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| 02:49 Uhr

Viel Leuchtkraft und ein Hauch Abschied

Die Gäste, darunter Bürgermeister Jochen Reinicke mit Ehefrau und der ehemalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf mit Ehefrau Ingrid, genossen den Abend der Vernissage mit Ingrid Moosdorf.
Die Gäste, darunter Bürgermeister Jochen Reinicke mit Ehefrau und der ehemalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf mit Ehefrau Ingrid, genossen den Abend der Vernissage mit Ingrid Moosdorf. FOTO: Karl
Gröditz/Haida. In einer Vernissage am Mittwochabend in Gröditz haben Familie, Freunde und Kunstliebhaber die Werke, aber vor allem das Leben von Heinz-Detlef "Moosi" Moosdorf gefeiert. Was sie nicht ahnten: Der Künstler aus Haida selbst lag zu dem Zeitpunkt im Sterben. Noch in der Nacht ist er friedlich eingeschlafen. Die Ausstellung in der Gröditzer Kulturscheune wird nun bis 14. November nicht nur Ort einer Ausstellung, auch der Erinnerung und Andacht sein. Corinna Karl

. "Glauben Sie an Gott", hat Jürgen Hoppe, Vorsitzender des Kulturvereins in Gröditz und Freund Moosdorfs, am Donnerstagmittag am Telefon die LR gefragt. Es könne kein Zufall sein. "Moosi ist am Mittwoch 22.10 Uhr, als wir in der Kulturscheune die Ausstellungseröffnung feierten, für immer eingeschlafen." Es sei eine Erlösung für den Künstler gewesen. Er habe nach einem erneuten Schlaganfall nicht mehr sprechen können und wurde künstlich ernährt.

"Wer ihn kannte, weiß, dass er kraftvoll und athletisch war. Zuletzt war er nichts mehr davon", fuhr Hoppe fort. Die Werke und die vielen Geschichten von und über Heinz-Detlef Moosdorf bleiben und werden ihre Leuchtkraft nicht verlieren. Am Montag hatte Ehefrau Ingrid bei den Vorbereitungen zur Vernissage gesagt, dass sich ihr Moosi über die Ausstellung freue, sie aber auch gemeinsam geweint hätten.

Am Mittwochabend waren mehr als 100 geladene Gäste, darunter das Ehepaar Biedenkopf, Elsterwerdas und Röderlands Bürgermeister, Künstler und Kulturschaffende aus Elbe-Elster aber auch viele Familienangehörige, wie Moosdorfs Tochter und Bruder, Ehefrau Ingrid und seine angeheiratete Nichte und Pianistin Olga Gollej nach Gröditz gekommen. Gollej spielte bezaubernde Stücke auf einem Klavier. Moosdorfs langjähriger Freund, Schriftsteller Rudolf Scholz, würdigte den Künstler in einer ausladenden Laudatio mit Anekdoten der Freundschaft, Versen und lobenden Worten.

Und stets schwang ein Hauch Wehmut und Trauer mit. "Wie gerne hätten wir Moosi in unserer Mitte gesehen", sagte Scholz zu Beginn seiner Rede und meinte, dass man kein besseres Datum für die Ausstellung hätte wählen können. Denn am 27. September habe sein Freund seinen 75. Geburtstag gefeiert. Scholz habe ihm bei seinem letzten Besuch auf der Geige vorgespielt. In Anekdoten blickte er in seiner Laudatio auf den Lebens- und Schaffensweg von Heinz-Detlef Moosdorf zurück. Der Werksvertrag im Stahlwerk Gröditz habe die Basis von finanziellen Sorgen freien Arbeitens gebildet und habe dem Künstler gleichzeitig die authentische Wirklichkeit der Arbeitswelt eröffnet - die auf Werken so eindrucksvoll berührt. Auch nachdem er in Ungnade gefallen war, habe er der Stadt nicht schmollend den Rücken gekehrt. Hier sei er verwurzelt, in Haida beheimatet. Der Abend war lang, die Gespräche intensiv. Erst am Morgen erfuhr Ingrid Moosdorf vom Tod ihres Liebsten.

Am 31. Oktober soll das Galeriegespräch noch einmal an den Künstler, Stahlwerker, den erfolgreichen Detektiv auf der Suche nach seinem gestohlenen Fahrrad und legendären Boxer des TSG Gröditz erinnern. Auch die offizielle Trauerfeier wird am 17. Oktober um 14 Uhr in der Kulturscheune stattfinden, inmitten seiner Werke, darunter das Bild "Stahlwerkerbrigade" wofür er den FDGB-Kunstpreis erhielt.