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| 16:33 Uhr

Tier quält sich über viele Stunden
Junger Waschbär hängt in Hohenleipisch im Komposter fest

 Dieser junge Waschbär hatte sich mit einer Pfote in dem engen Spalt zwischen den Deckeln des Biokomposters von Familie Ruprecht in Hohenleipisch verfangen. Mit seiner Verletzung quälte er sich viele Stunden. Die Deckel selbst lassen sich nicht anheben. Sie sind mit Ziegelsteinen beschwert, damit kein Tier hinein gelangt. Der Waschbär hat sie weggeschoben.
Dieser junge Waschbär hatte sich mit einer Pfote in dem engen Spalt zwischen den Deckeln des Biokomposters von Familie Ruprecht in Hohenleipisch verfangen. Mit seiner Verletzung quälte er sich viele Stunden. Die Deckel selbst lassen sich nicht anheben. Sie sind mit Ziegelsteinen beschwert, damit kein Tier hinein gelangt. Der Waschbär hat sie weggeschoben. FOTO: Grit Ruprecht
Hohenleipisch. Grit Ruprecht aus Hohenleipisch rennt Kreise, damit ein wildes Tier in ihrem Garten befreit werden kann. Keiner fühlt sich so richtig zuständig und nimmt die Sache in die Hand.

Der Waschbär ist zwar zum Abschuss freigegeben, dennoch sollte er sich wie alle anderen Geschöpfe nicht quälen. Das dachte sich auch Grit Ruprecht am Donnerstagmorgen. „Bei euch sitzt ein Waschbär auf dem Biokomposter“, sagte Nachbarin Elke Franz am Telefon. Sie dachte, das Tier würde sich dort wie die Katzen sonnen.

Grit Ruprecht sah sich das Tier aus sicherer Entfernung an. Denn man weiß ja nie als Wildtierlaie. „Der kleine Waschbär sah eigenartig, krank aus“, sagt sie. Durchnässt von der kühlen Nacht lag er auf dem Bauch und streckte die Pfoten  nach hinten. Was Grit Ruprecht zunächst nicht sehen konnte, weil eigentlich unmöglich: Der junge, nachtaktive Räuber war mit einer Pfote in dem sehr engen Spalt zwischen den zwei Deckeln des Komposters gefangen. Die Pfote war bereits stark geschwollen. Das Tier litt.

 In den Spalt zwischen den stabilen Hartplastikdeckeln des Biokomposters passen höchsten ein paar Blatt Papier. Doch der junge Waschbär hat auf seiner Nahrungssuche eine Pfote hindurchgequetscht und ist hängengeblieben.
In den Spalt zwischen den stabilen Hartplastikdeckeln des Biokomposters passen höchsten ein paar Blatt Papier. Doch der junge Waschbär hat auf seiner Nahrungssuche eine Pfote hindurchgequetscht und ist hängengeblieben. FOTO: LR / Manfred Feller

Grit Ruprecht traute sich nicht näher heran, sondern suchte Hilfe. Es begann eine wahre Odyssee. Erster Anruf bei der Polizei in Elsterwerda: Man werde sich kümmern, hieß es. „Auf den Anruf warte ich bis heute“, so Grit Ruprecht. Das Ordnungsamt Plessa verwies auf Jagdbehörde, Förster und Tierarzt. Das kreisliche Veterinäramt sei beim Ausflug.

„Mit dem Tierarzt in Prieschka konnte ich vernünftig reden. Er hat mich beruhigt“, erzählt sie weiter. Er dürfe nichts unternehmen, verwies aber auf Oberförsterei und Jäger. Die Oberförsterei schickte die Hohenleipischerin zurück zum Ordnungsamt, das eine Freischussgenehmigung beantragen und dann einen Jäger beauftragen müsse. Doch der erneute Anruf in Plessa führte zu keinem positiven Ergebnis. Grit Ruprecht war inzwischen nicht nur aufgeregt, sondern in Rage. Schließlich informierte sie den Amtsdirektor. Er würde einen Jäger verständigen, was nicht so einfach sei.

Gegen 17.30 Uhr erschien ein angstfreier Nachbar, der mit einem Stock einen Komposterdeckel anhob. Mit einem meterhohen Sprung habe sich der Waschbär befreit und suchte das Weite. Gegen 18 Uhr kamen der Jäger und ein Vertreter des Ordnungsamtes. „Ich verstehe nicht, warum in einem Naturpark Hilfe für Wildtiere so lange dauert“, schüttelt Grit Ruprecht mit dem Kopf.

 Grit Ruprecht zeigt, wie der Waschbär durch das Anheben eines Deckels befreit worden ist. Doch sie selbst hat sich nicht in die Nähe des wilden Tieres getraut.
Grit Ruprecht zeigt, wie der Waschbär durch das Anheben eines Deckels befreit worden ist. Doch sie selbst hat sich nicht in die Nähe des wilden Tieres getraut. FOTO: LR / Manfred Feller
(mf)