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| 20:13 Uhr

Zeischas Pfefferzüchter macht auf Wacholder
Roland Graeffs neue Schnapsidee

Baumschulgärtner Roland Graeff aus Zeischa mit Wacholder. Pflanzen und Beeren kommen gerade wieder in Mode.
Baumschulgärtner Roland Graeff aus Zeischa mit Wacholder. Pflanzen und Beeren kommen gerade wieder in Mode. FOTO: Mona Claus / LR
Zeischa. Zeischas Baumschulgärtner stellt sich auf den Gin-Hype ein und entdeckt seinen alten Wacholder. Von Mona Claus

Lecker, dieser samtig-weiche Selbstgebrannte, frisch der Obstwein aus Früchten aus dem eigenen Garten, bemerkenswert der hauseigene Fruchtlikör. Aber sind diese mehr oder minder hochprozentigen Spezialitäten noch im Trend? Wo doch gerade ein regelrechter Spirituosen-Hype um das Wacholdergetränk Gin entbrennt?

Nicht nur dabei, sondern mittendrin ist als Trendsetter wieder einmal der „Elbe-Elster-Pückler“, wie Gartenfreunde und selbst manche Berufskollegen liebevoll den Baumschulgärtner aus Zeischa (Elbe-Elster) nennen. Kein Wunder, Roland Graeff, Inhaber der gleichnamigen Baumschule im Bad Liebenwerdaer Ortsteil, hat vielerorts seine Handschrift hinterlassen: in Sanssouci in Potsdam, im Pückler-Park in Bad Muskau, im Rosengarten in Forst, im Saxdorfer Pfarrgarten. Als Pfefferzüchter hat er gerade auf der Grünen Woche in Berlin für Furore gesorgt – und jetzt eine Schnapsidee? Graeff lacht: „Kunden sind an mich herangetreten und wollten mehr über Wacholder und seine Verarbeitungsmöglichkeiten wissen. Das hat mich neugierig gemacht.“

Schnell ließ der Gärtner seinen Pflanzenbestand Revue passieren und stellte fest, dass da noch einige struppige Gewächse mit reichlich Fruchtansatz in der privaten Pflanzenschatzkammer vor sich hindümpeln. Vor zehn Jahren waren sie für eine Bepflanzung in Fürstlich Drehna gedacht. Inzwischen sind sie aus ihren zu klein gewordenen Töpfen auf das freie Feld umgesetzt worden – als Windschutz und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Elbe-Elster-Szechuan-Pfeffer.

Spitzbübisch lächelt Roland Graeff, wenn er erklärt, dass die weibliche Pflanze ihre Zeit braucht und ohne das männliche Gewächs keine Weiblichkeit zu erkennen sei ... „Wie im wahren Leben“, hört man ihn laut denken. Die Zierformen sind meist männlich und gedeihen säulenförmig in Heidegärten. Häufig werden Wacholdergewächse, sie stehen unter Naturschutz, als Windschutz gepflanzt. Das Interesse für dieses Gewächs sei ständig wechselnd, meint der „EE-Pückler“, da komme so eine Schnapsidee gerade recht. Derzeit gehöre es zum guten Ton, das traditionsreiche Wacholderdestillat lecker zu finden, weiß der Pflanzenfachmann.

Ob Genever oder Gin – beide Begrifflichkeiten rühren von der lateinischen Bezeichnung für den Wacholder her. Ersterer erfunden, um als Wundermittel für Magen-Darm-Beschwerden zum Einsatz zu kommen, Zweiterer steht für Glück und Heimatgefühl.

Übrigens Queen Mum war Fan des Wacholderschnapses. Ebenso soll auch Queen Elisabeth II einem guten Gin nicht abgeneigt sein, ist in verschiedenen Publikationen nachzulesen. Gin gibt es nicht nur trocken und aufrichtig, auch fruchtig, blumig, würzig, herb und sogar in süßlicher Form. Bei Tastings ist er als neuester Trend fast immer zu entdecken. Auf einschlägigen Internetseiten ist mehr über die Gin-Herstellung zu lesen. Laut Definition in der EU Spirituosenverordnung besteht Gin aus einem Neutralalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs (beispielsweise Korn oder Wodka), der mit Wacholder und anderen Gewürzen versetzt wird. Gin hat also mindestens zwei Zutaten: den Alkohol und die Beeren der Wacholder. Um den typischen Geschmack zu erzielen, gibt es gängige Verfahren. Die zerkleinerten und gepressten Wacholder-Beeren werden dem kalten Alkohol zugesetzt, gut gelagert und dann ausgefiltert (Mazeration).  Das Ganze kann in der Heißvariante auch bei 70 Grad passieren (Digestion). Und veredelt wird auch, in dem die Beeren in einem Sieb über der Brennblase gelagert werden. Während der Destillation steigt der Alkoholdampf nach oben und wird von den Pflanzenbestandteilen aromatisiert (Perkolation).

Wacholder ist neben Neutralalkohol eine Zutat für einen guten Gin.
Wacholder ist neben Neutralalkohol eine Zutat für einen guten Gin. FOTO: Mona Claus / LR

Wacholder wurde übrigens 2002 zum Baum des Jahres gekürt und kann sehr alt werden. Experten gehen von einer Lebensdauer von bis zu 600 Jahren aus. Und obwohl es bisher noch immer an verbrieften Beweisen fehlt, lasse es sich wohl nicht komplett abstreiten, dass die Beeren eine gesundheitsförderliche bzw. heilsame Wirkung entfalten. „Verdauungsstörungen lindert Gin bestimmt“, ist Graeff überzeugt.