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| 02:41 Uhr

Von wilden Mopedzeiten und der Zeit nach der Politik

Anja Heinrich und Christian Heinrich-Jaschinski stellten sich den Fragen von Moderatorin Courtina Türke (Mitte) und denen aus dem Publikum beim 3. "Kleinstadtgeflüster" in Finsterwalde.
Anja Heinrich und Christian Heinrich-Jaschinski stellten sich den Fragen von Moderatorin Courtina Türke (Mitte) und denen aus dem Publikum beim 3. "Kleinstadtgeflüster" in Finsterwalde. FOTO: T. Pötzsch/top1
Finsterwalde. Sie wird immer beliebter, die kleine Plauderrunde unter dem Namen "Kleinstadtgeflüster" in Finsterwalde. Bekannte Personen der Stadt und Region sind dabei zu Gast. Torsten Pötzsch / top1

Bis auf den letzten Platz war am Vorabend des "Tages der Deutschen Einheit" die Finsterwalder "Vetternwirtschaft" belegt. Hotelierfamilie Scholz und Freizeitmoderatorin Courtina Türke luden zum dritten "Kleinstadtgeflüster". Zu Gast waren Landrat Christian Heinrich-Jaschinski nebst Frau, der Landtagsabgeordneten Anja Heinrich (beide CDU) .

Nach einem Drei-Gänge-Menü und einem guten Tropfen Wein stellten sich beide den Fragen des Publikums. Umrahmt wurde die kleine Talkshow, die mit ihrer dritten Auflage längst im "inoffiziellen" Kulturkalender der Sängerstadt angekommen ist, vom Mann an der Gitarre, Jonas Gallin.

Moderatorin Courtina Türke hatte sich, dank des Internets, bestens vorbereitet. Doch das Publikum war gefragt und wurde mittels kleiner Fragezettel voll in das Gespräch integriert. "Alles ist erlaubt und am Ende wollen wir mehr von den Menschen Heinrich und Heinrich-Jaschinski wissen und nicht von den Politikern und dem Verwaltungsexperten", so ihr Anspruch.

Das Vorhaben ging auf. Familienrituale, Hobbys, persönliche Träume und Vorhaben, Hochzeit und der ganz normale Alltag zwischen Schreib- und Küchentisch, die Gäste waren neugierig und das Paar Heinrich-Jaschinski plauderte, als würde es im Freundeskreis sitzen. Da gab es dann auch schon einmal ein Liebesgeständnis von Anja Heinrich an ihren Mann, den sie selbst als "etwas schüchtern" charakterisierte.

"Schüchtern" war aber gestern, der Landrat fühlte sich sichtlich wohl und war um keine Antwort verlegen. Nur bei der Spontanaufforderung, einen Witz zu erzählen, tat er sich etwas schwer. Natürlich war die Hochzeit der beiden Protagonisten, die zehn Monate zurückliegt, auch ein Thema und heraus kam, "dass man sich schon aus alten, wilden Mopedzeiten kennt" und sich "später wiedergefunden hat." Beide, und das war sicht- und spürbar, sehen dies als Glücksfall, "denn wir ticken beide gleich und haben den gleichen Humor."

Für Jonas Gallin die Gelegenheit, Ute Freudenbergs "Jugendliebe" anzustimmen. Bereits bei der zweiten Strophe sang die ganze "Vetternwirtschaft", allen voran die Talkgäste.

Bei all dem Spaß und der persönlichen Note, es gab auch durchaus ernsthafte Fragen. Wie die nach einer möglichen Kreisfusion mit den Landkreisen Dahme-Spreewald oder Oberspreewald-Lausitz, und wo sich der Landrat dabei sieht. "Ich weiß nicht wann, ich weiß nur, dass was passieren wird. Ich denke, unser Landkreis ist stark, wir sollten uns selbstbewusst geben. Ich bin bis 2018 gewählt und werde bis dahin alles, was in meinen Kräften steht, für unseren Landkreis tun. Bange ist mir dabei nicht, wir stehen gut da."

Beim Thema Zukunft und der "Zeit nach der Politik" gaben sich beide dann gemeinsam durchaus optimistisch. "Ich weiß", erklärte Anja Heinrich, "alles hat ein Ende, auch ein Leben als Politikerin. Ich habe zwar noch keine konkreten Pläne, man macht aber so viele Erfahrungen, lernt so viele Menschen kennen, da gibt es immer Möglichkeiten." Schmunzelnd, aber durchaus ernsthaft, meinte der Landrat: "Ich würde gern im Alter Schafe züchten oder eine Kirschplantage bewirtschaften und ganz viel Zeit mit der Familie verbringen."

Mehr als eine Stunde plauderten der Landrat und die Landtagsabgeordnete "aus dem Nähkästchen" und dem Berufs- und Familienleben. Die Zeit verging wie im Fluge. Nach dem offiziellen Ende war aber noch lange nicht Schluss, beide mischten sich unter die Gäste und das Gespräch ging in kleineren Kreisen weiter.

"Ich fand es toll", so Anja Heinrich am Ende auf Nachfrage. "Wir Politiker sind auch nur Menschen und diese Form des Gesprächs ist mir die liebste. Hier reden wir auf Augenhöhe und es wird nicht alles auf die Goldwaage gelegt."