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Ärger in Himmelpfort
Wenn der Weihnachtsmann Zoff auslöst

Neuer Weihnachtsmann für Himmelpfort. Kettensägenkünstler Roland Karl (57) aus Dobra legt letzte Hand an.
Neuer Weihnachtsmann für Himmelpfort. Kettensägenkünstler Roland Karl (57) aus Dobra legt letzte Hand an. FOTO: vrs1 / Veit Rösler
Dobra/Fürstenberg. Ein Auftragswerk des Dobraer Kettensägenkünstlers für Himmelpfort sorgt für Debatten im Fürstenberger Stadtparlament.

Die letzten Arbeiten für den Weihnachtsmann, der inzwischen in die Weihnachtsmann-Gemeinde Himmelpfort bei Fürstenberg gebracht worden ist, waren spannend. Kettensägenkünstler Roland Karl (57) aus Dobra hat das hölzerne Kunstwerk geschaffen. Die Einweihung dürfte inzwischen auch gefeiert worden sein. Doch der Auftrag hat für gehörigen Wirbel im Städtchen an der Havel gesorgt.

Wegen dieser Figur und einem zeitgleich produzierten Mönch hat sich zwischen der Stadtverordnetenversammlung und der Stadtverwaltung in Fürstenberg ein gehöriger Disput entwickelt. Vertreter aus den Reihen des Himmelpforter Ortsbeirates haben sich beschwert.

Dies hat Roland Karl kurz vor der Auslieferung, da war der Weihnachtsmann schon fast fertig, erfahren. Die beiden Holzskulpturen, die ein großes Stück der Geschichte und Sagenwelt des Erholungsortes mit dem paradiesischen Namen symbolisieren, waren ohne Wissen der Parlamentarier in Auftrag gegeben worden. Die Märkische Allgemeine berichtet: „Der Stadtverordnete Tilman Kunowski (Grüne) hätte sich anstelle des lautlosen Vergabeaktes einen öffentlichen Künstlerwettbewerb vorstellen können, der Himmelpfort zusätzlich Aufmerksamkeit beschert hätte. Das jetzige Vorgehen erinnere ihn eher an einen rein administrativen Vorgang, bei dem vieles verschenkt worden sei. So auch eine mögliche Bürgerbeteiligung.“

Und nicht nur das! Von der Unwissenheit der Himmelpforter Politiker nichts ahnend, hatte sich Roland Karl im Süden von Brandenburg an der öffentlichen Ausschreibung im Norden beteiligt und dabei trotz der größeren Lieferwege das Bieterverfahren gewonnen. Die Stadtverordnetenversammlung hatte also weder etwas von der Ausschreibung der Verwaltung, noch eine Info von der Auftragsvergabe mitbekommen. Das sorgte vor Ort im Nachhinein für Unmut, noch dazu, weil die Medien bereits von der nahenden Fertigstellung der Holzfiguren berichteten.

Die Lokalpolitiker hätten sicher auch gern einen heimischen Künstler hinter der Kettensäge gesehen. Allerdings musste dessen Bewerbung unberücksichtigt bleiben, da sein Angebot nicht den gesetzlichen Regularien entsprach. Nach Angaben der Märkischen Allgemeinen hat sich die Verwaltung Asche aufs Haupt gestreut: „Die Erneuerung der beiden verwitterten Holzfiguren ist seit einigen Jahren Thema und laut Bürgermeister Robert Philipp in diesem Jahr Bestandteil des Haushaltes. Die Verwaltung habe demnach den Willen der Stadtverordneten umgesetzt.“

Kettensägenkünstler Roland Karl hat schon viele solcher überlebensgroßen Figuren, insbesondere vor Ort für den Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft, hergestellt. Die Figuren sind zwischen zweieinhalb und vier Metern hoch und meist über eine halbe Tonne schwer. Sie entstehen aus Eichenholzstämmen mit etwa einem Meter Durchmesser. Bei dem Holz handelt es sich vermutlich um Sturmschäden aus dem Bereich des Naturparkes Niederlausitzer Heidelandschaft. Die Herkunft ist aber meist auch beim Lieferanten nicht mehr nachvollziehbar.

Kettensägenkünstler Roland Karl arbeitet etwa eine Woche an einem Projekt dieser Größenordnung. Die Gestaltung hat er in diesem Fall nach den Aussagen des Auftraggebers, der Stadtverwaltung Fürstenberg, nach freiem künstlerischem Geschick übernommen. Um feine Strukturen im Gesicht der Figuren auszuarbeiten, verwendet Roland Karl neben der Kettensäge auch noch eine Feinschleifmaschine. Die fertigen Werke werden dann mit einem biologischen Holzöl, manchmal auch mit Farbe gestrichen. Frei stehend und von trocknendem Wind umweht können solche Figuren mehrere Jahrzehnte überstehen.

(vrs/fc)