| 02:45 Uhr

"Wir würden es genau so wieder machen"

Mareike Hopstock und Enrico Wenzel – das Wirtepaar von der Gaststätte "Eichhörnchen" in Reichenhain.
Mareike Hopstock und Enrico Wenzel – das Wirtepaar von der Gaststätte "Eichhörnchen" in Reichenhain. FOTO: mcl1
Reichenhain. Junge Wirtsleute sind vor fast zwei Jahren in große Fußstapfen getreten und haben es geschafft, das "Eichhörnchen" in Reichenhain zu ihrem Haus zu machen. Mona Claus

Das strahlende Lächeln ist den jungen Wirtsleuten noch immer nicht aus dem Gesicht gewichen. Am 1. April feiern sie Zweijähriges mit und in ihrem Gasthaus mit Pension "Eichhörnchen" in Reichenhain. Sie haben es geschafft, ein Serviceteam hinter sich zu bringen, das es auch ihnen erlaubt, mal eine kleine Auszeit zu nehmen.

Groß waren die Fußstapfen, die ihnen Vorbesitzer Matthias Eichhorn hinterlassen hat. Die gebürtige Zeischaerin Mareike Hopstock und der Dresdner Enrico Wenzel aber hatten keine Scheu, von Beginn an das "Eichhörnchen" zu ihrem Haus zu machen. Die großen Fußstapfen wurden auf ganz eigene Weise gefüllt. Geholfen haben ihnen dabei im Besonderen die ortsansässigen Reichenhainer, natürlich die Stammkunden und die vielen Neugierigen, die das Haus nunmehr für sich entdeckt haben.

"Die Zeit ist wie im Flug vergangen", sagt die 27-jährige Mareike und strahlt dabei ihren Lebenspartner Enrico Wenzel an, der das kopfnickend bestätigt. Schnell war allen Gästen klar, der Vergleich mit dem Vorbesitzer hinkt - sie machen ihr eigenes Ding.

Doch erst einmal galt es, ein Team hinter sich zu bringen, mit dem es sich zu jeder Zeit arbeiten lässt. Das ist heute geschafft. Anfangs hatte man mit den einstigen Angestellten geplant, "die aber orientierten sich neu", erzählt das Gastronomenpaar. Mareike wechselte vom Service in die Küche, lernte von und mit ihrem Enrico alles Notwendige, um die Küche am Laufen zu halten. "Heute bin ich froh über dieses Wissen. Das lässt uns flexibler und spontaner agieren", meint Mareike. Enrico hatte selbst zehn Jahre in Teildiensten gearbeitet. Das versuchen beide beim eigenen Personal zu beschränken. Überstunden seien selten.

Enrico managt ein Küchenteam von drei Köchinnen. Zwei weitere Servicekräfte hören auf das Kommando von Mareike. Frei ist man mittlerweile vom Blick des Vorbesitzers, den das junge Paar im Rücken gespürt hatte. Familie Eichhorn ist fernab ihres einstigen Gasthauses sesshaft geworden.

"Ein Traum ist wahr geworden", dies meinten die beiden jungen Leute gegenüber der RUNDSCHAU, als sie am 1. April vor zwei Jahren die Eröffnung ihres eigenen Gasthauses feierten. "Wir würden es genauso wieder machen", sagen sie heute und strahlen dabei beide über das ganze Gesicht. Vergessen ist das erste Weihnachten, als die Spülmaschine und der Strom ausgefallen sind und Elektriker Alfons Schwarz sie rettete. Eine Freundin ist eingesprungen und hat abgewaschen. Auch die Familie stehe ständig Gewehr bei Fuß, "sie betteln schon, endlich wieder helfen zu können", erzählt Mareike und freut sich über dieses Zusammengehörigkeitsgefühl. "Mein Bruder räumt am liebsten die Spülmaschine ein, Papa muss sie dann ausräumen und Mama fühlt sich wohl, wenn sie Kartoffeln schälen kann. Vielleicht lassen es unsere Familien einmal zu, dass wir etwas zurückgeben können."

Enrico denkt auch schon in die Zukunft: "Wir wollen weitere Ideen, die uns im Kopf herumschwirren", verwirklichen. Allerdings mit Augenmaß." Er denkt dabei an eine Saalrenovierung und an ein großes Grillfest auf dem Hof. Sicher scheint auch, dass der Koch mit seinen kreativen neuen Menüs auf der Speisekarte bei den Gästen punktet: Ochsenbacke mit Kartoffelstampf und Speckbohnen, Trüffel-Tagliatelle und Schaufelstück vom australischen Rind, dazu Rosmarinkartoffeln, Rotweinsoße und Salatbeilage. Sie waren zuerst ein Wagnis, haben es aber bereits auf die Stamm-Speisekarte geschafft.

Lecker mundet Männern wie Frauen auch der Import aus Fulda, wo die beiden ihr Handwerk gelernt haben - Pilgerstoff, ein Bier aus der Hochstiftbrauerei Fulda wird im "Eichhörnchen" ausgeschenkt. Das Bier im Steinkrug ist eine Idee mit Erfolg. "Ständiges Nachfragen unserer Gäste hat mittlerweile dazu geführt, dass unser Konsum in Reichenhain das Bier als Flaschenware anbietet", freuen sich Mareike und Enrico angekommen zu sein.

Liebreizende Tischdeko plus Schmusesongs sorgten für ein volles Haus zum Valentinstag. Gesetzt ist auch das Weihnachtswichteln der Röderstompers, erste gute Versuche gab es mit Kabarett. Sehr gut nachgefragt sei das Haus von Firmen und Vereinen - "wir bekommen viel Lob, weil die Gäste merken, wie sehr uns die Arbeit Spaß macht. Dafür gibt es bei uns auch nicht einfach nur ein Büfett, sondern ein Erlebnis mit Lebensmitteln."

Dafür stehen die beiden gern morgens um fünf Uhr auf, auch um den Pensionsgästen Frühstück zu machen. Während Enrico als erstes einen starken Kaffee benötigt, genügt es Mareike, an einen neuen Tag mit netten Gästen zu denken. "Wir freuen uns, zu Hause zu sein", sagen beide.