Von Frank Claus

Elbe-Elster ist seit Dienstag dieser Woche Mitausrichter einer Weltmeisterschaft, der ersten in Deutschland. Es ist die Amateurfunk-Weltmeisterschaft, die es seit 1990 gibt und die genau genommen „World Radio Team Championship“ (WRTC) heißt. Vor vier Jahren fand sie in Boston in den USA statt – jetzt in Sachsen-Anhalt und Brandenburg.

63 Zweierteams, zumeist aus Männern bestehend, kämpfen um den heiß begehrten Titel. Die Mannschaften kommen aus aller Welt. Insgesamt aus 31 Nationen, darunter aus ganz Europa, aber auch aus Chile, Venezuela, Kanada, den USA, Neuseeland und Hawaii. Deutschland geht mit drei Mannschaften, darunter ist mit Irina Stieber aus Dresden eine Frau, an den Start. „Wenn wir die Schiedsrichter noch hinzuzählen, sind wir Gastgeber für mehr als 40 Nationen“, sagt Klaus Wöhler, der Pressesprecher der Weltmeisterschaft.

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit sind die Wettkampfstätten aufgebaut worden – zumeist in einiger Entfernung zur Wohnbebauung auf landwirtschaftlichen Wiesenflächen. Manch einer mag sich in den vergangenen Tagen die Augen gerieben haben: Was machen die von rot-weißem Flatterband abgesperrten Antennenmasten, Zelte und zumeist ein bis zwei Wohnmobile beziehungsweise Transporter da mitten in der Landschaft?

Frank Neumann als Brottewitzer und Chef des Elbe-Elster-Ortsverbandes sowie Andreas Thron aus Plessa, einer der etwa 300 freiwilligen Helfer der Weltmeisterschaft, klären auf: „Allen Mannschaften sollen geografisch ähnliche Bedingungen geboten werden. Wir haben die Gespräche mit den Flächeneigentümern geführt, um den Aufbau der 63 Stationen zu gewährleisten.“ Dazu gibt es zwei weitere Ausweichplätze. Die Funkstationen in Elbe-Elster stehen unter anderem bei Malitschkendorf, Mühlberg, Altenau. Möglenz und Langennaundorf. „Ohne die Unterstützung der Landwirtschaft und der vielen Helfer wäre diese WM nicht möglich gewesen“, sagt Pressesprecher Klaus Wöhler.

Doch wie wird man nun Weltmeister? Ziel ist es, in 24 Stunden möglichst viele und weit entfernte Funkverbindungen aufzubauen. Die Könner schaffen fünf Verbindungen in der Minute. Im Wettbewerb werden per Sprechfunk und Morsetelegrafie nur Rufzeichen, ein kur­zer Feldstärkebericht und ein Kürzel für die geografische Region ausgetauscht. Das alles, so berichtet Carsten Dix, der Helfer an der Station in der Nähe von Langennaundorf ist, wird im PC eingetragen. So entsteht ein Logbuch, das als Nachweis aller Funkverbindungen fungiert.

Doch bevor es am Sonnabend um 14 Uhr so weit ist, haben Carsten Dix, der extra aus Stadtkyll an der belgisch-luxemburgischen Grenze (Rheinland-Pfalz) angereist ist, und die vielen Helfer erst einmal die Wettkampfstätten, die alle gleich aussehen, aufgebaut. Die Antennen waren aufzurichten, die Stromanschlüsse zu garantieren. Jedes Zelt hat einen festen Boden bekommen, Tische, Stühle und sogar zwei Ventilatoren, falls es zu heiß wird. Lediglich ihre eigenen Funkgeräte und Computer dürfen die Mannschaften benutzen. Die haben sie am Freitag – am Vormittag wurden die Standorte im Organisationsstab in Wittenberg zugelost – selbst aufbauen können, um sich dann zum „Vorschlafen“ wieder in ihre Unterkünfte zu begeben. Exakt 30 Minuten vor Wettkampfbeginn müssen am Sonnabend alle bis auf die Zweierteams und den Schiedsrichter das Stationszelt verlassen. Genau 15 Minuten davor erhalten die Teams das bis dahin streng geheim gehaltene Rufzeichen, unter dem sie funken werden. Niemand kann sich also vorher bereits Kontakte in der Welt verschaffen.  Dann heißt es 24 Stunden höchste Konzentration und die richtige Taktik wählen. Wer sich nur durch Europa funkt, erhält pro Verbindung weniger Punkte als jener, der sich sehr weite Kontakte rund um den Erdball aufbaut. Auf den richtigen Mix kommt es an, wissen die Könner.

Am Sonntag, 14 Uhr, verstummen die Signale. Die 63 Teams übertragen ihre Daten vom Logbuch auf einen USB-Stick, der in der Hand des Schiedsrichters zum Funker-Hauptquartier nach Wittenberg gebracht wird. Dort beginnt das große Auswerten. Das Sieger-Paar dürfte erst am Montagvormittag feststehen. Doch bis dahin hat Carsten Dix in Langennaundorf erst einmal eine andere Sorge. „Ob die Wettkampf-Funker mit meinen Kochkünsten zufrieden sind? Hoffentlich habe ich keine Inder zugelost bekommen. Ich habe nämlich Rindergulasch mit Nudeln auf dem Speiseplan.“