| 02:41 Uhr

Was machen, wenn der Schornstein brennt?

In Elsterwerda haben Schornsteinfeger und Feuerwehrleute von der Drehleiter aus den Schornsteinbrand bekämpft.
In Elsterwerda haben Schornsteinfeger und Feuerwehrleute von der Drehleiter aus den Schornsteinbrand bekämpft. FOTO: Marcel Würdig/Feuerwehr
Elsterwerda. Schon dreimal ist die Feuerwehr in diesem Jahr zu Einsätzen an die Esse ausgerückt. Die LR hat Fachleute zum richtigen Handeln befragt. Frank Claus

Schornsteinbrand - wer geglaubt hätte, in Zeiten von Öl- und Gasheizungen gibt's den nicht mehr, irrt. Gleich drei Mal hat es in diesem Jahr schon in Essen im Altkreis Bad Liebenwerda gebrannt, so Elsterwerdas Wehrleiter Daniel Neubert. In jener Nacht im Januar, als der Jugendclub in Hirschfeld durch einen technischen Defekt in Brand geriet, hat es auch in Döllingen gebrannt. In einem Schornstein. Dann folgte ein Schornsteinbrand in Thalberg und am Donnerstagabend hat es nun im Elsterwerdaer Ortsteil Kotschka einen Brand in einer Esse gegeben. In allen drei Fällen betrifft es Schornsteine für Feuerstellen mit Festbrennstoffen, zumeist Holz und Kohle. In den häufigsten Fällen ist der Einsatz feuchter Brennstoffe Ursache für Schornsteinbrände, mitunter auch vernachlässigte Kehrintervalle.

Elsterwerdas Wehrführer Daniel Neubert erklärt, dass im Kotschkaer Fall ein Nachbar die aus dem Schornstein züngelnden Flammen bemerkt und die Feuerwehr alarmiert hat. Vor der mitunter vorherrschenden Volksmeinung, Grundstücksbesitzer könnten den Brand selber löschen, "weil sie nur einen Eimer Wasser in den Schlot kippen müssten" warnt der Feuerwehrmann. "Das kann gehörig ins Auge gehen." Bezirksschornsteinfegermeister Holger Rieger, der am Donnerstag ebenfalls zum Brandherd gerufen wurde, erklärt: "Wir sagen als Richtwert immer, dass ein Liter Wasser bei einer Temperatur von etwa 100 Grad Celsius gut 1700 Liter Wasserdampf ergeben. Bei einem Brand in einem Schornstein werden oft Temperaturen um die 1000 Grad Celsius erreicht. Wenn da Wasser dazu kommt, kommt es beim Verdunsten zu einem plötzlichen, enormen Druckanstieg, der im schlimmsten Fall zur Explosion führen kann."

Auch die Feuerwehr, so Daniel Neubert, lösche deshalb nicht mit Wasser. Zuerst werde in solchen Fällen gleich direkt von der Leitstelle, die über eine entsprechende Liste verfüge, der zuständige Schornsteinfeger mit alarmiert. Das war auch diesmal so. Der Schornsteinfeger reinigt mit seinem oder dem vielfach noch robusteren Kehrgerät der Feuerwehren den Schornstein erst einmal trocken. Das heißt, der angesammelte Glanzruß wird von den Wänden gekehrt und am tiefsten Punkt aus der Schornsteinöffnung entnommen. Dann kühle der Schornstein langsam wieder aus.

Daniel Neubert hält noch einen Hinweis für wichtig: "Schornsteinbrände entwickeln sich über einen Zeitraum von mehr als sechs Stunden." Durch Ofenrohre oder undichte Türen könne gefährliches Rauchgas austreten. In Mehrfamilienhäusern sollten deshalb alle Wohnungen kontrolliert werden, in denen es Anschlüsse an den Schornstein gibt. Noch etwas, so Daniel Neubert, sei wichtig: "Die Wände werden enorm heiß. Das könnte zu Tapetenbränden führen. Möbel, die dicht an heißen Schornsteinen stehen, sollten zuerst weggerückt werden." Holger Rieger rät: "Jeder, der mit Festbrennstoffen heizt, sollte sich zum Verhalten bei einem Schornsteinbrand informieren."