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| 02:46 Uhr

Vom Kuhstall in die Remise

Finsterwalde. Eins von nur drei Feuerwehrmuseen im Land Brandenburg ist am Sonntag in Finsterwalde neu eröffnet worden. Zahlreiche Besucher kamen in die ehemalige Remise der früheren Fabrikantenvilla in der Geschwister-Scholl-Straße und bestaunten vor allem das Schmuckstück der Ausstellung: eine alte Handdruckspritze aus dem Jahre 1881. Dieter Babbe

"Vermutlich ist die Spritze sogar noch älter", meint Hans-Dieter Unkenstein - zusammen mit Karl Günthermann und Hans-Joachim Petrick vor mehr als 40 Jahren einer der Gründungsväter des Feuerwehrmuseums. "Wir haben die Spritze, die in Herzberg gebaut worden ist, zu unserer 100-Jahr-Feier im Jahre 1972 von der Birkwalder Wehr geschenkt bekommen", erinnert sich Unkenstein an das Feuerwehrjubiläum. Zusammen mit einem alten Wasserfass aus der Zeit um 1900 war das der Grundstock für eine Sammlung, die inzwischen eine unbekannte Zahl Exponate hat. Das alte Museum im Vorderschloss platzte mit den Jahren völlig aus den Nähten. Museale Gegenstände mussten schon zu DDR-Zeiten immer wieder an verschiedenen Orten verstaut werden, so unter anderem auch in einem früheren Kuhstall in Ponnsdorf und in einer ehemaligen Tischlerei in Nehesdorf, berichtet Hans-Dieter Unkenstein.

Vieles, wie die Uniformen und Gerätschaften aus der Zeit zwischen 1933 und 1945, kann im neuen Museum erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden. "Und dennoch können wir nur einen Bruchteil von dem, was wir haben, zeigen", sagt Henri Sickora, der neue Museumsleiter. Die gesamte Kleiderkammer mit historischen Uniformen ist weiterhin in der früheren Grundschule am Langen Damm untergebracht. Exponate sind auch in der früheren Schulspeisung der Nehesdorfer Grundschule gelagert. "Im neuen Museum, das nicht nur mehr Fläche bietet, können wir die Exponate besser präsentieren, als das im Vorderschloss möglich war", erklärt Sickora.

So sollen im Obergeschoss, das noch nicht fertig eingerichtet ist, vor allem historische Dokumente in Wort und Bild ausgestellt werden. "Dazu fehlen uns noch die Vitrinen, die wir aber Dank der Stadt anschaffen konnten", würdigt der Museumsleiter. Die Stadt hatte sich das neue Feuerwehrmuseum fast eine halbe Million Euro kosten lassen. Ein Umzug in die denkmalgeschützte Remise der früheren Villa des Holzfabrikanten Georg Krause wurde notwendig, um Platz für einen neuen Bürgerservice der Stadtverwaltung zu schaffen, der in diesem Jahr im Vorderschloss eingerichtet werden soll. Die Villa selbst wird gegenwärtig von der Stadt umgebaut, hier sollen die Bibliothek und das Archiv einziehen.

Als i-Tüpfelchen im neuen Museum wünschen sich Feuerwehrhistoriker den Erhalt des alten Steigerturms, der seit 1928 auf dem Platz an der Doppelturnhalle steht. "Dieser Turm ist etwas ganz Besonderes. Er würde gut neben unser neues Museum passen - der Platz ist da", sind sich die Historiker einig. Die Stadt wollte den Turm ursprünglich abreißen - nach Protesten in der Fraktion Bürger für Finsterwalde ist dieser Plan zunächst gestoppt worden. Eine Entscheidung über die Zukunft des Steigerturms steht allerdings noch aus.

Das größte Problem in der Arbeitsgemeinschaft: "Uns fehlt der Nachwuchs. Die meisten Mitglieder sind über 70 Jahre alt." Um die Öffnungszeiten sonntags von 10 bis 12 Uhr sichern oder gar noch erweitern zu können, werden weitere Interessenten gesucht. "In der alten Ausstellung reichte eine Aufsicht, hier brauchen wir wegen der Unübersichtlichkeit zwei Aufsichtspersonen - und das bei nur zehn ehrenamtlichen Mitstreitern", verweist Hans-Dieter Unkenstein (78).

Die Neubesetzung der Leitung für das Feuerwehrmuseum war zunächst überschattet von Querelen in der Arbeitsgemeinschaft. Der ursprüngliche Leiter Mario Sanders trat nach nicht mal einem halben Jahr wegen Meinungsverschiedenheiten vom Ehrenamt zurück. Daraufhin hat Henri Sickora die Leitung übernommen - der 53-Jährige ist seit 1995 bei der Feuerwehr und engagiert sich für die Historik.