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"Wegziehen wollten wir noch nie"

Zum Frühlingsfest-Auftakt gibt es eine Bedienung der besonderen Art: Annika Bormann wechselt vom Büro ins Festzelt.
Zum Frühlingsfest-Auftakt gibt es eine Bedienung der besonderen Art: Annika Bormann wechselt vom Büro ins Festzelt. FOTO: abh
Elsterwerda. 200 Stück Kuchen, 250 Tassen Kaffee, mindestens zehn Paar liebevoller Helferhände aus dem Rathaus – Ältere genießen beim Frühlingsfest besondere Aufmerksamkeit. Und wenn kein Kaffeekränzchen ist, wie lebt's sich dann in Elsterwerda? Die Rundschau hat sich umgehört. Anja Brautschek und Anja Hummel

Da schenkt Stadtkassenverwalterin Annika Bormann Kaffee aus, schneidet Sekretärin Ramona Glas Kuchen und kümmert sich Kulturbeauftragte Sabine Wagner um einen reibungslosen Ablauf. Für nasse Jacketts hingegen sorgt der neue Vorsitzende der Gewerbegemeinschaft Patrick Weser beim traditionellen Bierfassanstich. "Kaffee, Kuchen und Kultur" lockt bereits seit elf Jahren die ältere Generation in das Elsterwerdaer Gewerbegebiet und ist als Frühlingsfest-Auftakt nicht mehr wegzudenken. Schon mehrmals dabei war Ingrid Ramm aus der Elsterstadt. Seit 40 Jahre wohnt sie hier, der Liebe wegen ist sie aus Meißen hergezogen. "Ich möchte nirgendwo anders hin. Zwischendurch mal in den Urlaub, danach geht's wieder schnell zurück nach Hause", sagt die 67-Jährige. Sie und ihr Mann fühlen sich durch und durch wohl, einzig die Verkehrssituation bemängeln sie. "Die großen Autos, die alle durch die Stadt rattern, sind furchtbar", findet Ingrid Ramm. Die Umgehungsstraße müsse deshalb dringend fertig werden.

Ein wenig Kritik übt auch Bärbel Saulig: "Für den Kleidungskauf fehlt das Angebot, dafür muss ich nach Dresden fahren." Und trotzdem fühlt sich die geborene Elsterwerdaerin "sauwohl". "In der ganzen Umgebung kann man schöne Ausflüge machen. Nur für Kinder gibt es nicht mehr so viel. Kino und Schwimmbad würde ich mir noch wünschen." Ihr Ehemann Paul gesteht, dass ihm Elsterwerda früher besser gefallen hat. "Auf dem Marktplatz sieht man nur noch Beton. Früher gab es viel Grünfläche und Bänke. Gewisse Dinge werden leider immer weniger", so Paul Saulig.

Das Grün in der Stadt ist für Regine Arzt hingegen nicht übersehbar: "Das ist ein schönes Fleckchen Erde. Hier fühle ich mich rundum wohl", sagt die 73-Jährige. Besonders die Natur und die Freiheit genießt die gebürtige Elsterwerdaerin. "Früher sollte ich mal nach Cottbus umziehen. Aber dagegen habe ich mich mit Händen und Füßen gewehrt", sagt sie. Mit Bekannten ist sie immer viel mit dem Fahrrad unterwegs und mit einer Wandergruppe regelmäßig auf Tour. Und genau das liebt sie auch daran. Überall grünt und blüht es und sobald man die Haustür verlässt, ist man raus aus der Stadt, mitten auf dem idyllischen Land. "Einzig ein Schwimmbad fehlt mir in Elsterwerda", bedauert Regina Arzt.

Joachim Sehring kommt zwar aus Großthiemig, findet Elsterwerda dennoch lebenswert: "Hier gibt es von allem etwas: ein bisschen Zentrum, ein bisschen Industrie, Einkaufsmöglichkeiten und auch Arbeitsplätze", zählt er die Vorteile der Elsterstadt auf.

Etwas anders sieht Ingrid Struck die Lage. "Eigentlich ist in Elsterwerda nur richtig was los, wenn Frühlingsfest ist", sagt sie und wünscht sich mehr kulturelle Veranstaltungen. Besonders für die Jugend werde eher weniger geboten, sagt sie. Sie selbst ist viel in der Region unterwegs, vor allem in der Musikmuschel in Bad Liebenwerda. "Wir sind überall dort, wo die Musik ist. Am meisten mögen wir Blasmusik", sagt Ingrid Struck.

Werner Richter (82) lebt seit mehr als 60 Jahren in Elsterwerda. "Gerade zu solchen Veranstaltungen wie dem Frühlingsfest lohnt es sich, hier in Elsterwerda zu wohnen", sagt er. Wegziehen wollten er und seine Frau Christa noch nie. Arbeit und Familie haben sie stets in die beschauliche Kleinstadt gezogen. "Vor vier Jahren sind wir in eine altersgerechte Wohnung gezogen und möchten nun auch unseren Lebensabend hier verbringen."