Sicher ist, es müssen unheimliche Kräfte gewirkt haben, als am Mittwoch der vergangenen Woche Teile des 60 Meter hohen Windrades samt Rotorblättern, Nabe und Generatorenhaus in 30 Meter Höhe nach oben gehoben wurden und dann abkippten. Sämtliche Gewindeschafte der 80 Bolzen sind dort, wo einst die Muttern saßen, förmlich "glatt gelutscht". Ein Teil der Schrauben hängt im Kranz des verbliebenen Turmsegmentes (kleines Foto), die restlichen Schrauben und Muttern liegen im Turminneren. Wie gewaltig die Kraft gewesen ist, zeigt sich auch an einer weiteren Bruchstelle des Turmes. Dort wurde der Turm vermutlich durch den Aufprall auf den Boden auseinandergerissen. Und auch da sind die Gewinde dort, wo die Muttern einst saßen, "glatt gelutscht".

Doch wie konnte das passieren? Jürgen Holzmüller vom 8.2 Ingenieurbüro Holzmüller Aurich, von der IHK als Sachverständiger für Windenergieanlagen und deren Bewertung bestellt und vereidigt, kann das am Sonnabend noch nicht sagen. Mit zwei weiteren Mitarbeitern hat er das Schadensbild dokumentiert und wird nun Einsicht in die Wartungsunterlagen zur Anlage nehmen.

Kann es eine Windhose gewesen sein, wie im benachbarten Koßdorf spekuliert wird? Für Jürgen Holzmüller ist das eher unwahrscheinlich. Die betroffene Anlage steht inmitten weiterer Windräder, an denen es äußerlich keine Schäden gibt, argumentiert er und spricht von mindestens zehn weiteren möglichen Ursachen, die zur Havarie geführt haben könnten. Wahrscheinlicher ist für ihn, dass es bereits Schwachstellen am 1999 errichteten Windrad gegeben haben muss. Der böige Wind war dann nur noch das I-Tüpfelchen.

Sind die Rotorblätter außer Kontrolle geraten und haben die Schwingungen erzeugt, gab es Probleme im Generatorenhaus, war es Materialermüdung? Das sind nur drei von weiteren möglichen Ursachen. Das Vorhaben, die Steuerung und damit die "Blackbox" aus dem Generatorenhaus zu bergen, ist gescheitert. "Das Schadensbild ist zu groß. Wir sind nicht herangekommen und benötigen einen Kran", sagt Jürgen Holzmüller. Über diesen Einsatz müssen die Eigentümer entscheiden, denn das sei mit Kosten verbunden. Zum Windrad gibt es ansonsten Funkkontakt. Auf einem Chip würden wichtige Daten gespeichert.

Und was ist mit den Anlagen in der Nachbarschaft, werden die jetzt auch überprüft? "Unsere Aufgabe ist das nicht, wir sind von der Versicherung zur Begutachtung des Schadensfalls beauftragt", sagt er. Panikmache hält er für fehl am Platz. "Es gibt in Deutschland fast 24 000 Windräder, die zudem außerhalb von Ortschaften stehen und so relativ wenig Gefahren für Menschen bergen", sagt er. Ähnliche Schäden wie am Koßdorfer Windrad gebe es seinen Erkenntnissen zufolge maximal einmal im Jahr.