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| 02:54 Uhr

Wassermühle in Prieschka wird abgerissen – enge Durchfahrt bleibt

Die alte Mühle in Prieschka ist bereits entkernt.
Die alte Mühle in Prieschka ist bereits entkernt. FOTO: M. Claus/mcl1
Prieschka. Seitdem die Dorfstraße in Prieschka zwischen der einstigen Wassermühle und dem Wohngrundstück mit der Nummer 1 hindurch führt, ist die Fahrbahn eingeengt. Die aus Prieschka Kommenden haben Vorrang, Einreisende werden von einem roten Pfeil ausgebremst. Mona Claus/mcl1

Doch jetzt lichtet sich der Blick in den Ort. Das Wohnhaus, Dorfstraße 1, ist abgerissen worden. Ende dieser Woche sollen die letzten Überreste beseitigt sein. Gerade wird die alte Mühle gegenüber entkernt. Dachpappe und Holz müssen erst per Handarbeit entfernt werden, um dann das Gebäude ganz beseitigen zu können.

Die Mühle, so wird auf der Prieschkaer Internetseite berichtet, könnte es bereits vor 1520 gegeben haben. 1525 jedenfalls gehörte das Gut einer Familie Schleinitz. In Verbindung mit diesem Gut tauchen Namen wie Bernhard von Rotschitz, ein Herr von Köckritz, die Maltizischen Erben wie auch Landsherr Christian der II. auf. Aus der dazugehörenden Schenke wurde ein Forsthaus gemacht. 1614 wurde die Mühle neu erbaut, brannte aber 1654 durch Brandstiftung nieder. Es folgten mehrere Besitzer und Pächter und um 1770 schließlich die endgültige Abspaltung der Mühle vom Rittergut. Kurzzeitig soll es sogar eine Brenn-Erlaubnis gegeben haben. Überliefert ist, dass die Mühle von 1914 bis 1916 modernisiert wird und einen Ölmotor erhält. Während des zweiten Weltkrieges wird der Mühlenbetrieb elektrifiziert, wegen Ölmangels. Die späteren Besitzer, Familie Maidorn, flüchteten in den Westen. Die Bauernwirtschaft fällt unter die staatliche Verwaltung, die Mühle kommt in Rechtsträgerschaft der Gemeinde. Diese pachtete dann Müllermeister Thieme aus München (Uebigau). Er betrieb sie bis 1961. Schließlich bewirtschaftete die LPG "Elstergrund" die Mühle, welche später vom VEG übernommen wurde. Mischmaschinen und pneumatische Förderanlagen wurden für die Produktion von Mischfutter für die Rinder- und Schweinemast eingebaut. Erhart Schiffner war der letzte Müller in Prieschka. Er arbeitete bis 1991. Die Mühle ging mit der Wiedervereinigung und Reprivatisierung zurück in die Hände der Familie Maidorn, der Mühlbetrieb wurde eingestellt. Ortsbeiratsmitglied Christian Jost ist traurig: "Es tut weh, dass die Mühle wegkommt". Auch Ortschronist René Lindner sieht das so. Ausgeträumt sei der Traum von einem Kaffee, den einst die Prieschkaer hegten. "Vielleicht war die Mühe, einen geeigneten Käufer zu finden, auch einfach zu wenig", bilanziert Lindner. Als das Dach immer desolater wurde, waren Schäden an der Substanz unausweichlich.