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| 13:06 Uhr

Kürbisklau in Zeischa
Wie ein Hobbygärtner zum Hobbykriminalisten wird

Günter Mahling mit einem der letzten Kürbisse. Dieser misst derzeit 45 x 35 Zentimeter.
Günter Mahling mit einem der letzten Kürbisse. Dieser misst derzeit 45 x 35 Zentimeter. FOTO: Veit Rösler
Zeischa. Zeischaer auf der Spur der verschwindenden Kürbisse. Von Veit Rösler

Eigentlich wollte Günter Mahling aus Zeischa nur die unordentliche Hügelkette aus den von der B101-Baustelle gerodeten Baumstümpfen in der Bahnhofstraße seines Heimatortes unter großen grünen Blättern und gelben Farbklecksen verstecken. Doch aus der guten Idee ist jetzt eine Art Kriminalfall geworden.

Um den unschönen Anblick gegenüber seines Kleingartens zu verdecken, hat der 78-Jährige vor ein paar Wochen sechs Kürbis- Stecklinge in dem wüsten Haufen verbuddelt und diese dann selbst in der allergrößten Hitze regelmäßig mit üppig Wasser versorgt. Insgesamt 15 heranwachsende und zum Teil schon stattliche Kürbisse sorgten zunächst für einen mit sich selbst sehr zufriedenen Kleingärtner, doch dann nahm das Drama seinen Lauf.

Auf zunächst unerklärliche Weise nahm die Anzahl der heranwachsenden Früchte wie von Geisterhand kontinuierlich ab. In solchen Fällen wurde früher in den Dörfern einer der Kürbisse sauber aufgeschnitten, ausgehöhlt und dann mit moderat festen Inhalten des Abwasserverbandes wieder aufgefüllt. Wieder zusammengeklappt sind die Früchte dann wieder zusammengewachsen, ohne Narben zu hinterlassen. So traumatisch überraschte Diebe haben in aller Regel zukünftig die Finger von derartigem Mundraub gelassen.

Ob Günter Mahling auch in diese Richtung gedacht hat? Kein Kommentar! „Heutzutage gibt es viel modernere Methoden“, meint der gewitzte ehemalige Schornsteinfegermeister. So hat sich Günter Mahling eine Wildkamera besorgt und diese mit etwas Aufwand in einem der nahestehenden Bäume angebracht. Das Gerät beginnt mit Filmaufnahmen, sobald sich Bewegungen vor der Linse abspielen. „Ich hätte nie gedacht, wie gut der kleine Kasten funktioniert und wie groß und deutlich sich die Aufnahmen am Computer vergrößern lassen. Man erkennt jedes Gesicht“, beschreibt der Hobbykriminalist seine Jagderfolge.

Mit einer Anzeige brauchen die so überführten Kürbisdiebe nicht zu rechnen. „Es war reine Neugier und auch Spaß zu sehen, wer sich hier heimlich zu schaffen macht. Die Kürbisse hätte ich ohnehin verschenkt“, kommentiert der rüstige Rentner sein Vorgehen.