Von Frank Claus

Der seit mehreren Wochen immer wieder auftretende Gestank in Elsterwerda, hauptsächlich verursacht vom Abwasser-Kanalnetz, war am Montag Gegenstand einer Krisensitzung beim Wasser- und Abwasserverband Elsterwerda (WAV). Gefordert hatte diese Elsterwerdas Bürgermeisterin Anja Heinrich (CDU).

Teilgenommen haben neben den Vertretern der Verbandsversammlung die zuständigen Fachabteilungen des Landkreises Elbe-Elster und die Verbandsleitung. Das ebenfalls eingeladene Landesumweltamt blieb der Sitzung fern.

Wo gibt es die stärksten Gerüche?

Die Geruchsbelästigungen im Stadtgebiet Elsterwerda treten vornehmlich im Bereich Marktplatz, Denkmalsplatz und Elsterstraße sowie in den unmittelbar angrenzenden Straßenzügen, aber auch im ehemaligen Ortsteil Krauschütz, auf.

Im ersten Teil der Beratung, so der WAV, seien die zurückliegenden Wochen nochmals kritisch analysiert worden. Insgesamt seien seit Anfang Mai 2019 33 Meldungen direkt beim Verband über die geschaltete Störnummer eingegangen. In den Bereichen Burgstraße, Kochhorstweg, Ludwig-Jahn-Straße, Eichenweg und An der Elsteraue habe es der Pressemitteilung zufolge die am häufigsten genannten Emissionsorte gegeben.

Welche Maßnahmen wurden eingeleitet?

Nach Angaben des Verbandsvorstehers seien diese Maßnahmen bereits realisiert worden:

1. Umfängliche Kanalnetzspülungen im Bereich Innenstadt, – und zwar im Schmutz- und Regenwasserkanalnetz.

2. Großflächiger Austausch der Biofilter in den Schächten der Innenstadt.

Die Maßnahmen seien von H2S-Messungen (Schwefelwasserstoff) begleitet worden. Diese Analyse treffe Aussagen zu Intensität und Emissionsort.

Was ist mit den Gerüchen aus der Kläranlage?

Nicht gänzlich auszuschließen gewesen seien auch Geruchsentwicklungen im Zusammenhang mit den laufenden Baumaßnahmen auf der Kläranlage selbst. Dort seien dem Verband zufolge folgende Maßnahmen durchgeführt worden:

1. Erneuerung der Biofilteranlagen am Rechengebäude,

2. Dosierung von Nutriox in das Zulaufsystem der Kläranlage.

Wie geht es jetzt weiter?

Auf Drängen der Verbandsmitglieder werde „unverzüglich“, wie es in der Mitteilung heißt, ein externes Ingenieurbüro beauftragt. Das solle die Geruchsemissionen sowie deren Entstehungsursache lokalisieren und ergründen, eine Gesamtuntersuchung (Sulfidbilanz) des städtischen Netzes vornehmen und technische Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. Daraus resultierend solle ermittelt werden, welche Aufgaben und Investitionen dem Verband diesbezüglich bevorstehen.

Elsterwerdas Bürgermeisterin Anja Heinrich: „Das ist für mich das wichtigste Ergebnis der Beratung. wir brauchen eine umfängliche Ursachenakquise.“

Was wird zuerst umgesetzt?

Folgende technische Maßnahmen sollen jetzt realisiert werden:

1. Errichtung einer weiteren zentralen Biofilteranlage im Bereich Südstraße, um dort insbesondere die Geruchsemissionen aus den Ortsteilen Haida, Würdenhain, Saathain, dem Bereich Elsterwerda-Biehla sowie dem Wohngebiet-West bereits vor Überleitung der Schmutzwassermengen zur Kläranlage Elsterwerda geruchstechnisch vorzubehandeln.

2. Die Abwasserdruckleitung „Kraupa-Hohenleipisch-Dreska“ wurde bereits komplett mittels sogenannten Impulsspülverfahren gereinigt, um insbesondere der Geruchsentwicklung im Gewerbegebiet-Ost durch Entfernung der Sielhaut im Freigefällekanal entgegenzuwirken.

Hausbesitzer sind gebeten, ihre eigenen Hausentlüftungssysteme (Dachentlüftungen) zu überprüfen. Wenn die nicht vorhanden sind, sollte nachgerüstet werden.

Für den 9. September ist ein nächstes Arbeitsgespräch angesetzt.