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| 09:59 Uhr

Wildgänse im Winterquartier

Mühlberg.. Ein kräftiger Wind pfiff den Hobbyornithologen zur traditionellen Silvesterexkursion um die Ohren. Insgesamt versammelten sich 26 Vogelkundler des Biologischen Arbeitskreises des Altkreises Bad Liebenwerda und des Altkreises Riesa sowie Junior-Ranger der Naturwacht am frühen Freitagmorgen, um Wasservögel am Kiesteich Nr. 4 und entlang der Elbe zu beobachten. Bettina Broneske

Der Kiessee bietet Wild- und Blässgänsen ideale Bedingungen zum Überwintern. Aus den sibirischen und arktischen Zonen zieht es jährlich tausende Gänse und Enten in unsere Regionen. Die hiesigen Vorkommen an Dreikantmuscheln bieten den Wintergästen eine ideale Nahrungsgrundlage. So hatten die Ornithologen gleich zu Beginn das Glück, an die 3000 Blässgänse beobachten zu können.

Auch Reiherenten und Tafelenten bekamen die Naturbeobachter vor die Fernrohre. Doch langjährige Erfahrungen zeigen, dass in diesem Winter verhältnismäßig wenig Vögel zu beobachten sind. Der milde und eisfreie Winter lässt die Tiere auch an anderen, sonst zu dieser Jahreszeit zugefrorenen Gewässern ein Winterquartier finden, erklärt Holger Lux vom biologischen Arbeitskreis Riesa, der für die Erfassung und Zählung der Arten am Mühlberger Kiessee zuständig ist.

Derartige große Ansammlungen sind natürlich interessant für Greifvögel, sagt Lux. Nicht selten nutzen Großvögel die Gelegenheit, sich ein Tier einzuverleiben. "Woher die Enten und Gänse stammen, kann man in einigen Fällen nur schwer bestimmen. Meist können wir es nur an der Beringung eines verletzten oder verendeten Tieres erkennen", erklärt Uwe Albrecht, vom biologischen Arbeitskreis Bad Liebenwerda. Europa- und landesweite Zählungen belegen, dass Arten wie die Tundragans und die Waldsaatgans ausschließlich in Gewässern Ostdeutschlands überwintern.

"Wir haben diesen Vögeln gegenüber eine große Verpflichtung", so Uwe Albrecht. Er weist auf die Aufgabe des Arten- und Bestandsschutzes hin, denn einigen Arten würde in ihren Heimatländern immer mehr die Lebensgrundlage und somit die Brutgebiete genommen. Als Hauptursache nennt Albrecht den Raubabbau von Bodenschätzen.

Diese kleine Silvesterexkursion der Hobbyornithologen hat übrigens schon seit über zwanzig Jahren Tradition. In den ersten Jahren war das Schradenland Beobachtungsgebiet, später der Ziehgraben in Kosilenzien und nun trifft man sich seit einiger Zeit am Mühlberger Kiessee und der Elbe.