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| 14:51 Uhr

Veterinäramt Elbe-Elster schreitet ein
Überfüllte Katzenwohnung in Elsterwerda aufgelöst

 Wie auf diesem Beispielfoto aus dem Tierheim Cottbus, so haben auch die 58 Katzen aus einer Wohnung in Elsterwerda ein vorübergehendes neues, besseres Zuhause erhalten.
Wie auf diesem Beispielfoto aus dem Tierheim Cottbus, so haben auch die 58 Katzen aus einer Wohnung in Elsterwerda ein vorübergehendes neues, besseres Zuhause erhalten. FOTO: lr / LR
Elsterwerda. Das Veterinäramt Elbe-Elster greift in Elsterwerda hart durch. 58 miserabel gehaltene Stubentiger werden aus einer Wohnung geholt und ins Tierheim gebracht.

Insgesamt 58 Stubenkatzen, die in einer 3-Raum-Wohnung in Elsterwerda gehalten wurden, haben Tierärzte des Veterinäramtes des Landkreises Elbe-Elster mit Unterstützung eines großen Tierschutzvereins aus tierschutzrechtlichen Gründen in dieser Woche in ein Tierheim gebracht.

Tiere vermehrten sich unkontrolliert

Ursprünglich hatten die Besitzer nur wenige nicht kastrierte Katzen besessen, informiert Kreissprecher Torsten Hoffgaard. Doch die Tiere vermehrten sich rasch und unkontrolliert. Offensichtlich seien die Halter selbst nicht in der Lage gewesen, diesem Zustand Einhalt zu gebieten, indem sie es versäumt hatten, Jungkätzchen abzugeben beziehungsweise erwachsene Tiere zu kastrieren. Auch schienen die Besitzer mit der Pflege und Versorgung so vieler Katzen letztlich physisch wie finanziell überfordert.

Ratschläge in den Wind geschlagen

Auflagen sowie Hinweise der Tierschutztierärzte des Veterinäramtes zur Reduzierung des Tierbestandes und zu Haltungsanforderungen hätten nicht gefruchtet. Als offensichtlich wurde, dass die Anzahl der Katzen durch die Besitzer aus eigenem Antrieb und auch mit Unterstützung nicht reduziert werden würde, blieb den amtlichen Ärzten für Tierschutz keine andere Wahl als die Wegnahme, heißt es weiter.

In dem Tierheim wurden die Katzen zunächst tierärztlich untersucht und werden, soweit dies erforderlich ist, behandelt, sterilisiert beziehungsweise kastriert, geimpft und bis zur Vermittlung artgerecht untergebracht.

Tiere verletzt oder krank

Dass die Wohnung nicht gut für die Katzen war, würden die tierärztlichen Untersuchungen zeigen. Die Katzen befanden sich zum großen Teil in einem mäßigen Pflegezustand. Alle hatten Flöhe. Zehn Katzen hatten gesundheitliche Probleme (Zahn- und Zahnfleischerkrankungen, Hautentzündungen, Ekzeme u. ä.). Auffällig war, dass bei 13 Tieren frische, aber auch schon vernarbte Biss- und Kratzverletzungen festgestellt wurden. Dies zeuge davon, dass es bei Auseinandersetzungen untereinander für die schwächeren Tiere wegen des Platzmangels keine Ausweichmöglichkeiten gegeben habe. Einige der Katzen seien unterernährt gewesen. Sie wurden wahrscheinlich an den Futternäpfen von den stärkeren Tieren verdrängt. Eine solche Haltung habe mit Tierliebe nichts zu tun. Deshalb sei das Auflösen dieser privaten Katzenhaltung alternativlos gewesen.

Bei dieser Aktion in Elsterwerda sei das Veterinäramt des Landkreises Elbe-Elster von Mitarbeitern eines renommierten Tierschutzvereins, von der Polizei und vom Sozialpsychiatrischen Dienst professionell unterstützt worden, heißt es abschließend.

Hintergrund

Katzen leben meist allein. Katzenmütter ziehen ihre Jungen allein groß. Bei der privaten Haltung von mehreren Katzen in der Wohnung sollten die Gruppen klein sein, und es müssen genügend Platz und ausreichende Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sein, damit sich die Tiere aus dem Weg gehen können, erläutert das Elbe-Elster-Veterinäramt. Permanent in der Wohnung gehaltene Katzen können ihr Revierverhalten nicht so ausleben wie Freigänger. Deshalb sind entsprechende Beschäftigungsangebote obligatorisch. Da Katzen sehr reinliche Tiere sind, ist mindestens eine Katzentoilette pro Tier erforderlich, was bei sehr vielen Tieren in einer kleinen Wohnung nur schwer machbar sei.

Können diese Haltungsbedingungen in der Wohnung nicht eingehalten werden, dann befinden sich die Tiere im Dauerstress. Dies führe zu Verhaltensstörungen und Krankheiten.

Um eine unkontrollierte Vermehrung der Wohnungskatzen zu verhindern, sollten diese kastriert werden oder nur Tiere eines Geschlechtes gehalten werden. Der Natur ständig freien Lauf zu lassen, sowohl den Bestand wie auch die Gefahr von Inzucht damit stetig zu vergrößern, habe nichts mit wahrer Tierliebe zu tun, sondern sei tierschutzwidrig.

Wer unerwünschten Katzennachwuchs bekommt, sollte die Kätzchen nach dem Absetzen im Alter von mindestens acht Wochen an andere Tierhalter abgeben. Wer dafür Unterstützung braucht, kann sich an Tierschutzvereine wenden, die beim Vermitteln helfen. Auch viele Tierarztpraxen bieten ihre Hilfe an.

(mf)