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| 19:38 Uhr

Neue Preise im Wasser- und Abwasserverband Elsterwerda
Wasserverband erhöht Gebühren

Im Wasser- und Abwasserverband Elsterwerda sollen im Kalkulationszeitraum 2019/20 die Mengengebühren für Trinkwasser und Abwasser steigen.
Im Wasser- und Abwasserverband Elsterwerda sollen im Kalkulationszeitraum 2019/20 die Mengengebühren für Trinkwasser und Abwasser steigen. FOTO: dpa / Lino Mirgeler
Elsterwerda. Kalkulation für 2019/20: Trink- und Abwasserpreise steigen. Aufschlag für Nichtbeitragszahler. Von Frank Claus

Der Wasser- und Abwasserverband Elsterwerda (WAV) hat seine neue Gebührenkalkulation für Trink- und Abwasser für die Jahre 2018 und 2019 sowie die Nachkalkulation für die Jahre 2015 und 2016 vorgelegt. Nun haben die Verbandsgemeinden das Wort. In punkto Trinkwassergebühren sollen sie in ihren Gremien zwei Varianten diskutieren, wobei in der Verbandsversammlung bereits eine deutlich favorisiert wurde.

Kalkulation Trinkwasser: Die sieht nach Jahren der deutlichen Entlastung eine Erhöhung der Mengengebühr im Trinkwasserbereich von jetzt 1,11 Euro (brutto) auf dann 1,18 Euro (brutto) pro Kubikmeter vor. Die Grundgebühr soll bei 8,84 Euro (brutto) und damit stabil bleiben. Diese Variante würde zutreffen, wenn sich die Kommunalvertreter für eine Splittung des Gebührensystems entscheiden. Das sieht aus Gründen der Gerechtigkeit vor, die Gebühren für all diejenigen, die den Altanschließer-Beitrag entrichtet haben moderater zu gestalten, als für jene, die diesen Beitrag bisher nicht bezahlten. Soll eine Einheitsgebühr für alle zur Anwendung kommen, würde sich der Trinkwasserpreis für alle auf 1,21 Euro pro Kubikmeter erhöhen.

In diesem Zusammenhang wird auch vorgeschlagen, Kunden, die bislang den Altanschließerbeitrag nicht entrichtet haben oder das Verfahren über die sogenannte Staatshaftung beschritten haben, eine höhere monatliche Grundgebühr von 4,05 Euro (brutto) im Trinkwasserbereich aufzuerlegen. Diese Kunden zahlen dann also 12,89 Euro.

Dass der Trinkwasserpreis steigt, liege vor allem in den Entwicklungen im Verband begründet. Ein Rückblick: Nach dem Aus für das Milchwerk Campina war der Trinkwasser- und Abwasserpreis in die Höhe geschnellt. Nach Übernahme des Werkes durch ODW verbesserte sich die wirtschaftliche Situation spürbar.

Diese positiven Effekte habe der Verband an seine Kunden weitergegeben und die Mengengebühren erheblich reduziert. Doch inzwischen seien die Mehreinnahmen seit der Kalkulationsperiode 2013/14, die damals fast eine Million Euro betragen haben, aufgezehrt.

Kalkulation Abwasser: Die Wirtschaftsprüfer haben vorgeschlagen, die Mengengebühr Abwasser von 1,92 Euro auf 2,07 Euro zu erhöhen. Auch hier bleibe die Grundgebühr mit 11,67 Euro pro Monat stabil. Hintergrund: Die neue, bundesweit geltende Klärschlammverordnung kostet den Wasserverband etwa 400 000 Euro mehr. Denn zu allem Übel gibt es noch ein spezifisches Elsterwerdaer Problem: Die neue Klärschlammverordnung untersagt allen Betreibern von Abwasserbehandlungsanlagen, die Abwässer aus „industrieller Kartoffelverarbeitung“ aufbereiten, den Absatz auf herkömmlichen Wegen. Denn Abwasser aus kartoffelverarbeitenden Betrieben können Krankheitserreger von Kartoffelkrebs und Kartoffelzystennematoden enthalten, die mit dem Klärschlamm auf bestehende oder künftige Kartoffelanbauflächen weitergetragen werden könnten.

In Elsterwerdas Klärwerk fließen auch die Abwässer eines kartoffelverarbeitenden Betriebes aus dem Schradenland. Deshalb hatte der bisherige Entsorger des Klärschlamms - jährlich fallen etwa 5000 Tonnen an – fristlos seinen Vertrag gekündigt. Die Neuausschreibung erbrachte die oben genannten erheblichen Mehrkosten.

Doppelt ärgerlich für Elsterwerda: Noch ist überhaupt nicht geklärt, ob es sich beim Betrieb aus dem Schradenland um eine „industrielle“ oder „gewerbliche“ Kartoffelverarbeitung handelt. Der Betrieb im Schradenland ist mit einer Jahresverarbeitungsmenge von etwa 8000 Tonnen eher ein kleines Licht. Das Land Niedersachsen mit seinen kartoffelverarbeitenden Großbetrieben hat schnell reagiert und „industrielle Kartoffelverarbeitung“ genauer definiert. Dort arbeitet „industriell“, wer mehr als 20 000 Tonnen Kartoffeln jährlich verarbeitet. In Brandenburg steht die seit April angemahnte Entscheidung immer noch aus.

In der Verbandsversammlung wurde deshalb auch deutlich, dass sowohl politischer Druck ausgeübt werden müsse und auch zu prüfen sei, inwieweit sich der betreffende Betrieb an den anfallenden Kosten beteiligen müsse. Problem: Die Laboruntersuchungen hätten bislang keine Auffälligkeiten, also Krankheitserreger, ergeben. Zahlen Elsterwerdas Abwasserkunden also für eine Fata Morgana?