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| 07:31 Uhr

Was wird aus den alten Schulgebäuden?

Es gibt Hoffnung für das Thalberger Schulgebäude. Künftig könnten in einem Teil des erst vor wenigen Jahren sanierten Gebäudes Vereine ein Domizil bekommen. Außerdem wäre dort noch genug Platz für eine Jugendherberge.Für die Neuburxdorfer Schule sollen demnächst die Kosten für den Abriss ermittelt werden. Geplant ist, auf dem Grundstück ein neues Feuerwehrdepot zu bauen.
Es gibt Hoffnung für das Thalberger Schulgebäude. Künftig könnten in einem Teil des erst vor wenigen Jahren sanierten Gebäudes Vereine ein Domizil bekommen. Außerdem wäre dort noch genug Platz für eine Jugendherberge.Für die Neuburxdorfer Schule sollen demnächst die Kosten für den Abriss ermittelt werden. Geplant ist, auf dem Grundstück ein neues Feuerwehrdepot zu bauen. FOTO: Fotos: Veit Rösler
Thalberg. Drei Schulen – drei Geschichten, die sich gleichen. Alle drei Gebäude stehen seit einigen Jahren leer. Diese Situation könnte sich bald ändern, wenn auch unter anderen Bedingungen. Zumindest für die Immobilien in Neuburxdorf und Thalberg soll den Stadtverordneten demnächst ein Lösungsansatz präsentiert werden. Von ines klut

Ein neues Domizil für die Neuburxdorfer Feuerwehr – auf der Agenda von Bürgermeister Thomas Richter (CDU) steht dieses Ziel ganz weit oben. Er hat auch schon eine mögliche Lösung in der Schublade: die Schule abreißen und ein neues Haus für die Feuerwehr bauen.

Abriss kostengünstiger
„Eine Teilnutzung der Schule scheint mir nicht machbar“ , so Richter. Auch wenn er noch keine Kostenrechnung veranschlagt habe, könne er jetzt schon mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, dass ein Abriss kostengünstiger sei als ein Rückbau. Eine konkrete Rechnung will er in den nächsten Wochen aufmachen und den Bad Liebenwerdaer Stadtverordneten präsentieren.
Wichtig sei, dass die Neuburxdorfer Wehr handlungsfähig bleibe und dementsprechende räumliche Bedingungen bekomme. „Bad Liebenwerda oder Mühlberg sind zu weit entfernt. Wir brauchen vor Ort eine Wehr, die jederzeit einsetzbar ist“ , betont der Bürgermeister. Das jetzige Domizil sei ein steter Unsicherheitsfaktor, weil das Grundstück nicht der Stadt gehöre. Es könne also jederzeit gekündigt werden. Für eine Feuerwehr sei das keine gute Ausgangsposition. Für den baulich ähnlichen Komplex in Zobersdorf gebe es keine Lösungsvorschläge für eine Nachnutzung. Auch hier stehe die Stadt vor dem Problem, einen großen Schulbau nicht komplex anderweitig nutzen zu können. In kleinere Einheiten wie im Gebäudeteil an der Zobersdorfer Turnhalle habe sich Andreas Voigt aus Bad Liebenwerda mit seinem Gewerbe und einem Proben raum für die „Evergreen-Band“ eingemietet. Etwas anders gestaltet sich die Situation in Thalberg. Im Unterschied zu Neuburxdorf und Zobersdorf habe man es hier mit einem ganz anderen, kleinteiligeren Bautyp zu tun: Die Turnhalle ist in einem Top-Zustand und wird von Vereinen genutzt. In der Alten Schule ist eine Essenversorgung untergebracht, die unter anderem auch Schulen beliefert.
Für das Thalberger Schulgebäude hat Thomas Richter eine Vision: ein Vereinshaus für ortsansässige Vereine. Dafür könnte eine Etage genutzt werden. „Wenn dieses Projekt zum Tragen kommt, wäre auch eine touristische Verbindung nach Zeischa denkbar“ , so der Bad Liebenwerdaer Bürgermeister. Vor dem Hintergrund der Pläne für das Zeischaer Feriendorf habe er schon mit dem Zeischaer Vereinsvorstand Kontakt aufgenommen. Man sei durchaus nicht uninteressiert gewesen, in Thalberg ein zweites Standbein für kostengünstige Übernachtungen zu schaffen.
Die Thalberger Schule könnte also eine Perspektive als Jugendherberge haben. Denn mit dem Feriendorf werde man vor allem Gäste ansprechen, die komfortabel in der Natur urlauben wollen. Außerdem könne die Jugendherberge von Vereinen genutzt werden, die im Vereinshaus, quasi unter einem Dach, Trainingslager oder Seminare abhalten.
Dass er mit seiner Vison keine Luftschlösser baut, davon ist der Bad Liebenwerdaer Bürgermeister überzeugt. Es fehle in der Region an Übernachtungen für Kurzzeitgäste im unteren Preissegment. In jeder Saison habe es in Zeischa beispielsweise viele Anfragen von jugendlichen Campern gegeben, die gar nicht alle befriedigt werden konnten. Eine Jugendherberge könnte diese Lücke schließen. Es gibt auch Anfragen von Radtouristen, die eine kostengünstige Unterkunft für ein oder zwei Tage suchen , weiß Richter. Auch die Jugendherberge im Uebigauer Schloss sei stark frequentiert. „Mein Amtskollege sagt, sie könnte eigentlich noch größer sein“ , so Richter.

Anfrage an den Kreistag
Ob die Jugendherberge in Thalberg eine Chance hat, hänge in erster Linie davon ab, wie man mit dem Vereinshaus zu Potte komme. Dass die Vereine ein Interesse an einem solchen Haus haben, daran hegt der Bad Liebenwerdaer Verwaltungschef keine Zweifel.
Zweifel der ganz anderen Art gibt es beim Zobersdorfer Ortsvorsteher Scharnhorst Knobloch. Mit seiner Anfrage, die er über den Kreistagsabgeordneten Hellfried Ehrling (Bürgerinitiative) an den Kreistag stellte, hat sich in den vergangenen Wochen die Kreisverwaltung beschäftigt. Darin heißt es: „Ist die gesetzliche Bindefrist für die Fördermittel, die für die Schulen Zobersdorf, Neuburxdorf und Thalberg bewilligt wurden, eingehalten„ Wann erfolgt die Rückzahlung der Mittel““

Landkreis außer Pflicht
Im Antwortschreiben des Kreistagsvorsitzenden Andreas Holfeld heißt es: „Der Landkreis ist nicht verpflichtet, Fördermittel zurückzufordern. Außerdem sei die Möglichkeit eines Widerrufs auf ein Jahr begrenzt. Für die Realschule Thalberg sei im August 2006 die Prüfung zur Verwendung der Mittel erfolgt. Selbst wenn zu diesem Zeitpunkt die Schule bereits geschlossen beziehungsweise die Schulplanung konkretisiert war, sei ein Widerruf wegen Ablaufs der Frist ausgeschlossen gewesen. In Zobersdorf liege der Sachverhalt ähnlich. Für die Schule in Neuburxdorf seien keine Fördermittel vom Kreis an die Stadt ausgereicht worden.“
Für den Bad Liebenwerdaer Bürgermeister Thomas Richter entbehrt diese Forderung jeglicher Realität. „Man kann uns nicht für etwas verantwortlich machen, das wir gar nicht beeinflussen konnten“ , so seine Meinung.
Man habe heute nun mal ein anderes Schulgesetz als im Jahr 2000. Daran sei nicht die Stadt, sondern die damals rückläufige Entwicklung der Geburtenzahlen schuld. Da sei es doch völlig absurd, heute Fördermittel ins Spiel zu bringen, die damals nach bestem Wissen und Gewissen beantragt und ausgereicht worden seien.

Hintergrund Ein Blick zurück
  Die ehemaligen Grundschulen Neuburxdorf und Zobersdorf und die Ex-Realschule in Thalberg wurden mit Beginn des Schuljahres 2006/07 geschlossen. Das Grundschulzentrum in Bad Liebenwerda startete ab 2007/2008 als Ganztagsschule.
Fördermittel aus dem GfG-Topf (Gemeindefinanzierungsgesetz) sind laut Kämmerei der Stadt Bad Liebenwerda ausschließlich in die Sanierung der damaligen Realschule Thalberg geflossen, insgesamt etwa 285 000 Euro. Davon wurden die Turnhalle saniert sowie Arbeiten im Sanitärbereich, am Dach und Fenstern realisiert.
Für Neuburxdorf wurden keine Fördermittel aus dem GfG-Topf ausgereicht. In Zobersdorf gab es schon im Jahr 1995 eine 100%ige Förderung für die Heizungsumstellung.