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| 20:33 Uhr

Fisch-Ernte in Gefahr
Wassermangel bedroht Teichwirtschaften

 Teichwirt Uwe Keil: „Das war einmal der große Teich, Kleine Mühle Fischwasser. Übriggeblieben ist eine flache Wasserpfütze.“
Teichwirt Uwe Keil: „Das war einmal der große Teich, Kleine Mühle Fischwasser. Übriggeblieben ist eine flache Wasserpfütze.“ FOTO: LR / Frank Claus
Lindena/Thalberg. Die extreme Trockenheit macht den Teichwirten in Lindena und Thalberg heftig zu schaffen. Erste Teiche sind komplett ausgetrocknet, der Fisch verloren. Von Frank Claus

„Wie es uns geht? Beschissen.“ Das sagt Uwe Keil, Chef der Teichwirtschaft Hammermühle in Lindena, und meint: „Komm, setz dich ins Auto. Ich zeig’s dir.“ Auf geht es zu den Teichen, die unter dem Namen Kleine Mühle Fischwasser geführt werden.

Nur noch eine Pfütze

Die Situation vor Ort: Von einem etwa zehn Hektar großen Teich, das sind etwa 14 Fußballfelder, ist eine Pfütze übriggeblieben. Auf dem Rest grünt es. Pfeilkraut und Schilf machen sich breit. In dem verbliebenen Wasser sieht man noch Barsche, ein Hecht verlässt die Deckung und macht das Wasser lumig.

Uwe Keil ist niedergeschlagen. „Wir werden das bissl Wasser hier noch ablassen und wenigstens die Barsche und Hechte retten.“ Die anderen Fische, überwiegend Karpfen, sind verloren.

Der Fisch ist aufgefressen

 Mit diesem Gerät wird der Sauerstoffanteil im Wasser gemessen.
Mit diesem Gerät wird der Sauerstoffanteil im Wasser gemessen. FOTO: LR / Frank Claus

Die natürlichen Fressfeinde – Kormorane, Greifvögel, Reiher und Fischotter – haben sie sich als leichte Beute geholt. 500 Kilogramm K1-Karpfen hatte Uwe Keil dort eingesetzt. K1 heißt, die Tiere sind einen Sommer alt, durchschnittlich zehn Zentimeter und 70 bis 80 Gramm schwer. Aus ihnen wären nach einem Jahr K2 geworden – dann mit etwa 25 Zentimetern Länge und 600 bis 800 Gramm Gewicht. „Normalerweise holen wir hier im Herbst vier bis fünf Tonnen K2 raus.“

Und Notabfischung wäre nicht machbar gewesen? Uwe Keil schüttelt den Kopf. „Wenn wir in das flache Wasser gegangen wären, hätten wir den Schlamm aufgewühlt. Das überleben die Fische nicht.“

Die Lage wäre am Teich noch fataler gewesen, hätte der Teichwirt nicht der Einleitung von gehobenem Grundwasser beim Bau der Eugal-Leitung zugestimmt. „Entgegen der Situation bei Plessa haben wir immer ph-Werte um die 6 gemessen“, sagt Uwe Keil.

Von 140 Hektar sind 90 trocken

Anders sieht es auch nicht in den Lugteichen Brenitz aus. Auch die sind fast ausgetrocknet, berichtet der Fischer und sagt, dass von den 140 Hektar Teichfläche 90 Hektar kein Wasser mehr haben.

Dabei hat der Fischer schon reagiert. „Weil wir vom Vorjahr schon ein großes Wasserdefizit vor uns herschieben, haben wir etwas gemacht, was man eigentlich nicht tut. Wir haben K1 und K2 zusammengesetzt und mit in die große Teichgruppe an der Hammermühle in Lindena eingesetzt. Diese Teiche werden von der Schacke, die aus Finsterwalde zufließt, gespeist und stehen noch relativ stabil.“

Die Situation in den Teichwirtschaften Südbrandenburgs ist fast überall kritisch. Das weiß Uwe Keil von Kollegen. Am Montag hätten sie zusammengesessen und den 70. Geburtstag seines Vaters Martin gefeiert. „Manche berichteten, dass bei ihnen von 300 Hektar Wasserfläche 100 trocken stehen.“

Der Sauerstoffgehalt ist jetzt entscheidend

Ganz so dramatisch ist die Situation beim Thalberger Teichwirt Ulrich Richter nicht. „Wir sind eine Himmelsteichwirtschaft, leben also von den Niederschlägen im Winter und im Frühjahr und haben kaum Zuflüsse.“ Er müsse dafür sorgen, dass das Wasser so lange wie möglich in den Teichen bleibe, nicht abläuft. Dennoch, der Pegel ist zwischen 40 bis 50 Zentimeter gesunken.

„Ich mache es mal bildlich“, sagt er. „Bei den seit Wochen anhaltend hohen Temperaturen verdunstet pro Sekunde auf einem Hektar Teichfläche etwa ein Liter Wasser. Wir haben 75 Hektar. Das heißt, wir müssten pro Sekunde sieben Eimer Wasser nachgießen, damit der Wasserstand stabil bleibt.“

Die Wassertemperaturen machen den Karpfen eher nichts aus, „die vertragen schon auch mal 25, 26 Grad“, sagt Ulrich Richter und macht auf ein viel wichtigeres Problem aufmerksam: „Der Sauerstoffgehalt muss stimmen. Der sollte bei mindestens 7 Milligramm pro Liter liegen.“

Kritik an der Landwirtschaft

Und noch etwas ärgert ihn. Die Landwirtschaft sollte mehr darauf achten, das Wasser so lange wie möglich in der Region zu halten. „Doch im Frühjahr mosern die ja gleich rum, wenn Felder noch nass sind und sie mit der Technik nicht auf den Acker kommen. Sie müssen umdenken. Lieber mal ein Fleck nass lassen, aber das Wasser halten.“