ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 08:46 Uhr

Emotionale Hilfe im Arbeitskampf
Ein Lied für den Protest der Zuckerwerker

 Südzucker Fabrik Brottewitz - das Schild vom Arbeitskampf 2009 bei Campina Elsterwerda - "Wir wehren uns! Keine Betriebsschließung!" wird an die Belegschaft der Zuckerfabrik übergeben. Es war der Auftakt für den Arbeitskampf.
Südzucker Fabrik Brottewitz - das Schild vom Arbeitskampf 2009 bei Campina Elsterwerda - "Wir wehren uns! Keine Betriebsschließung!" wird an die Belegschaft der Zuckerfabrik übergeben. Es war der Auftakt für den Arbeitskampf. FOTO: LR / Frank Claus
Brottewitz. Interessengemeinschaft Brottewitz verbreitet emotionales Video gegen die Schließung der Zuckerfabrik. Von Frank Claus

Für den Arbeitskampf ein Streiklied und ein Videoclip! „Südzucker, für viele hier so wichtig! Südzuckers Verlust wär’ drastisch schwer! Südzucker, Vergangenheit und Zukunft! Südzucker, ja Du gehörst hier her!“ heißt es im Refrain des Liedes, das Martin Oehmler, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Brottewitz geschrieben hat und das Enno Beck an der Gitarre mit weiteren Mitgliedern eingesungen hat. Im Video, hergestellt von Franziska Oehmler und Donnerstagabend ins Netz gestellt, zeigen fast 30 Frauen und Männer Schilder hoch, auf denen sie gegen die beabsichtigte Schließung der Zuckerfabrik in Brottewitz nach der nächsten Rübenkampagne protestieren. Es sind stellvertretend für viele die Gesichter der Region – Südzuckerwerker in ihrer Arbeitskluft, junge und ältere Leute. Alle haben irgendwie eine Beziehung zur Zuckerfabrik. Dazu Fotos vom Werk, aus dem Ort. Botschaft: Wenn Südzucker stirbt, stirbt eine Region.

Hergestellt hat das Video die Interessengemeinschaft. Vizechefin Nancy Weidner: „Viele wollen helfen, das ist jetzt alles sehr emotional hier.“

Die beabsichtige Schließung der Südzucker Fabrik will eine ganze Region nicht hinnehmen. 90 Arbeitsplätze im Werk sind gefährdet, zahlreiche Nachfolgebetriebe von Agrarunternehmen bis zu Speditionen, Handwerkern und Dienstleistern wären betroffen. In Brottewitz und der Mühlberger Region ist die Zuckerfabrik neben den Kiesförderern der letzte produzierende größere Betrieb. Der Arbeitskampf ist in vollem Gange.

 Die Südzucker-Fabrik in Brottewitz (Elbe-Elster, Stadtgebiet Mühlberg) steht vor dem Aus und soll nach jetzigen Plänen nach der Rübenkampagne 2019/20 schließen.
Die Südzucker-Fabrik in Brottewitz (Elbe-Elster, Stadtgebiet Mühlberg) steht vor dem Aus und soll nach jetzigen Plänen nach der Rübenkampagne 2019/20 schließen. FOTO: LR / Jens Berger

Protest vorm Werktor zu Wochenbeginn, Unverständniserklärung des Verbandes Sächsisch-Thüringischer Zuckerrübenanbauer am Dienstag, offener Protestbrief von Landrat und Kommunalvertretern am Donnerstag und jetzt noch ein Protestsong inklusive Video – die Zuckerrübenwerker aus Brottewitz erfahren in breiter Front Unterstützung.

Am Montag nächster Woche folgen eine Betriebsversammlung und ein Runder Tisch, bei dem Vertreter vom Werk, von Gewerkschaften und der Politik die Situation erörtern wollen. Für den 15. Februar hat die Interessengemeinschaft Brottewitz um „Fünf vor Zwölf“ zu einer Demonstration unter dem Motto „Wir machen uns eine Rübe“ aufgerufen.

Politik und Kommunalvertreter schalten sich ein. „Falkenbergs Bürgermeister Herold Quick hat uns im Auftrag der Kurstadtregion, zu der Bad Liebenwerda, Falkenberg, Mühlberg und Uebigau-Wahrenbrück gehören, in einer E-Mail bestärkt und uns die Unterstützung der Region zugesagt“, berichtet Nancy Weidner. Aus fast allein Parteien gäbe es ähnliche Signale.