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| 02:44 Uhr

Wettlauf um Richter ist eröffnet

Uwe Oldenburg, Direktor des Amtsgerichts Bad Liebenwerda.
Uwe Oldenburg, Direktor des Amtsgerichts Bad Liebenwerda. FOTO: Feller
Bad Liebenwerda. An vielen Brandenburger Gerichten rumort es immer kräftiger. Personalengpässe treiben Justizangestellte an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Manfred Feller

Das Durchschnittsalter steigt. Mehr Neueinstellungen sind erst diese Woche wieder beim Protest in Potsdam massiv gefordert worden. Denn: Bei nicht wenigen Verfahren dauert es nach wie vor zu lange, ehe der jeweilige Fall verhandelt wird.

An dem für den Elbe-Elster-Landkreis zuständigen Amtsgericht in Bad Liebenwerda scheint die Justizwelt in Ordnung. Noch! "Wir sind aktuell zwar auskömmlich besetzt, aber in absehbarer Zeit besteht dringender Bedarf", stellt Gerichtsdirektor Uwe Oldenburg fest. Das Land müsse jetzt damit anfangen, mehr Richter einzustellen. "Denn in zehn Jahren suchen alle", sieht der 44-Jährige das Rennen um den Nachwuchs eröffnet.

Einschließlich des Direktors hat das Amtsgericht Bad Liebenwerda einen Stamm von acht Richtern. Es wären neun. Eine ehemalige Kollegin arbeitet jetzt am Amtsgericht in Senftenberg im Nachbarlandkreis Oberspreewald-Lausitz. Der Personalbedarf in Bad Liebenwerda liege nach Auskunft von Uwe Oldenburg ein wenig über den acht Richterstellen.

Die Altersstruktur stimmt den Direktor nachdenklich. Als er 2009 die Leitung des Gerichtes übernommen hatte, war er der jüngste Amtsinhaber in Brandenburg. Im Amtsgericht drückt er nach wie vor den Altersdurchschnitt unter den Richtern. Alle anderen sind 50 Jahre und älter. In zehn Jahren gehen zwei Richter in den Ruhestand. Alle anderen in den nächsten 15 bis 17 Jahren. Die Zeit rennt.

Auch wenn die Situation in Bad Liebenwerda längst noch nicht akut ist, sollte nicht auf den Ruhestand der ersten Richter gewartet werden. "Notwendig ist ein Einstellungskorridor für Nachwuchsrichter", stimmt Uwe Oldenburg mit vielen seiner Direktorenkollegen überein. Das heißt: Junge Richter werden mit Blick auf die frei werdenden Stellen lange vorher eingestellt. "Ein leichter Personalüberhang ist sogar wünschenswert, weil ältere Kolleginnen und Kollegen naturgemäß öfter einmal ausfallen können", bemerkt der Direktor.

Im anderen Fall hätte das Amtsgericht Bad Liebenwerda viel zu verlieren. "Bei der Verfahrensdauer liegen wir im guten Landesdurchschnitt, in einigen Bereichen sogar im vorderen Feld", sagt er. Seine Fachgebiete als Richter sind Bußgeld- und Betreuungssachen. Allein die Verkehrssünder beschäftigen das Gericht in jedem Jahr mit rund 800 Fällen. Hinzu kommen Strafsachen in ähnlicher Größenordnung sowie jeweils etwas weniger Zivilsachen und Familienverfahren. Über einen Mangel an Arbeit hätten die insgesamt 63 Justizangestellten des Amtsgerichtes, darunter auch fünf Güterichter, 13 Rechtspfleger und vier Gerichtsvollzieher, noch nie geklagt. Aktenstapel wohin man schaut.