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| 20:15 Uhr

„Die Tinte unter dem Vertrag ist noch nicht trocken“
Mehr Lohn bei Mineralquellen

 Ein Mitarbeiter der Mineralquellen Bad Liebenwerda GmbH überwacht die Abfüllung von Mineralwasser.
Ein Mitarbeiter der Mineralquellen Bad Liebenwerda GmbH überwacht die Abfüllung von Mineralwasser. FOTO: dpa/dpaweb / Z1031 Jan Woitas
Bad Liebenwerda. Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) bekommen die Mitarbeiter der Mineralquellen GmbH in Bad Liebenwerda 8,2 Prozent mehr Tarifentgelt. Vom Gehalt ihrer Kollegen im Westen bleiben sie derweil deutlich entfernt.

Auch wenn „die Tinte unter dem Vertrag noch nicht trocken ist“, wie Marketingchefin Annett Stang nach Rücksprache mit Mineralquellen-Geschäftsführer Christian Schindel am Donnerstag sagte, zeigte sich NGG-Gewerkschaftssekretär Ingolf Fechner sehr zufrieden. „Ich kann mich nicht erinnern, in der Region in jüngster Zeit so ein Ergebnis erzielt zu haben.“ Auf einem Infoblatt teilt die Gewerkschaft ihren Mitgliedern in der Bad Liebenwerdaer Mineralquellen GmbH mit, dass die Tarifentgelte rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres und dann ab 1. Juli 2019, 1. Januar und 1. Juli 2020 jeweils um zwei Prozent steigen würden. Darüber hinaus würden sich die Ausbildungsvergütungen zum 1. August 2019 und 2020 jeweils 25 Euro über alle Ausbildungsjahre erhöhen. Der ausgehandelte Anschlusstarifvertrag, so die Gewerkschaft, habe eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2020. Die Tarifkommission habe dem Ergebnis einstimmig zugestimmt.

Für Ingolf Fechner ein Ergebnis harten Ringens. Erst nach einem Aktionstag im April mit einem sogenannten aktiven Schichtwechsel – dabei sei die Beteiligung sehr gut gewesen – und einer Betriebsversammlung sei es in einer dritten Verhandlungsrunde am 13. Mai zum Durchbruch gekommen.

Vor diesem Verhandlungsergebnis, so Rafael Mota Machado, Gewerkschaftssekretär der Fleisch- sowie Getränkewirtschaft in Berlin und Nord-Brandenburg, habe „ein Facharbeiter in Bad Liebenwerda im Vergleich zu seinem Kollegen bei Röhnsprudel in Hessen rund 450 Euro brutto weniger für dieselbe Arbeit“ verdient.

Bis Ende 2020 verringere sich „der Abstand des Facharbeiterlohns zwischen beiden Ländern durch weitere Erhöhungen in Brandenburg zwar auf rund 370 Euro brutto, für die Kollegen in Bad Liebenwerda bedeutet dies jedoch, dass sie weiterhin hintendran hängen“. Der Gewerkschaftssekretär Berlin, Nord-Brandenburg schiebt nach: „Und das nach 30 Jahren Wiedervereinigung. Wir hoffen, diese Lücke bald ein für alle Mal schließen zu können.“ Er wartet zudem mit einem Vergleich zur Mineralbrunnenindustrie in Thüringen (Hassia Gruppe) auf, wo „die Abstände deutlich geringer“ seien. So verdiene ein Facharbeiter in Bad Liebenwerda aktuell etwa 132 Euro weniger als sein Kollege in Thüringen. Im Jahr 2020 werde der Abstand noch rund 80 Euro brutto betragen.

Gewerkschaftssekretär Ingolf Fechner sagt, dass sich der Abstand mit dem jetzigen Tarifabschluss deutlich verringert habe, die Bad Liebenwerdaer aber dennoch erst 88,3 Prozent des Westniveaus erhalten würden.

Angesichts starker Umsatzzahlen in den zurückliegenden Jahren und auch wegen der vom Unternehmen immer wieder selbst verkündeten positiven Betriebsentwicklung lösen die noch immer vorhandenen Unterschiede in hiesigen Regionen Diskussionen aus. Zumal sich das Unternehmen seiner Internetpräsenz zufolge „zu einem der modernsten und leistungsfähigsten Mineralbrunnen der neuen Bundesländer mit einem überzeugenden Produktportfolio“ entwickelt habe.

Nach einer im Februar dieses Jahres herausgegebenen Studie des Unternehmerportals „Die Deutsche Wirtschaft“ (DDW), „die auf Basis von 19 laufend erhobenen Kennziffern die wichtigsten mittelständischen Marktakteure Deutschlands“ ermittelt, rangieren die Mineralquellen auf Platz 6976 und gehören damit zu den 10 000 stärksten Mittelständlern Deutschlands.

Unruhe hatte in Bad Liebenwerda auch das veränderte Engagement für die Region ausgelöst, da Verträge mit Kultur- und Sporteinrichtungen gekündigt wurden. „Das ist richtig. Wir haben uns neu aufgestellt“, sagt Annett Stang. Nach zwischenzeitlichen Irritationen erfolge die Unterstützung der HC-Handballer nun allerdings wieder in gleicher Höhe, wie Vereinsvorstandsmitglied Peter Noch bestätigt. Die Big Band werde zwar nicht mehr finanziell, dafür aber materiell unterstützt.

Deutlich mehr würden sich die Mineralquellen für Natur und Umwelt einsetzen. So sei der Vertrag mit dem Grünhaus verlängert worden. Jährlich würden 20 000 Euro für die Bewahrung des Naturparadieses aufgewendet.

Ein ähnliches Projekt solle es nun auch mit dem Naturpark geben. Das Stadtfest in Bad Liebenwerda werde nach Stadtangaben mit 5500 Euro bezuschusst.

 Ein Mitarbeiter der Mineralquellen Bad Liebenwerda GmbH überwacht die Abfüllung von Mineralwasser
Ein Mitarbeiter der Mineralquellen Bad Liebenwerda GmbH überwacht die Abfüllung von Mineralwasser FOTO: dpa/dpaweb / Z1031 Jan Woitas