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| 11:56 Uhr

Abfischen in Thalberg
Weniger Karpfen wegen des heißen Sommers

Abfischen in Thalberg FOTO: Veit Rösler
Thalberg. In Thalberg haben die Teichwirtschaftler am Samstag ihre Ernte eingeholt. Rund 20 Tonnen Karpfen landeten beim Abfischen im Netz. Aufgrund des heißen Sommers fehlen im Vergleich zu Vorjahren jedoch rund zwei Tonnen. Von Veit Rösler

Trotz der ungünstigen Witterungsbedingungen insbesondere der langanhaltenden Hitzephase konnten die Teichwirtschaftler beim diesjährigen Abfischen in Thalberg noch einen einigermaßen guten Fischzug starten. Etwa 20 Tonnen der leckeren Karpfen wurden aus dem Gewässer gefischt, um diese in die Winterbecken oder in die Hälteranlage umzusetzen, wo die Qualität der Tiere noch verbessert werden kann. Etwa zwei Tonnen fehlen dennoch, gegenüber den Vorjahren.

Ein Teil des Fangs ist bereits auf dem Weg in die Verkaufsstellen. Ausgeliefert wird in ganz Deutschland. Der noch einigermaßen gute Ertrag ist auf das durchdachte Management, insbesondere die Wasserstandsregelung und auf die Zufütterung zurückzuführen. So konnten die meisten Tiere gerettet werden.

Im August musste allerdings die Nachfütterung eingestellt werden, weil die Sauerstoffwerte immer weiter nach unten gegangen sind. So fehlen im Durchschnitt pro Fisch etwa 200 Gramm, meint Teichwirt Toni Richter (36). Die empfindlichen Nebenfischarten wie Zander und Schleie seien wegen Sauerstoffmangel eingegangen. Ebenso die in den Seen beheimateten Amphibien. Die Zuchtkarpfen sind dagegen stabiler veranlagt.

Weil alle Fischwirtschaftsbetriebe unter der Hitze zu leiden hatten, sind in diesem Jahr besonders die großen Tiere gefragt mit mindestens zwei Kilo Gewicht. Penibel werden die dicken Brocken in der Sortieranlage von den kleineren Exemplaren getrennt. Noch in der Nacht wurde mit dem Fischzug im Schein des abnehmenden Mondes begonnen. Etwa 20 Helfer hatten sich dazu bereit erklärt. Nicht alle kommen aus der Fischwirtschaft.

„Wer Ambitionen für Fisch, die Seefahrt oder die Binnenfischerei hat, auch Angler, macht hier freiwillig mit“, meint Toni Richter. Daneben sammeln sich am Ufer unzählige Schaulustige, kleine Jungen meist mit eigenem Fanggerät. Das traditionelle Abfischen ist mit einem kleinen Volksfest und natürlich mit schmackhaften Fischprodukten verbunden.

Vor zwei Wochen bereits wurde mit dem Abpumpen des Speisefischbeckens begonnen. Weil das Wasser knapp ist, wird es in andere Nutzbecken für jüngere Karpfen-Jahrgänge gepumpt, statt es einfach in abfließende Gewässer abzulassen. „Entsprechend üppig dürfte in diesem Jahr die Stromrechnung ausfallen“, rechnet Toni Richter vor.

Die Tiere sammeln sich dann in den Nächten durch den sukzessive um etwa 1,50 Meter tiefer werdenden Wasserspiegel an den tiefsten Stellen, bis sie letztlich in der am tiefsten gelegenen Fischgrube gelandet sind. Hier werden sie mit Netzen zusammengezogen und mit einem Netz-Kran in die Sortieranlage befördert.

Mit dem morgendlichen Abfischen, das sich meist bis in den Nachmittag hinzieht, ist für die Teichwirtschaftler noch lange kein Feierabend. Die Fische müssen zeitnah auch in den Winterteichen und der Hälteranlage weiter betreut werden. Bei den demnächst anlaufenden Winterarbeiten wird der noch niedrige Wasserstand genutzt, um die Fischgrube zu entschlammen, die Stauwerke zu erneuern und die Gräben zu reinigen. Der Biber und das Laub verursachen viele Schäden.

Normalerweise werden die Fischteiche über den Winter trockengelegt. Wegen dem anhaltenden Wassermangel wird jedoch bereits in den Wintermonaten Wasser angespart. Der Inhalt der Teiche kommt minimal aus Quellgebieten und vor allem vom Regen. Noch vor dem Winter müssen die jüngeren Fische in größere Teiche umgesetzt werden. Etwa drei bis vier Jahre werden die Karpfen alt.

Die Teichwirtschaft Thalberg unterhält insgesamt 18 Seen mit einer Gesamtwasserfläche von rund 70 Hektar. Die Fischwirtschaft um Thalberg wurde in der Zeit der Zisterziensermönche des Klosters Dobrilugk vor etwa 500 Jahren begründet.

Abfischen in Thalberg FOTO: Veit Rösler