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Wahrenbrück - kleines, feines Städtchen

Die vorzeigbare Kita in Wahrenbrück: Mit den Kleinen im unentbehrlichen Sechssitzer aus DDR-Zeiten geht Erzieherin Manuela Pabst gern spazieren.
Die vorzeigbare Kita in Wahrenbrück: Mit den Kleinen im unentbehrlichen Sechssitzer aus DDR-Zeiten geht Erzieherin Manuela Pabst gern spazieren. FOTO: Manfred Feller
Wahrenbrück. In der Mini-Stadt an der Elster lässt es sich leben und auch arbeiten. Es ist viel geschaffen worden. Doch das Geld für weitere Investitionen ist knapp. Manfred Feller

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Nächste Woche feiert Wahrenbrück "1000 Jahre Brücken". Ein wenig Schmuck angelegt, und das nur rund 560 Einwohner zählende Städtchen ist gut vorbereitet für das große Fest. Denn auch ansonsten präsentiert es sich vorzeigbar - mit guter Infrastruktur von Kita, Schule, Pflegeheim bis Einkauf und medizinischer Versorgung, vielen Arbeitsplätzen, schicken Grundstücken und gepflegten öffentlichen Anlagen. "Wir haben zwar wenig Einwohner, aber mehr zu bieten als andere Orte", sagt Ortsvorsteher Kurt Tranze nicht ohne Stolz.

Allerdings seien die Zeiten für Investitionen nicht besser geworden. "Als Flächengemeinde sind wir gegenüber den kompakten Städten benachteiligt. Wir tragen immense Kosten. Hier ist das Land gefragt", legt er den Finger in die größte Wunde. Denn die Stadt Uebigau-Wahrenbrück zähle nicht weniger als 21 Ortsteile, habe zum Beispiel 16 Ortswehren zu finanzieren und viele andere Pflichtaufgaben.

Da bleibt wenig übrig für Extrawünsche. In Wahrenbrück ist der Springbrunnen sanierungsbedürftig, die Friedhofsmauer muss angefasst werden (Sache der Kirche), das alte Rathaus ist weiter auszubauen. Gegenwärtig entstehen dort Trauzimmer und Sanitärbereich.

Die ausgewiesenen Überflutungsflächen hemmen den Bauwillen. "Das ist ein Horror für unser ganzes Stadtgebiet", baut der Ortsvorsteher auf eine schrittweise Rücknahme der Einschränkungen.

Das Geld für einen langen Abschnitt des teuren Radweges an der B 101 hätte sich der Landesbetrieb sparen können, kritisiert er weiter. Dieser Radweg hätte über einen etwa 650 Meter langen Lückenschluss mit dem Asphaltweg auf dem Elsterdeich verbunden werden sollen - weit weg von den Abgasen der Fahrzeuge und hin zum Kleinen Spreewald mit der Aufenthaltsinfrastruktur. Der Ortsvorsteher bleibt an dem Thema dran.

Lieber ist es ihm jedoch, das zu zeigen, was geschaffen worden ist. Zum Beispiel die idyllisch im Park gelegene kommunale Kindertagesstätte. Herrlich sieht sie aus. "Darum beneiden uns viele", versichert Leiterin Ramona Roth aus Marxdorf. Die neun Erzieherinnen betreuen 75 Kinder. 80 Plätze stehen zur Verfügung. Neue Anmeldungen liegen vor. 2019 feiert die fast durchsanierte, naturorientierte, bereits bundesprämierte Kita 40-jähriges Bestehen.

Reichlich zu tun ist dagegen an der Grundschule. "Seit deren Eröffnung 1986 ist daran nicht viel getan worden", bedauert Kurt Tranze. Seitdem klar ist, dass der Standort Uebigau unter dortigen Protesten zum Schuljahresende schließen muss, herrscht Gewissheit und es soll weiter investiert werden. Darauf baut auch Schulleiter Reno Wolschke. Die entgegen ursprünglicher Prognosen ohnehin schon gestiegene Schülerzahl wird sich von jetzt 157 auf 200 bis 210 erhöhen. "Dann sind wir sehr gut ausgelastet", sagt er.

Über einen Mangel an Zuspruch muss auch Marleen Mirbach nicht klagen. Die Tochter des letzten Müllermeisters, der vor vier Jahrzehnten die Kahnfährtradition in Wahrenbrück mitbegründet hat, führt immer öfter Besuchergruppen durch die denkmalgeschützte Mühle (Telefon 035341 94120). Diese ist eine noch voll funktionstüchtige, aber ruhende Schauanlage. Einfach sehenswert! Nach dem bestens besuchten Mühlentag gibt es weitere Höhepunkte: die Mühlennacht am ersten Freitag im September und den "Kleinen Mühlenadvent" am 2. Advent.