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| 13:08 Uhr

Was Luther mit Kies zu tun hat

Auch die Mühlberger Ruderer schmückten wie andere Sportvereine der Stadt den Festumzug zum Kinder- und Heimatfest.
Auch die Mühlberger Ruderer schmückten wie andere Sportvereine der Stadt den Festumzug zum Kinder- und Heimatfest. FOTO: Veit Rösler/vrs1
Mühlberg. Die Mühlberger haben zu ihrem Heimat- und Kinderfest neue Thesen und Forderungen aufgestellt. Gefeiert wurde natürlich auch. Veit Rösler / vrs1

Nach dem Verteilen unzähliger Ablassbriefe kann jetzt in Mühlberg erst einmal wieder tüchtig gesündigt werden, zumindest für die nächsten 500 Jahre! Verteilt wurden die begehrten Schriftstücke durch Pater Alois Andelfinger und seine Kollegen von der katholischen und evangelischen Kirchgemeinde beim großen Festumzug am Samstagnachmittag. Entgegen früheren Gepflogenheiten, die einst zur Reformation geführt haben, wurden diesmal gleich goldene (Schokoladen) Taler mit verteilt. Grund für die Aktion ist das 500. Jubiläum der Reformation, unter deren Motto der Umzug diesmal stattfand. Unter dem Leitgedanken "Wir sind gemeinsam unterwegs" hatte die Mühlberger Ökumene einen Festwagen mit einer Kirche gestaltet, der von zwei Pferden gezogen wurde. Zahlreiche Nonnen und Mönche des Zisterzienserordens nahmen in entsprechender Robe sowie mit eindeutiger Ausrüstung in Form des Kreuzes und der Bibel teil. Selbst mehrere Martin Luther wurden gezählt.

Schon jetzt mit einem Umzug die Welt verbessert haben die Jugendlichen des Mühlberger Jugendclubs. Im letzten Jahr noch musste die Kolonne durch die Stadt mit einer öffentlichen Beschwerde über das undichte Jugendclubdach verbunden werden. Diesmal nun das große Dankeschön an die Stadtverwaltung für die neue Dachdeckung. "Kinderfest! Da machen wir doch glatt mit", dachte sich eine Gruppe Mühlberger Senioren. Die Herrschaften der Klassen 1a und 1b des Abc-Schützenjahrganges 1951 verbanden das diesjährige Kinderfest mit einem Klassentreffen.

In 500 Jahren werden sicher die Historiker rätseln, an welche Tür die Mühlberger Reformatoren im Jahre 2017 ihre Thesen und Forderungen angenagelt haben. Der "Verein für eine Heimat mit Zukunft e.V." mit derzeit 58 Mitgliedern aus den umliegenden vom Kiesabbau betroffenen Gemeinden nutzte den Umzug und dessen Thema für einen neuerlichen öffentlichen Thesenanschlag. "Wir wollen den weiteren Kies-Raubbau verhindern", so die Vereinsvorsitzende Sigrid Käseberg (56). Im Rahmen neuer zur Entscheidung anstehender Rahmenbetriebspläne wären zeitnah insgesamt 650 Hektar Flächen betroffen. "Wir wollen diese Flächen verringern und wir wollen, das Kies als ein wertvolles Produkt und nicht als billige Massenware behandelt wird. Wir wollen eine ressourcenschonende Vermarktung", heißt es weiter. "Daneben spielen für uns auch unsere wertvollen Ackerböden und die negativen Auswirkungen durch Grundwassersenkung eine Rolle. Unsere Lebensqualität sinkt durch Schall, Staub und unzugängliche Flächen. Wir fordern die Rekultivierung ehemaliger Abbauflächen, die im Moment noch von Betretungsverbot betroffen sind", meint Tochter Sonja Käseberg (23). Auf ihrem Thesenanschlag im Lutherjahr fordert der Verein zum Beispiel eine Reformation des zum Teil noch aus der Kaiserzeit stammenden Bergrechtes und eine Gleichbehandlung von Ost- und West-Abbaugebieten.

In Mühlberg gibt es also auch 500 Jahre nach der Reformation noch jede Menge Reformierungsbedarf. Auch mit den Fest-Themen ist die Stadt an der Elbe reich gesegnet. So steht im nächsten Jahr der Umzug thematisch unter dem Ritt Karl des 5. von Mühlberg nach Blesern. Und im Jahre 2019 steht der 200. Geburtstag von Theodor Fontane an. Themen, die in der Geschichte nicht spurlos an Mühlberg vorbei gegangen sind.