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Volltreffer: Das läuft wie das Brezelbacken

Auch Mario Gellert von der Alten Schmiede in Bad Liebenwerda sucht dringend Fachkräfte für die Saison. Wegen des Personalmangels musste der Gaststätteninhaber bereits einen zusätzlichen Ruhetag einlegen.
Auch Mario Gellert von der Alten Schmiede in Bad Liebenwerda sucht dringend Fachkräfte für die Saison. Wegen des Personalmangels musste der Gaststätteninhaber bereits einen zusätzlichen Ruhetag einlegen. FOTO: Frank Claus
Bad Liebenwerda. So viele Bewerber an einem Tag haben die Gastronomen selten: Mit einem Speed-Dating versucht die Agentur für Arbeit, den Personalmangel in der Gastronomie zu bekämpfen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind begeistert. Anja Brautschek

Kerstin Matausch vom Kräuterhof in Bönitz kommt kaum zum Durchatmen. Während des Speed-Datings der Agentur für Arbeit Bad Liebenwerda geben sich die Bewerber förmlich die Klinke in die Hand. Für die ausgebildete Kräuterfrau ist es ein Zeichen der Hoffnung.

Seit der Eröffnung ihres Gartencafés am 1. Mai 2015 sucht sie einen Koch sowie eine Servicekraft zur Verstärkung ihres Teams. Bislang ohne Erfolg. "Hier beim Speed-Dating habe ich bereits mit drei Bewerbern einen Termin zum Probearbeiten vereinbart", sagt Kerstin Matausch und ist mit diesem Ergebnis sichtlich zufrieden. Besonders der direkte Kontakt mit den Bewerbern gefällt ihr an dieser ungewöhnlichen Jobvermittlung. "Eine Mappe selbst ist nur wenig aussagekräftig. Gerade in der Gastronomie muss die Chemie stimmen", so die Gaststätteninhaberin.

Auch René Steudten vom Landhaus in Plessa ist von der Idee des Speed-Datings überzeugt. "Bei mehr als 20 Jahren Berufserfahrung bekomme ich schnell einen Eindruck davon, wer fähig ist", erklärt er. Positiv überrascht ist der Gastronom außerdem von der Vielzahl der Bewerber. 30 Arbeitnehmer stellen sich mit ihren Bewerbungsunterlagen vor. "Fast alle sind sehr motiviert", sagt René Steudten.

So wie Luisa Löffath. Die 18-Jährige beginnt im kommenden Jahr eine Ausbildung zur Hebamme. Bis dahin will sie zur Überbrückung in einem Mini-Job im Hotel- oder Gaststättengewerbe Arbeitsluft schnuppern. "Mir ist der Kontakt mit Menschen sehr wichtig, und ich möchte vor meiner Ausbildung noch etwas anderes kennenlernen", sagt sie. Sie sieht es als gute Alternative, in den kurzen Interviews direkt mit den Geschäftsführern in Kontakt treten und sich vorstellen zu können. Lange Bewerbungsphasen entfallen damit. Beide Seiten - Arbeitnehmer und Arbeitgeber - bekommen sofort ein Feedback und müssen nicht lange auf Antworten warten. Das gefällt auch Christian Pechtel. Der gelernte Koch und Hotelfachmann sucht seit zwei Jahren eine Festanstellung. "Hier bekomme ich sofort einen ersten Eindruck von meinem Gegenüber und merke, ob das mit meinen Vorstellungen übereinpasst", erklärt er. Selbst wenn sich kein Angebot ergebe, könne sich der Bad Liebenwerdaer vorstellen, an einem weiteren Speed-Dating teilzunehmen. "Die Idee ist einfach gut."

Auch die Agentur für Arbeit in Bad Liebenwerda denkt an eine Fortsetzung. "Wir sind bereits im Gespräch, so eine Aktion auch für Berufskraftfahrer und im Pflegebereich zu organisieren", sagt Teamleiterin Angela Voß. Von der positiven Resonanz sind auch sie und ihr Team überrascht. Ihr Ziel ist es, durch eine andere Bewerbungsstrategie Mensch und Arbeit zusammen zu bringen. Mit Erfolg. "Wir haben nicht damit gerechnet, dass so viele Probearbeit-Termine vereinbart werden", erklärt sie. Mit dem Speed-Dating reagiert die Agentur für Arbeit auf einen Artikel der RUNDSCHAU, der auf den Personalmangel in der Gastronomie aufmerksam machte. "Wir haben es als Hilferuf der Gastronomen angesehen und wollen nun unseren Anteil zur Bekämpfung des Problems leisten."

Zum Thema:
28 offene Stellen sind derzeit in der Hotel- und Gastronomie-Branche in Elbe-Elster gemeldet. Elf Mitarbeiter werden in Hotels gebraucht. Gaststätteninhaber suchen noch 17 Mitarbeiter. Am Speed-Dating in Bad Liebenwerda haben vier Arbeitgeber teilgenommen und 30 Bewerber kennengelernt. Zur gleichen Aktion in Finsterwalde kamen fünf Gastronomen und 35 Arbeitsuchende.

Beim Speed-Dating der Agentur für Arbeit sucht Kerstin Matausch passende Bewerber für ihren Kräuterhof. Hier ist sie im Gespräch mit Christian Pechtel.
Beim Speed-Dating der Agentur für Arbeit sucht Kerstin Matausch passende Bewerber für ihren Kräuterhof. Hier ist sie im Gespräch mit Christian Pechtel. FOTO: Anja Brautschek