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Wahrenbrück feiert 1000 Jahre Brücke

Der Vorbereitungsstab 1000 Jahre Brücke bei Wahrenbrück mit der Vorsitzenden Kornelia Pösch an der Spitze ist gestern extra fürs Gruppenfoto an die Elster gekommen: Kurt Tranze, Stefan Dorn, Detlef Kloppe, Reiner Kessel, Daniela Wagner, Bernd Müller, Ramona Nagl, Steffen Höppner und Christian Rothe (von links). Das Programm macht Lust auf eine große Feier.
Der Vorbereitungsstab 1000 Jahre Brücke bei Wahrenbrück mit der Vorsitzenden Kornelia Pösch an der Spitze ist gestern extra fürs Gruppenfoto an die Elster gekommen: Kurt Tranze, Stefan Dorn, Detlef Kloppe, Reiner Kessel, Daniela Wagner, Bernd Müller, Ramona Nagl, Steffen Höppner und Christian Rothe (von links). Das Programm macht Lust auf eine große Feier. FOTO: Frank Claus
Wahrenbrück. Wir schreiben das Jahr 1017. Zwischen polnischen Herzögen und deutschen Landesherren ist die Region zwischen Elbe und Elster hart umkämpft. Mona Claus

Die Polen dringen von der Spree über die Gebiete an der Schwarzen Elster bis zur Elbe vor und entführen Bauern. Der deutsche Feudalstaat treibt hier den Landesausbau voran, gründet Dörfer und Städte. Das ist nicht alles, was Ralf Uschner, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kreismuseum Bad Liebenwerda, über jene bewegte Zeit herausgefunden hat. Aus Dokumenten weiß er: In jenem Jahr 1017, also vor genau eintausend Jahren, ist der polnische Herzog Boleslaw Chrobry vom deutschen König Heinrich II., der drei große Kriege (Polenkriege) und mehrere kleine Feldzüge gegen Boleslaw erfolglos führte, an eine Brücke an der Schwarzen Elster gebeten worden, um zu verhandeln. Boleslaw kam der Aufforderung zwar nicht nach - dokumentierte aber so die schriftliche Ersterwähnung der Schwarzen Elster. Der Fluss ist freilich viel älter, in der Saale-Eiszeit entstanden. Boleslaw ist in Polen heute noch allgegenwärtig - unter anderem auf dem 20-Zloty-Schein.

1000 Jahre Brücke an der Schwarzen Elster, das wollen die Wahrenbrücker in diesem Jahr kräftig feiern. Längst sind die Mitglieder des Vorbereitungsstabes unter Leitung von Kornelia Pösch intensiv bei der Arbeit. Dabei hat Wahrenbrück vor 1000 Jahren vermutlich nicht nur eine Brücke gehabt. Die Elster war dort damals ein weitverzweigtes Flusssystem. Sieben größere Gräben und Flüsse schlängelten sich nach heutigen Erkenntnissen um die Siedlung.

Für Detlef Kloppe, sonst der Fleischermeister im Ort, steht fest: "Dann hat es garantiert auch sieben Brücken gegeben. Also liegen die Wurzeln des bekannten Karat-Songs ,Über sieben Brücken musst Du gehen` auch bei uns." Er lacht und freut sich über seinen Gag.

Das Brückenfest wollen die Wahrenbrücker ein ganzes Wochenende lang - vom 23. bis 25. Juni - feiern. Viel ist in Planung im Bereich zwischen Schwarzer Elster-Brücke und der Holzbrücke über die Kleine Elster im Park. "Wir hoffen, dass dann endlich die immer noch im Bau befindliche Straßenbrücke über die Kleine Elster fertig ist", sagt Heimatvereinsmitglied Reiner Kessel.

Schon seit November 2015 wird am Konzept des Brückenfestes, das am 23. Juni mit einer Festveranstaltung im Ratskellersaal eröffnet werden soll, gefeilt. Auch der Flügel soll dann endlich wieder mal erklingen und den Kirchenchor bei seinem Auftritt begleiten. Am Sonnabend und Sonntag soll sich das Treiben eher in Elsternähe abspielen. Verschiedene Angebote am Samstag könnten sich für Besucher bis zum Tiergehege ziehen. "Wir wollen gerne auch Geschichte aufleben lassen", erzählt Reiner Kessel und denkt dabei an Fürst Boleslaw, auch Boleslaw der Grausame genannt, und anderen Figuren aus der Zeitgeschichte. An Kinder und Familien ist für den Samstag gedacht - die Hortkinder der Grundschule "Erich Schindler" planen, in Form des Erzähltheaters alte Wahrenbrücker Sagen wiederzugeben.

Wasserspiele, viel Musik und ein Feuerwerk stehen auf der Agenda. Die Stadt will sich auch Besuch aus den Partnergemeinden Sawatzki und Wadern einladen. Ebenso könnte nach derzeitigem Stand eine Brückenattrappe in Brand gesetzt und nach historischem Vorbild mit Eimern durch die Jugendfeuerwehr gelöscht werden. An allen Tagen werden besondere Fässer Bier aufgemacht - im Finsterwalder Brauhaus wird ein spezielles Festbier angesetzt. Einen Zollschein samt Siegel und Brückentaler wird es geben. Dem Wahrenbrücker Heimatverein fehlt es wahrlich nicht an Ideen, um dieses geschichtsträchtige Datum würdevoll zu feiern. Die Finanzen allerdings geben den Rahmen vor.

Eine Straße des Handwerks soll sich am Sonntag vom Graunplatz in Richtung Mühle ziehen. Davor wird es einen Gottesdienst am Ufer der Schwarzen Elster geben.

Noch soll nicht alles verraten werden. Einwohner, die sich gern an den Festvorbereitungen beteiligen möchten, sind eingeladen, zur nächsten Sitzung am 2. März dabei zu sein.

Zum Thema:
Im neuen Heimatkalender für die Region Bad Liebenwerda macht Ralf Uschner vom Kreismuseum Bad Liebenwerda auf die 1000 Jahre alte Brückengeschichte bei Wahrenbrück besonders aufmerksam. Er ist es auch, der das Juni-Wochenende sehr zur Freude des Wahrenbrücker Heimatvereins mit einem Festvortrag am 23. Juni um 19.30 Uhr im Ratskellersaal einleiten wird. "Ralf Uschner hat schon einmal zum Ursprung von Wahrenbrück Bemerkenswertes zu erzählen gewusst und das mit alten Aufnahmen untermalt", erzählt Reiner Kessel von einer "sehr spannenden und unterhaltsamen Veranstaltung". Ralf Uschner hat aufgedeckt: Die Funde slawischen Ursprungs nach zahlreichen archäologischen Grabungen in der hiesigen Elster-Niederung lassen darauf schließen, dass die besagte Brücke, an der nie um den Frieden verhandelt wurde, bei Wahrenbrück im Elbe-Elster-Land gestanden haben muss.

Der 20-Zloty-Schein mit dem Bildnis von Boleslaw.
Der 20-Zloty-Schein mit dem Bildnis von Boleslaw. FOTO: arsdigital/Fotolia