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| 17:32 Uhr

Ein Fall für das Veterinäramt in Elbe-Elster
Wenn Tiere im eigenen Dreck vegetieren

 Es ist schlimm genug, wenn Tiere unter derart unwürdigen Bedingungen gehalten werden. Manchmal wohnt der Halter nicht besser.
Es ist schlimm genug, wenn Tiere unter derart unwürdigen Bedingungen gehalten werden. Manchmal wohnt der Halter nicht besser. FOTO: Mind_Warp
Elbe-Elster. Das Veterinäramt in Elbe-Elster stellt bei jeder vierten der fast 300 Tierschutzkontrollen im Jahr einen Verstoß fest. Von Manfred Feller

Bei ihren Tierschutzkontrollen, 297 waren es im Vorjahr, sehen die Mitarbeiter des Veterinäramtes Elbe-Elster vorbildliche Haltebedingungen, aber auch Situationen, die ihnen das Herz bluten lassen.

So hatten sich Hundebesitzer im Altkreis Herzberg ein langes Wochenende gegönnt und in ihrer Wohnung zwei Tiere über Tage allein gelassen. Es war zwar Trockenfutter vorhanden, jedoch kein Wasser. Die Hunde bellten derart, dass dies Nachbarn den beruflichen Tierschützern meldeten. Im Notfall verschaffen sich die Kontrolleure auch ohne die Besitzer Zutritt zu den Tieren.

In anderen Familien, anscheinend ohne Kenntnisse der korrekten Haltung, waren Einzelhunde derart vernachlässigt und schlecht ernährt worden, dass sie mitgenommen werden mussten. „Ein Hund in einem erbärmlichen Zustand kam bei einer Tierärztin unter. Mindestens ein Hund wurde vor dem sicheren Tod gerettet. Das sind zwar Einzelfälle, die aber zunehmen“, weiß Amtstierärztin Ilona Schrumpf, Amtsleiterin im Amt für Veterinärwesen, Lebensmittelüberwachung und Landwirtschaft in der Kreisverwaltung Elbe-Elster.

Dann gibt es auch falsch verstandene Tierliebe. Dahinter stehen Menschen, die am liebsten jedes Geschöpf aufnehmen möchten. Sie halten sich für Tierschützer, leiden aber unter Umständen an der Animal-Hording-Krankheit. Ein Extrembeispiel aus dem Altkreis Finsterwalde sei ein Paar, bei dem 2018 in deren Neubauwohnung mehr als 50 Katzen gezählt worden waren.

„Diese Menschen fangen mit wenigen, nicht kastrierten Katzen an, die sich unkontrolliert vermehren“, so die Amtsleiterin. Spätestens, wenn der Geruch in die Wohnungen der Nachbarn dringt, werden die professionellen Tierschützer alarmiert. Es gebe auch Hundehalter mit vielen Tieren in den eigenen vier Wänden. „Wir geben dann Auflagen und nehmen bei akuter Gefahr auch Tiere weg. Die Halter sind leider nicht immer einsichtig“, erfährt Ilona Schrumpf ein   ums andere Mal  von ihren  Mitarbeitern.

Ein schwieriger Fall sei vor fast genau einem Jahr die Auflösung des Tierheimes in Herzberg wegen der dort herrschenden Bedingungen gewesen. Dutzende Tiere vegetierten dort vor sich hin, heißt es. Eine Hündin habe nur überleben können, weil sie noch am nächsten Tag operiert worden sei. Um entnommene Haustiere unterbringen zu können, muss sich die Behörde mittlerweile einen Tierschutzverein außerhalb des Landkreises suchen.

     Eine Quälerei: Wie auf diesem Beispielfoto werden auch in Elbe-Elster keineswegs alle Hunde artgerecht gehalten.
Eine Quälerei: Wie auf diesem Beispielfoto werden auch in Elbe-Elster keineswegs alle Hunde artgerecht gehalten. FOTO: My Life Graphic

Auch in gewerblichen Betrieben sei nicht immer eine gute Haltung anzutreffen. Tiere stehen dann im tiefen Mist, haben nicht gepflegte Klauen, sind krank oder verletzt und erhalten keine Hilfe. Die Problemhalter seien oftmals bekannt und müssen immer mal wieder mit einem amtlichen Besuch rechnen.

Hinter den fast 300 Tierschutzkontrollen mit 72 festgestellten Verstößen im Vorjahr steht dies: 73 Kontrollen in der Nutztierhaltung mit 16 Beanstandungen, 45 Kontrollen beim Ausstallen von Geflügel vor einem Transport, 56 Kontrollen vor dem Export von Großtieren wie Schweine, Rinder, Alpakas und Pferde sowie Kontrollen nach immerhin 123 Tierschutzanzeigen aufgrund angenommener Defizite bei der privaten Kleintierhaltung. Hierbei wurden in 30 Fällen Verstöße festgestellt. Die hohe Differenz erkläre sich zwischen dem, was Tierfreunde für richtig halten und was Veterinäre und Gesetz tatsächlich verlangen.

Ein Beispiel dafür seien die Anfang Januar auf dem alten Bahnhof bei Kahla abgestellten Pferde. Das Ruinenumfeld erregte die Gemüter, doch die Tiere waren gut versorgt.

Der beste Weg für eine Tierschutzanzeige sei, das Formular auf der Internetseite des Landkreises auszufüllen (der Pfad: www.lkee.de – Service & Verwaltung – Kreisverwaltung – Amt für Veterinärwesen ... – Sachgebiet Veterinärwesen – Tierschutz). Der Anzeigenerstatter bleibe anonym.

Der Tierschutz ist nur ein Arbeitsgebiet in dem Amt von Leiterin Ilona Schrumpf. Weitere sind die Tiergesundheit, die Tierseuchenbekämpfung, die Tierarzneimittelüberwachung, tierische Nebenprodukte (einst Tierkörperbeseitigung), die Lebensmittelüberwachung mit Fleischhygiene und Futtermittelüberwachung sowie die Landwirtschaft.

Diese Aufgaben teilen sich 32 Mitarbeiter. Darunter sind sieben Tierärzte, einschließlich der Amtstierärztin. Ein Tierarzt für die Lebensmittelüberwachung wird noch eingestellt. „Mit Blick auf die heutigen und künftigen Aufgaben sind wir gut, aber nicht sehr gut personell besetzt“, stellt Ilona Schrumpf fest.

Die Mitarbeiteranzahl relativiert sich sehr schnell beim Blick auf die Vielzahl der Tierhalter in Elbe-Elster. Es sind Tausende vom Hundebesitzer bis zum Rinderzuchtbetrieb. In der Übersicht der größeren Halter sieht es so aus: 31 Betriebsstätten (also Ställe, auch mehrere eines Betriebes) mit 55 bis 99 Rindern, 108 Betriebsstätten mit mehr als 100 Rindern, 20 Schweinehalter ab 100 Tiere, elf größere Geflügelbetriebe (mit Masthähnchen, -puten, Legehennen) und fünf Schafhaltungen.

Kontrolliert würden die Betriebe in unterschiedlichen Abständen. Es können Monate, aber auch Jahre vergehen. Kriterien sind zum Beispiel die Risikobewertung (wie hinsichtlich der Seuchengefahr) und frühere Beanstandungen. Milchbetriebe stünden jährlich auf der Liste.

Vor der Tür stehen die Veterinäre auch bei heimischen Tiertransportfirmen und fremden Fuhrunternehmen, die hier Vieh abholen. Stets zwei wachsame Augen haben die Kontrolleure beim Verladen von Nutz- und Schlachttieren für das Inland, für EU- und Drittländer. Und schließlich müssen auch alle anderen, die mit Tieren zu tun haben, mit einem Behördenbesuch rechnen. Dazu gehören unter anderem Tierpensionen, gewerbliche Züchter, Zirkusbetriebe, Kutschenführer und Reitbetriebe. Über einen Mangel an Arbeit müssen die Mitarbeiter des Veterinäramtes im ländlichen und tierreichen Elbe-Elster-Land also keineswegs klagen.