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Weißstorch-Nachwuchs ist Mangelware

Besonderheit: Baumhorst in Großthiemig mit drei Jungstörchen.
Besonderheit: Baumhorst in Großthiemig mit drei Jungstörchen. FOTO: P. Wießner
Hohenleipisch. Das Storchenjahr hatte schon mit einer Woche Verzug begonnen. Die Ankunft der Altstörche in ihren Brutgebieten zog sich vom 28. März bis zum 15. April. Und am Ende der Saison spricht Petra Wießner, ehrenamtliche Nabu-Weißstorchbetreuerin im Altkreis Bad Liebenwerda, von einem insgesamt schlechten Jahr. red/SvD

Schuld an dem miesen Weißstorchjahr sind auch einige Wetterkapriolen: Im Mai war es sehr trocken, sodass es kaum Regenwürmer für die Jungstörche gab, berichtet Petra Wießner. Am 16./17. Juli regnete es sehr stark. Die drei Jungstörche in Oschätzchen und einer in Möglenz starben dadurch wahrscheinlich an Unterkühlung. In Elsterwerda beobachteten Anwohner im Juni einen Waschbär als Nesträuber am Horst der Störche. Es kam zu keiner erfolgreichen Brut mehr.

Bei Horstkontrollen und durch Meldungen von Weißstorchfreunden konnten 39 besetzte Horste im Altkreis Bad Liebenwerda registriert werden. Unbesetzt blieben in diesem Jahr sechs Horste. Und zwar in Bad Liebenwerda Fitzkowplatz und Lessingstraße, Maasdorf Natoureum, Thalberg und Großthiemig an der Schmiede sowie Koßdorf. In Hirschfeld, Beutersitz, Kröbeln und Stolzenhain kam es zu keiner Brut. Altstörche waren aber anwesend.

Ausgeflogen sind 45 Jungstörche. Damit ist es nach 2013 mit neun flüggen Jungtieren das zweit schlechteste Jahr seit 1993. 14 Horstpaare haben zwar gebrütet, aber keine Jungen großgezogen. Es gab nur eine Viererbrut in Gorden. Sechs Dreierbruten, neun Bruten mit zwei Jungtieren und fünf Brutpaare zogen nur einen Jungstorch groß.

In Plessa Süd warfen die Altstörche das dritte Jungtier aus dem Nest. Friedrich Walther aus Plessa nahm es für eine Woche in Pflege, um es dann dem Tierpark Riesa zu übergeben. Von dort wurde der Jungstorch am 25. Juni in das Nest in Möglenz gesetzt und ist am 12. August zusammen mit dem ansässigen Jungstorch ausgeflogen. Ein seltenes Erfolgserlebnis.

In diesem Jahr gab es auch Meldungen eines "Winterstorches" von November bis Januar in Kahla und Zobersdorf. Ein toter unberingter Altstorch wurde in Wahrenbrück unter einer Freileitung gefunden. Vermutlich ein Opfer der Freileitung. Ein verletzter und stark geschwächter Jungstorch von einer Wiese bei Wainsdorf ist leider in der Pflegestation in Reddern verendet. Des Weiteren konnten zehn Ringstörche auf den Nestern abgelesen werden.

Eine seltene Beobachtung gelang bei Burxdorf am 10. August. H. Teichert sah einen Trupp von zehn Weißstörchen. Davon waren sechs beringt, die alle abgelesen werden konnten. Einige davon sind dieses Jahr in Sachsen-Anhalt beringt worden, es waren also Jungstörche.

Zum Thema:
Aus dem Altkreis Herzberg ist ein ähnlicher Trend zu hören: Aus 24 besetzten Horsten sind 50 Jungstörche ausgeflogen, acht weniger als im Jahr davor. Und 2004 waren es aus 31 Horsten 90 Jungtiere gewesen. Veränderte Umweltbedingungen werden als Ursache der fallenden Weißstorch-Bestände vermutet.