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Landratswahl in Elbe-Elster
„Wir haben allen Grund, selbstbewusst zu sein“

Mit diesem Foto präsentiert sich Christian Heinrich-Jaschinski in den sozialen Medien. „Ich bin motiviert“ sagte er und will die Ärmel weiter hochkrempeln.
Mit diesem Foto präsentiert sich Christian Heinrich-Jaschinski in den sozialen Medien. „Ich bin motiviert“ sagte er und will die Ärmel weiter hochkrempeln. FOTO: Christian Heinrich-Jaschinski
Elsterwerda. Der Amtsinhaber über die vergangenen acht Jahre, die Einordnung von Rankings und den ewigen Zoff um die Kreisumlage. Von Frank Claus

Vor der Landratswahl am 22. April bekennen die Kandidaten Farbe, was sie verändern und für den Landkreis Elbe-Elster erreichen wollen. Heute: Amtsinhaber Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) aus Elsterwerda.

Sie sind der Amtsinhaber und wollen noch einmal antreten? Ein weiter so wie bisher?

Heinrich-Jaschinski Spricht man von „weiter so“, impliziert diese Aussage stets einen negativen Konsens. Es war wichtig für mich, in schwierigen Zeiten in einer strukturschwachen, ländlichen Region Verantwortung zu übernehmen. Betrachtet man aufmerksam, was der Landkreis in den vergangenen acht Jahren unter meiner Leitung und einer gut aufgestellten Verwaltung mit exzellenten Partnern bewältigt, entwickelt und auf einen guten Weg gebracht hat, möchte ich auch in Zukunft weiter mit diesem Leistungsanspruch arbeiten. Sich auf den Erfolgen auszuruhen, liegt mir fern. Ich bin motiviert und gut auf meine Aufgaben vorbereitet.

 Wenn auf die Ergebnisse von Rankings und Studien, in denen Elbe-Elster meist nicht so gut abschneidet, verwiesen wird, rümpfen Sie oft die Nase. Wie bewerten Sie diese?

Heinrich-Jaschinski Rankings und Studien ersetzen keine Tagespolitik. Kein Landrat freut sich über statistische Werteerhebungen einer Region, die weder auf die historischen Grundlagen, noch auf die unterschiedlichen Voraussetzungen im Bundesgebiet eingehen. Es wäre absurd, hätte ich den Anspruch, unsere Arbeit nach den Rankingmodulen von „Stern“ und „Focus“ auszurichten. Und man muss schon mal genauer hinschauen, nach welchen Parametern ein Ranking erfolgt und ob es realistisch ist, diese Kriterien als Region erfüllen zu können oder als Wahlparole mal eben so zu versprechen. Im Ranking sind beispielsweise das Vorhalten von Universitäten ein Thema, Autobahnen, Tourismusmetropolen, Börsenunternehmen vor Ort. Unsere Bürgerinnen und Bürger haben allen Grund, mit Blick auf unsere Historie und mit Blick auf das über Generationen Geschaffene, selbstbewusst zu sein und ihre Wertigkeit nicht von teils unlauteren Parametern herzuleiten.

 Lassen Sie uns einiges detaillierter betrachten. Auf welchen Gebieten ist Elbe-Elster ein richtig gutes Stück vorangekommen?

Heinrich-Jaschinski Wir sind in den vergangenen Jahren nachweisbar mit berechtigter großer Anstrengung ein ganzes Stück vorangekommen. An Beispielen sei es verdeutlicht. Haushaltskonsolidierung – es ist wie im privaten Haushalt – ich kann nur investieren, wenn ich auf eine finanzielle und personelle gute Haushaltsführung und Haushaltssituation bauen kann. Ich habe als Landrat einen über alle Maßen verschuldeten Landkreis übernommen. Gemeinsam mit dem Kreistag und der Verwaltung haben wir mehr als zehn Millionen Euro Schulden abbauen können und einen ausgeglichen und konsolidierten Haushalt geschaffen. Unsere geplanten Investitionen in Schulen, Radwege, Kreisstraßen und Brücken, neue Rettungswachen konnten und werden umgesetzt.

Immer wieder verweisen Sie dabei auch auf die Eigenbetriebe. Wie gut aufgestellt und solide sind sie?

Heinrich-Jaschinski Unserem Landkreis ist in meiner Amtszeit mehrfach durch das Innenministerium bescheinigt worden, dass unsere Behörde überdurchschnittlich effizient arbeitet. Derzeit ist unsere Verwaltung leistungsfähig und effektiv. Das gilt auch für unsere Eigenbetriebe, wie der Elbe-Elster Klinikum GmbH, die Regionale Wirtschaftsfördergesellschaft, der Öffentlichen Personennahverkehrsgesellschaft, dem Rettungsdienst und dem Seniorenzentrum Albert Schweitzer gGmbH. Wir haben in den vergangenen acht Jahren nicht nur die Eigenbetriebe saniert, stabilisiert und investiert, sondern auch für viele Menschen eine Lebensperspektive in der Region geschaffen. Mit etwa 2420 Mitarbeitern haben wir vielen Familien eine Perspektive gegeben und unseren Eigenbetrieben qualifizierte Mitarbeiter.

Und die Privatwirtschaft hätte einiges davon nicht leisten können?

Heinrich-Jaschinski Diese Möglichkeit bestand und hätte zur Folge gehabt, dass das Klinikum Elbe-Elster GmbH zerschlagen worden wäre und in dessen Folge war der Standort Elsterwerda durchaus vakant. Wir haben uns gegen eine Privatisierung und gegen ein Verschachern der Eigenbetriebe entschieden, und der Erfolg unserer Eigenbetriebe gibt uns Recht und auch Planungssicherheit. Dennoch ist die Privatwirtschaft in zahlreichen Bereichen unerlässlich und aus kommunaler Möglichkeit gar nicht ersetzbar.

 Viele Kommunen beklagen, dass die Entwicklung des Kreises oft auch zulasten der Kommunen passiert ist. Das leidige Stichwort Kreisumlage.

Heinrich-Jaschinski Wir haben gemeinsam Wort gehalten und die Kreisumlage bereits gesenkt. Mit einer nun anvisierten erneuten Abschmelzung der Kreisumlage, entsprechend unserer Möglichkeiten, lassen sich im Kreishaushalt auch künftig solide Finanzen im Kontext eines fairen Umgangs zwischen Landkreis und Kommunen darstellen. Die erhobenen Kreisumlagen sind für einen Landkreis die Grundvoraussetzung, in den Gemeinden und Städten zu investieren, wovon unsere Bürger partizipieren. Denken Sie an den Ersatzneubau der Oberschule Bad Liebenwerda, die größte und umfangreichste Investition. Denken Sie an den Neubau der Aula am Gymnasium Herzberg, die Fahrzeuge für den Katastrophenschutz im Landkreis Elbe Elster, die Modernisierung von Radfernwegen im Landkreis, diverse Brücken – und Straßenbauvorhaben.

 Trotz momentaner Beruhigung – einige Kommunen vermelden stabile Einwohnerzahlen – an den Bevölkerungsprognosen und am prognostizierten Fachkräfteproblem führt kein Weg vorbei. Wie stellt sich der Kreis darauf ein?

Heinrich-Jaschinski Schon so manche Prognose haben wir eines Besseren belehrt … Es ist richtig und es ist ein gesamtdeutsches Problem, dass Fachkräfte in den peripher fernen Regionen fehlen. Im Medizinbereich haben wir bewiesen, dass mit klugen Investitionen der Anreiz, auch in metropolferne Regionen zu gehen, steigt. Jeder spezialisierte Arbeitnehmer geht dorthin, wo er ein gutes Lohngefüge erwarten darf. Mit der klugen und sehr engagierten Idee von „Comeback Elbe-Elster“ erleben wir aber gleichermaßen die Wichtigkeit der regionalen Verbundenheit, die Vielzahl zu kommunizierender Möglichkeiten und den Stellenwert einer sich engagiert entwickelnden Region und eines Gestaltungsspielraumes. Gemeinsam stolz zu sein auch auf den Erfolg anderer, das ist um ein Vielfaches mehr wert, als das launische und keifende Suchen nach Defiziten!

 Hochwasserschutz, Breitband, Ausbau der B 169 und Baubeginn für Ortsumfahrungen – alles wird seit Jahren gefordert und ist von Bundes- und Landesentscheidungen abhängig. Verzweifeln Sie da nicht manchmal?

Heinrich-Jaschinski Entschlossenheit und Ausdauer gehören bekanntlich zu den Stärken hier im Landkreis Elbe-Elster. Das schließt nicht mit ein, dass man in seinen Forderungen – werden diese über Jahrzehnte halbherzig auf Landes- und Bundesebene forciert, nicht vehementer und in der Kommunikation weitaus deutlicher wird. Denn hier geht es nicht um ideelle Ideen, sondern um existenzielle Belange unserer Kommunen und deren Bürgerinnen und Bürger.

Auch das teuer bezahlte Radwegenetz bröckelt an vielen Stellen. Da könnte der Kreis doch deutlichere Zeichen setzen, oder?

Heinrich-Jaschinski Das ist ein wenig zu kurz gedacht. Ein funktionierendes Radwegenetz ist dann bundesweit interessant und wird durch Einheimische und Gäste genutzt, wenn neben dem gut ausgebauten Radwegesystem die Region als Ganzes eine, wie von uns praktiziert und gut konzipiert, eigene und unverwechselbare Identität entwickelt und lebt. Eine Region inmitten des Niederlausitzer Heideparkes, mit einer beeindruckenden Kultur, Industriekultur, einem bemerkenswerten Veranstaltungskalender – nachzulesen in der „Kulturzeit“, Übernachtungsmöglichkeiten, eine gute und regionale Speisekarte, das Wissen um unsere einzigartige Geschichte, Flora und Fauna. Wir müssen Dinge im Ganzen denken, selbst danach handeln und leben und gemeinsam bewerben. Der Lückenschluss des Radwegesystems, Erhalt und Sanierung ist ohne Frage auch weiterhin eine unerlässliche Aufgabe.

 Vorausgesetzt, Sie dürfen weiter Steuermann bleiben: Wie sieht der Kreis in zehn Jahren aus?

Heinrich-Jaschinski Da sich eine Region nicht zuletzt in Abhängigkeit der Entscheidungen auf Bundes- und Landesebene entwickelt, wie Infrastruktur, Breitband, Bildung oder Soziales, werden wir an den Stellschrauben drehen, welche wir beeinflussen können. Läge es allein in meiner Hand, sehe ich einen selbstbewussten, erstarkten Landkreis vor mir, der seine Wirtschaftskraft stabilisiert, Handwerksbetriebe und Großunternehmen vor Ort weiß, Kultur und Bildung vorzuweisen hat, durch gute Infrastruktur mit den Metropolen vernetzt ist, sich attraktiv als Lebensmittelpunkt erweist und unseren Familien und Generationen eine Heimat bleibt.

Mit Christian Heinrich-Jaschinski sprach Frank Claus

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