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Von der Schule direkt in die Lehre

Die Schulabgänger der Bad Liebenwerdaer Reiss-Oberschule können sich glücklich schätzen: Schon vor den Prüfungen wissen viele von ihnen, wie es nach der Schule weitergeht und welchen Berufsweg sie einschlagen werden.
Die Schulabgänger der Bad Liebenwerdaer Reiss-Oberschule können sich glücklich schätzen: Schon vor den Prüfungen wissen viele von ihnen, wie es nach der Schule weitergeht und welchen Berufsweg sie einschlagen werden. FOTO: mcl1
Bad Liebenwerda. Nur noch wenige Wochen und für viele Schüler der Klassenstufen 10, 12 und 13 bricht nach Kindergarten und Schule ein weiterer neuer Lebensabschnitt an. Ausbildung und Studium stehen an. Mona Claus / mcl1

Der Weg nach der Schule führt die jungen Menschen zum Studium, in ein freiwilliges soziales Jahr, zum Sprachenlernen als Au Pair oder als Bagpacker ins Ausland oder geradewegs in die Berufsausbildung. So auch für die 50 Schüler aus der Oberschule "Robert Reiss" in Bad Liebenwerda.

Anfang Mai stehen die schriftlichen Prüfungen in Mathematik, Deutsch und Englisch auf dem Plan. Mitte Juni sind Einzelprüfungen im Fach Englisch. Fast die Hälfte der Schüler hält bereits vor diesen Tests einen unterschriebenen Lehrvertrag in den Händen. 15 andere Schüler haben sich für das Abitur und damit für drei weitere Schuljahre am Oberstufenzentrum entschieden. Diese Bilanz freut Lehrer wie Schüler gleichermaßen.

Lukas (17) wollte eigentlich Garten- und Landschaftsbauer werden und hatte auch schon eine Zusage aus Berlin. Er musste absagen, weil die Wohnungsmieten einfach zu hoch seien. Beim Steinmetzunternehmen Bötig in Prieschka bekommt er wohl eine Chance. Etwa 15 Bewerbungen hat Franziska (16) geschrieben. Ihr Ausbildungsort ist jetzt Finsterwalde. Bei der Stadtverwaltung kam sie an. Nach einem Probearbeiten hofft auch Emely (15), schon bald ihre Lehre als Drogistin bei der Drogeriekette DM in Elsterwerda beginnen zu können. Jonas (16) startet ab August in seinen Traumberuf als Industriemechaniker bei Vormann in Elsterwerda. Sieben Bewerbungen hatte der junge Mann vorab verschickt. Gleich mit der zweiten Bewerbung kam Dominic (17) an. Er lernt bei der Pro Civitate in Elsterwerda den Beruf des Altenpflegers. Seine Zukunft sieht er aber in der Intensivpflege.

Auch Mahmoud (18) aus dem Libanon, der seit gut einem Jahr in der Oberschule lernt, kann bereits einen unterzeichneten Lehrvertrag vorweisen. Nach einem Praktikum und Ferienarbeit beginnt er schon bald eine Berufsausbildung zum Lebensmitteltechniker bei Bauer Fruchtsaft in Bad Liebenwerda. Jona (15), Christiane (16) und Susann (16) streben das Abitur an, zum einen weil sie wissen, dass sie einmal studieren möchten, und zum anderen, weil ein klarer Berufswunsch noch nicht formuliert ist.

Die meisten Jugendlichen ziehen die Heimat vor. Nicht nur, weil die Kosten mitunter das schmale Budget des Lehrlingsentgeltes überschreiten. Ein guter Grund sei ebenso, weil auch hier in der Region Fachkräfte gebraucht werden, warum also von den Freunden und der Heimat Abschied nehmen, so der O-Ton einiger Schulabgänger der Oberschule "Robert Reiss". Als Hörgeräteakustiker, KFZ-Mechatroniker, Tierwirt, Schornsteinfeger, Kaufleute und medizinische Fachangestellte, Landwirte, Bauzeichner und Elektroniker bleiben sie der Region erhalten.

Die Klassenlehrer Andrea Gork und Klaus Schienbein wie auch Schulsozialarbeiterin Ramona Leipold sind sich sicher, dass auch die letzten zehn Schüler ihre Bewerbungsphasen mit einer Zusage durchlaufen werden. "Es ist ein guter Jahrgang", schwärmt Andrea Gork. Die Grundlagen für einen erfolgreichen und gleitenden Übergang hat die Schule gelegt. Ramona Leipold zeigt auf - neben dem in drei Berufsfelder aufgeteilten berufsfeldorientierten Unterricht, sind es die Zukunftstage in Klassenstufe Sieben und Acht, aber auch die Praktika in der 9. und 10. Klasse, die helfen, eine Berufsrichtung auszumachen. Unterstützung geben ein intensives Bewerbungstraining, das Projekt "Komm auf Tour" und der Besuch im BIZ (Berufsinformationszentrum). "Ich denke, wir sind mit dem Angebot unseres berufsfeldorientierten Unterrichts einmalig im Elbe-Elster-Kreis", erklärt Ramona Leipold selbstbewusst. "Einblicke erhalten die Jugendlichen in die drei Berufsfelder Naturwissenschaft/Technik, Hauswirtschaft/Soziales und Wirtschaft/Verwaltung. Dabei bieten wir ihnen die Möglichkeit, ausbildungsrelevante Kompetenzen zu entwickeln, was ihnen bei der individuellen Berufsfindung hilft, wie man sieht."

Zum Thema:
Jugendliche, die noch keinen Ausbildungsvertrag sicher haben, denen vielleicht noch Orientierung fehlt oder die Hilfe benötigen, lädt die Arbeitsagentur vom 27. bis 31. März zur Woche der Ausbildung ein. Ohne vorherige Terminabsprache ist es möglich, während der Öffnungszeiten die Beratung durch die Mitarbeiter im Arbeitgeberservice für sich zu nutzen. Eine Beratung ist mit und ohne Eltern möglich.