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Die Randlage wird durch Angebotsvielfalt wettgemacht

Die Finsterwalder Süd-Passage ist mit 19 Anbietern eine wichtige Anlaufstelle für den Einkauf.
Die Finsterwalder Süd-Passage ist mit 19 Anbietern eine wichtige Anlaufstelle für den Einkauf. FOTO: Heike Lehmann
Elbe-Elster. Süd-Passage in Finsterwalde und Elster-Center in Elsterwerda haben großen Zuspruch. Von Heike Lehmann, Sylvia Kunze, Gabriela Böttcher, Birgit Rudow und Manfred Feller

„Die Ladenmieten in Finsterwalde sind ortsüblich für eine Kleinstadt“, sagt Citymanager Veit Klaue. Potenzielle Mietinteressenten hätten eher das Problem, dass die Läden teilweise zu klein und in schlechtem Zustand sind. In den Haupteinkaufsstraßen gäbe es einige „ärgerliche Leerstände“, die aber nicht allein mit der Ladenmiete  zu begründen sind. „Zu teuer ist es in Finsterwalde nicht“, betont er.

Um neue Anbieter anzulocken, ist aus seiner Sicht eher die Frage: „Wen kann man noch begeistern, in eine kleine Stadt zu kommen? In Großstädten hat man als Händler natürlich mehr Laufkundschaft.“ Für die weitere Profilierung von Finsterwalde als Einkaufsstadt hieße das, die Kunden zu binden, indem ihnen eine höhere Aufenthaltsdauer geboten wird. „Deshalb wurden und werden die Straßen im Zentrum ausgebaut. Ruhezonen entstehen, Straßencafés locken“, sagt Klaue. Und er sagt auch: „Für Finsterwalde ist es relativ egal, wo sich ein Geschäft befindet, sobald Parkplätze in der Nähe sind, läuft es.“

Das sei aus seiner Sicht auch der Vorzug der Süd-Passage, die für ihn aber noch zum Zentrum dazugehört. Passagencharakter, Centermanagement, langfristige Mietverträge, Barrierefreiheit und gemeinsame Werbung sind aus Sicht des Citymanagers dort die Erfolgsfaktoren.

Von einer Randlage kann bei der Süd-Passage in der Sängerstadt   auch wirklich nicht die Rede sein. Nur wenige Schritte vom Markt entfernt warten hier 19 Mieter mit einer großen Vielfalt von Angeboten auf. Center-Managerin Karola Hennig ist überzeugt, dass die Branchenvielfalt der Schlüssel zum Erfolg, sprich für den seit 1994 anhaltenden großen Zuspruch der Kundschaft ist. „Wir haben alle Geschäfte vermietet. Nur die Gaststätte steht leer“, markiert Karola Hennig den Stand. Was die Gaststätte angehe, so sei das ja auch allgemein ein Problem. Zu Ladenmieten will sich die Center-Managerin nicht äußern. Die hohe Stabilität der Mieterschaft – einige seien wie sie selbst von Beginn an, dem Geburtsjahr des Centers  im Jahr 1994, dabei – spreche für sich. Oder anders gesagt: Die Geschäftsleute scheinen sich im Center gut aufgehoben zu fühlen und den Ort zu schätzen. Natürlich wirke der Effekt, an einem Ort vieles erledigen zu können. Aber auch die Parkplätze und einheitliche Kernöffnungszeiten montags bis freitags von 9 bis 20 Uhr und samstags bis 16 Uhr seien ein Argument.

Ein starker Mitbewerber der Elsterwerdaer Innenstadthändler ist das Elster-Center mit mehr als 20 Geschäften und Märkten. Im Gegensatz zum Centrum mit einigen leeren Schaufenstern sind dort alle Flächen vermietet. Allerdings wird es nach Angaben von Centermanager Frank Joho einen Wechsel geben. Das Lederwarengeschäft zieht aus. Zum 1. Januar folgt der Wäschereiservice Skuppin, der einige Filialen in Sachsen betreibt, wie in Riesa, Döbeln und Oschatz. Hier schließe er mit Annahme und chemischer Reinigung vor Ort eine Lücke und komplettiere das breite Centerangebot von vielfältigen Einkaufs- bis hin zu Aufenthaltsmöglichkeiten.

Sobald ein Mieter ankündige, gehen zu wollen, „gehe ich gezielt auf andere mögliche Mieter zu“, sagt Frank Joho. Dies sei ihm zum Beispiel zuletzt beim Optiker und beim Nagelstudio gelungen. Die Miete richte sich nach der Lage im Center. „Es ist schwer, gute, neue Mieter zu finden“, gibt er zu. Und das, obwohl der Umsatz in den vergangenen Jahren stabil bis steigend war. „Hinsichtlich der Kaufkraft in der Region habe ich noch keinen Verlust festgestellt“, sagt er. Die Kundschaft komme aus der Umgebung, nehme aber auch längere Wege bis aus Gröditz und Bad Liebenwerda in Kauf.

Die Einkaufszentren am Stadtrand von Herzberg sind klein. Die meisten Anbieter im Einzelhandel befinden sich in der Innenstadt. Die Gebäude, in die sie sich eingemietet haben, haben private Besitzer. Einige gehören auch der Herzberger Wohnungsbaugesellschaft (WBG). „Wir haben nicht viele Geschäfte. Aber diejenigen, die bei uns Mieter sind, versuchen wir durch moderate Mieten zu unterstützen“, so die Geschäftsführerin der WBG Sabine Endemann. Die Mieten lägen zwischen sechs bis acht Euro je Quadratmeter. „Eine Innenstadt ohne die Geschäfte wäre nicht schön. Die Einzelhändler haben es so schon schwer genug“, so die Geschäftsführerin.