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| 18:47 Uhr

Tradition
War das 20. etwa das letzte Mühlenfest?

20. Jubiläumsmühlenfest in Plessa FOTO: Veit Rösler
Plessa. Die Plessaer Narren haben es sofort bemerkt: Das 20. Plessaer Jubiläums-Mühlenfest fand in diesem Jahr an einem 20. des Monats statt. Aber nicht nur das haben die närrisch veranlagten Plessaer und ihre Gäste am Pfingstwochenende kräftig gefeiert. Von Veit Rösler

Kinder und Erwachsene konnten beim Mühlenfest in Plessa ein unterhaltsames Rahmenprogramm erleben. Viele Vereine haben mitgeholfen. So ist die Einwohnerschaft schon zeitig am Sonntagvormittag von unzähligen Hahnenschreien bei einem Hähnewettkrähen zur Elstermühle gelockt worden. Nicht weniger lautstark, dafür aber sehr viel gesitteter ging es bei den Musikaufführungen der Grenzländer und der Plessaer Blechbläserklasse sowie beim Konzert von Sängerin Maja Catrin Fritsche zu. Ein Zaubertheater ließ Dinge für immer verschwinden. Aufgetaucht sind dafür unzählige kleine Glanzstücke der heimischen Kunsthandwerker bei der Ausstellung ihrer von Hand gefertigten Unikate.

Im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Nähkästchen geplaudert hat Hobbyhistorikerin Christine Alkier bei der Funktionsvorführung ihrer alten Nähmaschine. Wie geschickt die Leute früher waren und wie man zum Beispiel vor Jahrzehnten sein Fahrrad noch selber flicken konnte, zeigte Ehemann Wolfgang Alkier.

Schmerzlich wurde dagegen das immer wieder anspruchsvolle Reitprogramm des Ländlichen Reit- und Fahrvereins Plessa vermisst. Der Reit- und Fahrverein Lindena unter Leitung von Kristin Schröder-Grahle vom Heinickehof in Kahla war alternativ mit einem Kranzreiten eingesprungen. So war auch die Geschichte der mittlerweile 20 Mühlenfeste immer schon geprägt von einem Auf und Ab. Und das wird sicher auch in der Zukunft so bleiben, denn in Plessa macht derzeit das Gerücht die Runde, dass das 20. Jubiläumsmühlenfest auch das letzte gewesen sein könnte.

Gästeführerin Carola Meißner und Lothar Thieme vom Kulturverein erinnern sich: Für die Anregung und die Organisation des 1. Mühlenfestes an der Elstermühle war 1995 der Förderverein des Naturparks als Eigentümer der Mühle verantwortlich. Mit im Boot war ein Komitee aus Förderverein, Gemeinde und Vertretern von Vereinen. Das Mühlenfest wurde in den ersten zehn Jahren immer am 2. Juniwochenende veranstaltet, damit es losgelöst war vom Deutschen Mühlentag. Das Fest bekam dann allerdings Konkurrenz durch das immer größer werdende Musikfest in Hirschfeld. Die angefallenen Kosten waren mehrmals weitaus höher als die Einnahmen. Nach Streitigkeiten und Schuldzuweisungen löste sich das Organisationskomitee auf.

Im Jahr 2000 übernahm der Verein Tradition und Kultur für das Amtsgebiet Plessa unter Leitung von Ruth Penther den Vorsitz des Organisationskomitees. Förderverein und Vereinsvertreter aus Plessa nahmen die gemeinsame Organisation des Mühlenfestes wieder auf. Immer wieder war die Ausstellungshalle mit ihren historischen Landwirtschaftsgeräten eine Bereicherung. Leider ist davon nichts mehr übrig.

Beim 20. Jubiläumsmühlenfest in Plessa wurde auch wieder alte Bekleidung und alte Technik demonstriert.
Beim 20. Jubiläumsmühlenfest in Plessa wurde auch wieder alte Bekleidung und alte Technik demonstriert. FOTO: Veit Rösler

Ab 2009 kam es zu einer Neuauflage des Mühlenfestes durch den Kulturverein. Ob es ein 21. Mühlenfest und weitere Veranstaltungen an der Elstermühle geben wird, ist derzeit noch unklar. „Wir haben mit einem exorbitanten Arbeitsaufkommen zur Vor- und Nachbereitung des Mühlenfestes und dazu mit immer älter werdenden und weniger Mitstreitern zu kämpfen, die einfach die Organisation nicht mehr schaffen“, erklärt Hauptorganisatorin Claudia Drews. Aus den Reihen des 28 Mitglieder starken Kulturvereins helfe ein harter Kern beim Auf- und Abbau des Festgeländes. Weil viele davon auch noch in anderen Vereinen mitmachen, können sie auch noch andere Helfer mobilisieren, so zum Beispiel vom Karnevalsverein, von den Fußballern und vom Kleintierzuchtverein.

Durch den Wegfall von Lagermöglichkeiten muss die Festgeländeausstattung derzeit mit einem exorbitanten Aufwand zwischen Kulturhaus und Elstermühle und noch dazu mit Privatfahrzeugen kutschiert werden. Daher schwelt der Gedanke, durch Rückbau alternativ unmittelbar am Kulturhaus ein Volksfest zu veranstalten.

„Das wäre jammerschade, denn das Mühlengelände ist optimal geeignet und es besitzt ein Alleinstellungsmerkmal. Wir wollen optimistisch in die Zukunft blicken, müssen aber auch realistisch sein. Wir werden uns nach dem Mühlenfest zusammensetzen müssen. Alleine schaffen wir das einfach nicht mehr“, lässt Lothar Thieme vom Kulturverein am Rande des Festes durchblicken.

20. Jubiläumsmühlenfest in Plessa FOTO: Veit Rösler