast keine Ecke im Bundesgebiet, die nicht angesteuert wird: 46 arbeiten in Nordfriesland, 197 in Niedersachsen, 276 in NRW, 302 in Baden-Württemberg, 444 in Bayern und 71 in Mecklenburg-Vorpommern.

Zu jenen immerhin 780 Berufstätigen, die die Hauptstadt ansteuern, gehört Dr. Sebastian Rick aus Gröden. Weil an der Zugstrecke Dresden - Berlin gebaut wird und er über Falkenberg fahren muss, klingelt der Wecker um 3.45 Uhr. Mit dem Auto geht es zum Bahnhof Biehla. Abfahrt um 4.30 Uhr. Ankunft Berlin Hauptbahnhof um 6.30 Uhr. Mit der S-Bahn bis zum Alex, dann Fußmarsch. Spätestens um 7 Uhr ist Arbeitsbeginn. Kann er um 15.31 Uhr zurückfahren, ist er um 18 Uhr zu Hause. Ansonsten erst gegen 20 Uhr. "Ich nehme es locker, weil ich meine Arbeit mag", entgegnet er. Die Pendler im Zug kennen sich. Manche kommen gar aus Sachsen. Einige haben in Berlin eine WG aufgemacht, weil ihnen der Weg zu weit ist. Für Sebastian Rick ist zu Hause längst nicht Feierabend. Neben der Familie bekleidet er mehrere Ehrenämter.

Wer auf dem Bau arbeitet, der ist mal hier und mal dort. Das ist im Familienbetrieb Dieko Bau GmbH Kosilenzien nicht anders. "Wir waren jahrelang viel in Sachsen beschäftigt - besonders im Raum Bautzen, auch in Dresden, Leipzig und Delitzsch", sagt Frank Dietrich, Kalkulator und Bauleiter. Aktuelle Baustellen sind die Jugendherberge in Torgau, die Rettungswache in Herzberg, Eigenheime in Meißen, Finsterwalde, Massen und Thum im Erzgebirge. Ab September folgt ein Hotelneubau im Spreewald. Im Winter, so Frank Dietrich, werde eher nicht täglich gependelt, wenn es zu weit ist. Im Sommer können es bis zu 130 Kilometer (eine Strecke) sein. Doch das sei den 20 bis 25 Mitarbeitern freigestellt. "Es ist schon ein anstrengender Job", sagt der Bauleiter. Aufträge habe die Firma bis in das nächste Jahr hinein und braucht weitere Leute, wie Maurer, Schaler und Eisenflechter.

Im Schnitt weniger Kilometer legen die zwölf Monteure der Firma Sicherheitstechnik Schraplau aus Bad Liebenwerda zurück. "Etwa 80 Prozent unserer Auftragsorte liegen in Elbe-Elster", sagt Stephanie Schraplau. Es geht aber auch schon mal bis Dresden oder Berlin. Das kleine Unternehmen hatte 1990 mit drei Mitarbeitern angefangen und baut hauptsächlich Brand-, aber auch Einbruchmeldeanlagen und andere elektronische Sicherheitstechnik ein.

Zum Thema:
Mit Arbeitsplätzen weniger gut gesegnet, pendeln nur 6531 Berufstätige von außerhalb nach Elbe-Elster. Die meisten sind aus Brandenburg (3430), aus Sachsen (1798) und aus Sachsen-Anhalt (714). 22 sind aus dem Raum Köln, 40 aus Rheinland-Pfalz, 31 aus Baden-Württemberg, davon 12 aus dem Raum Stuttgart, 56 aus Bayern, 154 aus Berlin, 225 aus Cottbus, 22 aus Potsdam und sogar 66 aus Thüringen sowie 49 aus Polen. Der Nachbarlandkreis Oberspreewald-Lausitz zählt 16 137 Auspendler und 13 220 Einpendler.