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| 18:58 Uhr

Bad Liebenwerda
Wenn das Leben allein nicht mehr geht

Barbara Seeger und Petra Laborge vom geschäftsführenden Vorstand der Tätigen Gemeinschaft (von links) erhalten von der Wolfgang-Liebe-Bürgerstiftung 10 000 Euro. Rechtsanwältin Karin Kohler, Apothekerin Dr. Claudia Krauße und Steuerberater Oliver Piater vom Vorstand der Stiftung übergeben symbolisch die Spendenurkunde und ein Gemälde aus dem Besitz des im Alter von 100 Jahren verstorbenen Apothekers.
Barbara Seeger und Petra Laborge vom geschäftsführenden Vorstand der Tätigen Gemeinschaft (von links) erhalten von der Wolfgang-Liebe-Bürgerstiftung 10 000 Euro. Rechtsanwältin Karin Kohler, Apothekerin Dr. Claudia Krauße und Steuerberater Oliver Piater vom Vorstand der Stiftung übergeben symbolisch die Spendenurkunde und ein Gemälde aus dem Besitz des im Alter von 100 Jahren verstorbenen Apothekers. FOTO: Frank Claus / LR
Bad Liebenwerda. Tätige Gemeinschaft gibt in Bad Liebenwerda und Elsterwerda seit 25 Jahren Hilfe und Betreuung. Von Frank Claus

Es ist eine beeindruckende Entwicklung. Nach einem Beginn mit vielen Fragezeichen. Nach der politischen Wende war vielfach unklar, wie Altenpflege, die Betreuung von Menschen mit Handicap und von psychisch Kranken organisiert werden würde. Die Tätige Gemeinschaft  war 1993 einer der ersten gemeinnützigen Vereine, der sich dem Problemfeld stellte. Zuerst mit dem Aufbau von Kontakt- und Beratungsstellen in Bad Liebenwerda und Elsterwerda. Schon ein Jahr später wurde in der Villa in der Bad Liebenwerdaer Schlossäckerstraße die Tagesstätte für psychisch kranke Menschen eröffnet. Im Jahr 1999 wurde das ehemalige Krankenhaus gleich nebenan zur Wohnstätte „Haus an den Elsterwiesen“ umgebaut und zur Heimstatt für 25 psychisch Kranke.

Es folgten wenig später die Häusliche Krankenpflege in der Bahnhofstraße in Elsterwerda und die Praxis für Ergotherapie. In der Friedrich-Engels-Straße in Elsterwerda werden im Seniorenpark am Elsterschloss seit 2009 33 Wohnungen für das betreute Wohnen angeboten.

Höhepunkt der Investitionen war im Jahr 2016 die Übergabe der Seniorenwohnstätte mit 24 barrierefreien Ein- und Zwei-Raum-Wohnungen für ältere Menschen in der Heinrich-Heine-Straße in Bad Liebenwerda. Mit dem integrierten Wolfgang-Liebe-Haus existiert seitdem eine Pflegeeinrichtung mit 52 Plätzen. Rückwirkend zum 1. Januar soll die Tagespflege nun ihren Betrieb aufnehmen.

Die Gratulanten, darunter auch die Vertreter der Wolfgang-Liebe-Stiftung, würdigten die Arbeit des Vereins. Die Stiftung überreichte eine Spende in Höhe von 10 000 Euro und übergab ein Gemälde aus dem Nachlass des im vergangenen Jahr im Alter von 100 Jahren verstorbenen Apothekers und Ehrenbürgers.

Besonders empfindsam schilderte Friedrich-Albert Krügel, selbst seit 13 Jahren in der Wohnstätte zu Hause, was ihm die Tätige Gemeinschaft bedeutet. Er sprach vom Gefühl, nicht abgestellt, sondern beachtet zu sein. „Im Tätigsein überwinden wir Depressionen“, sagte er und berichtete von größtmöglicher Selbstständigkeit der Bewohner. „Der gelebte Humanismus zeigt sich in der Betreuungstätigkeit“, erklärte er und unterstrich damit, dass sich eine Gesellschaft vor allem auch danach bemesse, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht.

In einer locker von Steffen Große vom Paritätischen Wohlfahrtsverband moderierten Runde sprachen Bürgermeister Thomas Richter, die Vorsitzende des Behindertenbeirates, Ingrid Rokitte, Dr. Frank Hamann, Landesvorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und Geschäftsführer der ElsterWerkstätten sowie Neurologe Dr. Matthias Schultz über die aktuelle Situation in der Pflege und Betreuung sowie über künftige Herausforderungen.

Belange behinderter Menschen, so forderte Ingrid Rokitte, müssten täglich im Fokus stehen. Auch in Bad Liebenwerda gebe es so noch genügend „Stolperstellen“. Thomas Richter berichtete von den großen Anstrengungen der Stadt, um Barrierefreiheit zu gewährleisten. Dass die Herausforderungen in der Zukunft keineswegs geringer werden unterstrich Frank Hamann, der wie Barbara Seeger vor allem den Abbau bürokratischer Hürden forderte. Bis 2030 würden 25 000 Pflegekräfte fehlen, nannte Steffen Große  abschließend nur eine Herausforderung.

Bürgermeister Thomas Richter (l.) Dr. Frank Hamann und Dr. med. Matthias Schulz pflanzen zum 25. Geburtstag einen roten Spitzahorn.
Bürgermeister Thomas Richter (l.) Dr. Frank Hamann und Dr. med. Matthias Schulz pflanzen zum 25. Geburtstag einen roten Spitzahorn. FOTO: Frank Claus / LR