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| 18:24 Uhr

Bilanz
Bad Liebenwerda atmet auf

Hat die B-183-Ortsumfahrung Erleichterung für Bad Liebenwerda gebracht? Einhelliger Tenor: Ja! Aber: Es sind trotzdem noch zu viele Lkw im Stadtzentrum unterwegs. Stadt und Straßenverkehrsamt bitten noch um etwas Geduld: „Wir machen im Frühjahr noch mal eine Verkehrsanalyse.“
Hat die B-183-Ortsumfahrung Erleichterung für Bad Liebenwerda gebracht? Einhelliger Tenor: Ja! Aber: Es sind trotzdem noch zu viele Lkw im Stadtzentrum unterwegs. Stadt und Straßenverkehrsamt bitten noch um etwas Geduld: „Wir machen im Frühjahr noch mal eine Verkehrsanalyse.“ FOTO: LR / Frank Claus
Bad Liebenwerda. Eine erste Zwischenbilanz drei Monate nach Freigabe der B-183-Ortsumfahrung: Die Freude über die neue Lebensqualität überwiegt – aber noch zu viele Brummis. Von Frank Claus

Am 5. Oktober und damit vor knapp drei Monaten ist die B-183-Ortsumfahrung Bad Liebenwerda ihrer Bestimmung übergeben worden. Sie sollte, so das Ziel, Bad Liebenwerdas Innenstadt vom quälenden Lkw-Verkehr, der sich am Lubwartturm und den Median-Rehakliniken vorbei und über den engen Rossmarkt wälzte, entlasten. Ist das Ziel erfüllt? Und wie geht es der Geschäftswelt? Ist die Stadt gar totberuhigt?  Die RUNDSCHAU hat ein erstes Meinungsbild eingefangen.

Kerstin Jahre, die in der Tourist Information auf dem Rossmarkt arbeitet, kommt zu einer ganz klaren Aussage: „Es sind deutlich weniger Lkw geworden. Es ist jetzt viel angenehmer in der Innenstadt.“

Ist die Ausschilderung an der Ortsumfahrung nicht ideal? Verkehrsexpertin Ulrike Tschirner glaubt das nicht.
Ist die Ausschilderung an der Ortsumfahrung nicht ideal? Verkehrsexpertin Ulrike Tschirner glaubt das nicht. FOTO: LR / Frank Claus

Nebenan in der Bäckerei Bubner gestehen die Verkäuferinnen, gar nicht so recht mitzubekommen, was draußen passiert. „Lkw-Fahrer sind eher nicht unsere Kunden, weil die hier nicht halten können“, sagt eine Verkäuferin und die andere fügt an, „dass aber doch noch einige Lkw vorbeifahren“ würden. Alle drei sind sich einig: „Wir haben kein anderes Kaufverhalten bemerkt und profitieren von der verkehrsberuhigten Innenstadt werden wohl zuallererst die Kunden im Frühling und Sommer im Straßencafé.“

Sylke Rabe, deren Modeboutique genau in der Rossmarkt-Kurve liegt, atmet auf. „Wir haben jetzt eine völlig neue Lebensqualität. Wir hatten hier ja bislang eine Dauervibration von den Brummis. Als nebenan noch der Fleischer war, haben die Mädels ja immer befürchtet, dass irgendwann mal ein Lkw erst vor der Theke zum Stehen kommt.“ Allerdings habe der Verkehr durch die Riesaer Straße zugenommen. Sie vermutet, dass der Grund dafür eine fehlende weitreichendere Ausschilderung an der Ortsumfahrung ist. Wer aus Richtung Torgau komme, erfahre zum Beispiel nicht, dass er auf der neuen Ortsumfahrung bleiben müsse, um nach Herzberg und Berlin zu kommen.

Ulrike Tschirner, die Expertin für Verkehrslenkung im Straßenverkehrsamt, glaubt nicht, dass dies der Grund ist. Sie hat gleich eine ganze Reihe von Argumenten. Wer aus Richtung Torgau komme, wolle über Bad Liebenwerda garantiert nicht nach Herzberg. Denn der könne ja gleich die B 87 ab Torgau nehmen. Und auch in Richtung Berlin würde der Lkw-Fahrer nicht über Bad Liebenwerda fahren. Aus Richtung Mühlberg sei das Quellaufkommen eher gering. Sie vermutet, dass viele Navis noch keine neuen Versionen besäßen (die müssen kostenpflichtig heruntergeladen werden). Gefahren werde also oftmals noch nach überholtem Kartenmaterial, obwohl die Freigabe der Ortsumfahrung schon ein Jahr vorher den Internetdiensten angekündigt worden sei. Dann sei da noch der Verkehr aus Richtung Riesa und aus Finsterwalde, der sicher durch die Stadt rolle. Und nicht zuletzt seien die Mautsäulen auf den Bundesstraßen, unter anderem der B-101-Umfahrung, inzwischen bekannt. Auch die würden umfahren werden. Nicht zuletzt, so argumentiert Ulrike Tschirner, habe Bad Liebenwerda auch genügend Unternehmen mit Lkw-Transporten, siehe Reiss-Büromöbel. „Aber“, so Ulrike Tschirner, „wir haben mit der Stadt vereinbart, im Frühjahr noch mal genauere Verkehrszählungen zu machen.“

Aufgeatmet wird auf jeden Fall in den Median-Kliniken. „Wir hatten vor der Freigabe regelmäßig Patientenbeschwerden über zu großen Lärm“, sagt Chefarzt Dr. Wolfgang Lehmann-Leo „und seit Oktober nicht eine einzige mehr.“

Auch Anja Hausmann vom Schmuckgeschäft „Time&Fire“ möchte den Zustand vor der Freigabe nie wieder zurück. Und der Umsatz? „Eigentlich ist der Umsatz bei uns im Oktober am schlechtesten, selbst da war er etwas höher in diesem Jahr. Ich bin mir sehr sicher: Wenn wir in Geschäften Umsatzeinbußen haben, liegt das nicht an der Ortsumfahrung, sondern an den allgemeinen Entwicklungen im Einzelhandel.“

Susanne Melchoir, die Chefin des Gewerbevereins, stimmt ihr zu. „Auch in vergleichbaren anderen Kleinstädten geht der Umsatz zurück. Wir können nur an die Kunden appellieren. Wer auch in Zukunft in kleinen Städten Geschäfte haben will, muss auch dort einkaufen.“

Eine Kunde, der im Schmuckgeschäft der LR-Umfrage beiwohnt, bringt noch einen anderen Aspekt ins Spiel: „Endlich trauen sich auch ältere Leute wieder in die Stadt. Die sind ja wegen der Brummis schon ferngeblieben.“

Susanne Melchoir hat noch einen Wunsch an die Stadt: „Wir sollten jetzt schnell prüfen, den Markt vom Rossmarkt aus wieder befahrbar zu machen.“